Europas größte Mühle geht Ende 2020 in Krefeld in Betrieb, von Norbert Stirken

Rheinhafen Krefeld : Europas größte Mühle geht Ende 2020 in Betrieb

Die Rohbauarbeiten sind im Herbst abgeschlossen.

Im Moment führen die Stahlbetonbauer im Hafen in Gellep-Stratum auf der Baustelle für Europas größte Mühle das Regiment. Zwölf einzelne Gebäude wie Silo, Vorreinigungsturm, Mühle, Schiffsanlegestelle, Pförtnerhäuschen und Büros aus Beton wachsen derzeit in der Rohbauphase in die Höhe. „Wir sind voll im Zeitplan“, erklärte ein Unternehmenssprecher der Goodmills-Grupp, die aktuell noch im Deutzer Hafen in Köln in der Aurora-Mühle produziert. Der Betriebsübergang soll später Schritt für Schritt, das heißt Mahlwerk für Mahlwerk erfolgen und Ende 2020 abgeschlossen sein. Dann sollen in Krefeld auf dem 47.000 Quadratmeter großen Grundstück in Gellep-Stratum, das Goodmills vom Nachbarn Compo erworben hat, jährlich 365.000 Tonnen Getreide zu Mehl verarbeitet werden.

Die Rohbauarbeiten dauern noch bis zum Herbst an. „Dann wird Richtfest gefeiert“, sagte der Sprecher. Anschließend beginnt der technische Ausbau für Sanitär, Elektrik und andere Gewerke, der Innenausbau unter anderem von Malern- und Lackierern sowie die Ausstattung mit Mobiliar. Eine Landmarke ist in ihren Proportionen bereits fertiggestellt – das 65 Meter hohe Vorreinigungsbauwerk hat seine endgültige Höhe erreicht. Das Silo wird ähnlich groß. Für das 58 Meter hohe Gebäude wurden gerade die Rohbauarbeiten für den Sockel und das Erdgeschoss abgeschlossen. Jetzt startet der Gleit- beziehungsweise Schal-
bau für die fehlenden Höhenmeter.

Die LLI Beteiligungsgesellschaft als Múttergesellschaft der Goodmills-Gruppe hat ihr Areal im Kölner Hafen verkauft, um dort Platz für eine andere städtebauliche Nutzung zu machen. Der Übergang nach Krefeld erfolgt fließend. Vorübergehend wird an beiden Standorten produziert. „Köln arbeitet bis zum letzten Moment“, erklärte der Sprecher. Die Produktion am alten Standort in der Domstadt ist vertraglich bis Ende 2020 gesichert

In Krefeld betonen die beiden Hafen-Geschäftsführer Sascha Odermatt und Elisabeth Lehnen erneut die große Bedeutung der Ansiedlung. Der Abschluss mit Goodmills sei ein Clou, der in der dichten Hafengemeinschaft am Rhein sehr beachtet worden sei. Vor allem der so genannte trimodale Anschluss habe überzeugen können. Das heißt, die Anlieferung mit Binnenschiff, Zug und Lastwagen eröffnet alle Möglichkeiten. Im Vergleich zur heutigen Ellmühle (auch Aurora-Mühle) ergeben sich nach Angaben des Unternehmens in der neuen Castellmühle Krefeld durch eine annähernde Verdopplung der Entladekapazitäten maßgebliche Steigerungen für die Getreidebeschaffung. Damit gingen ausschlaggebende Verbesserungen rund um die Modalitäten der Getreideannahme  einher. Die Verladekapazität im Bereich Silomehl erfahre durch die Erweiterung von drei auf vier Verladespuren ebenfalls eine bedeutende Leistungserhöhung, sagte der Firmensprecher.

„Wir setzen neue Maßstäbe bei Produktsicherheit, Hygiene und Energieeffizienz. Krefeld ist ein Startpunkt für weitere große Projekte und Entwicklungen in unserer Gruppe“, sagte Josef Pröll, Generaldirektor der LLI Beteiligungsgesellschaft bei der Grundsteinlegung. Naturschützer sehen das Vorhaben trotz Gleis- und Wasseranschluss kritisch.

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