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Krefeld: Evangelische Kirche lebt "auf Pump"

Krefeld : Evangelische Kirche lebt "auf Pump"

In der evangelischen Kirche stehen Veränderungen an. Der Hauptgrund sind die Finanzen. Und so stand das neu eingeführte kirchliche Finanzwesen (NKF) im Mittelpunkt der Herbstsynode, zu der sich am Samstag etwa 110 Pfarrer und Presbyter des evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen im Kempener Gemeindehaus trafen.

Durch die Synode führte Superintendent Burkhard Kamphausen. Im anschließenden Gespräch mit der Redaktion äußerte Kamphausen sich selbstkritisch zum Auftreten der Kirche. "Es gibt eine Hinwendung zum Religiösen", sagte der leitende Geistliche des Kirchenkreises, "aber die Kirche hat darauf nicht immer die richtige Antwort." Zwar gelänge es, durch Kunstausstellungen und Konzerte wieder viele Menschen in die Kirche zu holen, aber die Verbindung zum Glauben und zu Gott fände dabei nicht statt.

Diese Erfahrung teilte auch Assessor Michael Windhövel, Pastor an der Friedenskirche Krefeld: "Wir hören nach Veranstaltungen oft 'tolle Location', aber die Menschen kommen deswegen nicht bei anderer Gelegenheit in die Kirchen." Die Kirche müsse den Spagat schaffen zwischen traditionellen Formen, die für viele Menschen wichtig seien, und moderner Ansprache.

"Aus protestantischer Sicht gehört zur Religion die Vernunft", sagte Superintendent Kamphausen. Religion ohne Vernunft sei gefährlich, weil sie die Menschen in Abhängigkeiten führen könne. So gesehen sei die evangelische Kirche auf einem guten Weg, weil sie eine moderne, vernünftige Weltanschauung vertrete.

Die Ein- und Austrittszahlen unterstreichen das: Die Gemeindegliederzahlen sind konstant. Entsprechend hat die evangelische Kirche im Kreis keine sinkenden Steuereinnahmen zu verzeichnen, aber: "Die Ausgaben steigen", sagte der Superintendent.

Deshalb werde über eine Verwaltungsreform nachgedacht, etwa durch die Einrichtung einer Zentrale oder stärkere Kooperation der Gemeinden. Von der Synode wurde dieser Gedanke nicht gut angenommen, weil befürchtet wurde, dass die Selbstbestimmung damit verloren gehe. "Aber wir leben auf Pump", sagte der leitende Geistliche des Kirchenkreises. Der ausgeglichene Haushalt sei nur möglich gewesen durch die Entnahme von 100 000 Euro aus den Rücklagen.

Und nicht nur die finanziellen, auch die menschlichen Ressourcen würden verbraucht. "Die Anforderungen im Pfarrdienst, bei den Kirchenmusikern und Jugendmitarbeitern sind gestiegen", weiß der Superintendent. Oft habe eine Pfarrstelle durch Zusammenlegung mehr Mitglieder.

Neue Aufgaben wie Bildungsdokumentationen in den Kindergärten, die schnelle Beantwortung der zahlreichen Mails sowie komplizierte Rahmenbedingungen führen zu Burn-Out-Situationen. "Auch stellen wir fest, dass es schwieriger geworden ist, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden", sagte Kamphausen. Von dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sei leider auch die Kirche betroffen.

(RP)