Krefeld: Familie Italiander - engagierte Juden

Krefeld: Familie Italiander - engagierte Juden

Albert Italiander wurde 1860 in Krefeld geboren und erlernte bei seinem Vater den Beruf des Optikers. 1886 heiratete er die 1866 in Dortmund geborene Emma Grünwald. Das Paar bekam vier Kinder. Über sein Interesse für alte Münzen wurde Albert Italiander zum Antiquitäten- und Kunsthändler. Als solcher erscheint er erstmals im Adressbuch für die Jahre 1907/08, unter der Adresse Gerberstraße 49. Für längere Zeit befanden sich dann seine Kunsthandlung und die Wohnung der Familie im Haus Ostwall 147, einer guten Wohn- und Geschäftsgegend. Albert Italiander war auch in der Jüdischen Gemeinde aktiv, so wirkte er als Leiter des Synagogenchors. Durch die Weltwirtschaftskrise und die Auswirkungen des an die Macht gekommenen Nationalsozialismus ging sein Geschäft zurück, so dass er mit der Familie 1935 in das Haus Rheinstraße 67 umzog und dort seinen Kunsthandel in zwei Zimmern der Wohnung fortführte. 1939 musste er sein Geschäft aufgeben; er und seine Frau wurden dann 1940 gezwungen, in das "Judenhaus" Bogenstraße 73 und dann, 1941, in das "Judenhaus" Neußerstraße 63a zu ziehen. Von dort aus wurden Albert und Emma Italiander am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Albert Italiander starb dort am 7. Februar 1943, seine Frau überlebte das Lager und kehrte nach Krefeld zurück. Dort verstarb sie 1946.

Siegfried Italiander war der zweitälteste Sohn von Albert Italiander und seiner Frau Emma. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter bei Krefelder Firmen, eine Zeitlang war er als Prokurist bei der Schuhcremefabrik der Gebrüder Hertzmann tätig. Siegfried Italiander war unverheiratet und lebte, ebenso wie seine Schwester Johanna, bei seinen Eltern. Martha, die jüngste Tochter des Ehepaars Italiander, heiratete 1924 den katholischen Zahntechniker Karl Hildach und bekam mit ihm drei Kinder. Die Ehe wurde jedoch 1937 geschieden, Martha zog danach mit ihrer kleinen Tochter Lotte ebenfalls zu ihren Eltern. Im November 1941 heiratete Johanna Italiander den aus Latum stammenden Oskar Wyngaard. Kurze Zeit später wurde sie mit ihrem Mann, ihrem Bruder Siegfried und 141 anderen Krefelder Jüdinnen und Juden nach Riga deportiert; Martha Hildach kam im September 1944 in das Lager Theresienstadt, wo sie ihre Mutter wiedertraf. Beide kehrten im Juli 1945 nach Krefeld zurück. Ein Überlebender der Deportation nach Riga aus Hüls berichtete ihnen, dass Oskar Wyngaard im März 1944 nach schweren Mißhandlungen gestorben war. Johanna Wyngaard wurde zuletzt gesehen, als die Überlebenden des Rigaer Ghettos in das KZ Stutthof bei Danzig evakuiert wurden. Danach verliert sich ihre Spur.

(RP)
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