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Krefeld: Et Bröckske: Sanierung "astronomisch" teuer

Krefeld : Et Bröckske: Sanierung "astronomisch" teuer

Wird das marode Haus zum Denkmal, ist es quasi unverkäuflich und verschandelt als Ruine die Innenstadt. Für eine Sanierung fehlt das Geld. Der Insolvenzverwalter drängt auf eine Lösung, da die Insolvenzmasse begrenzt ist.

Der Verfall schreitet voran. Das Traditionsgasthaus "Et Bröckske" verliert immer mehr Teile seines Putzes. Deswegen musste Insolvenzverwalter Wolf-Rüdiger von der Fecht das Gebäude nun einrüsten und zur Fahrbahn hin absperren lassen. Bezahlt wird diese Maßnahme aus der Insolvenzmasse der Brauerei Rhenania. "Diese Mittel sind begrenzt und reichen nicht für eine Sanierung des Hauses. Wir können nicht mehr machen", betont Carola Sabbagh, Sachbearbeiterin in der Kanzlei Metzeler/von der Fecht.

 Dieses Bild bietet sich hinter dem Gerüst an der Wiedenhofstraße.
Dieses Bild bietet sich hinter dem Gerüst an der Wiedenhofstraße. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Situation sei schwierig, nicht nur wegen des "äußerst schlechten Zustands" des Gebäudes, das unter vorläufigem Denkmalschutz steht. "Wir würden das Bröckske wirklich gerne verkaufen und haben auch Interessenten, die zu einem Kauf bereit wären. Aber nicht, wenn das Haus unter Denkmalschutz gestellt wird", erklärt Carola Sabbagh. Dann sei ein Verkauf so gut wie unmöglich, da die Sanierungskosten dieses verwahrlosten Objektes astronomisch hoch seien.

Ähnlich hatte sich bereits 2012 Manfred Läckes (CDU) bei einem Ortstermin des Denkmalausschusses geäußert. "Ich täte mich schwer, jemanden zu empfehlen, auch nur einen Cent in das Gebäude zu investieren", sagte der Ratsherr damals. Das war vor zwei Jahren. Man darf davon ausgehen, dass die marode Bausubstanz in der Zwischenzeit weiter gelitten hat.

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"Der Keller ist in einem besonders schlechten Zustand. Aber die Feuchtigkeit in dem Gebäude hat nach all diesen Jahren natürlich auch in anderen Bereichen Spuren hinterlassen", sagt die Expertin des Insolvenzverwalters. Entsprechend würden alle Kauf-Interessenten von einem Abriss oder Teil-Abriss des Traditions-Hauses ausgehen. "Wir haben verschiedene Interessenten, mit sehr schönen Vorstellungen. So könnte zum Beispiel die alte Fassade erhalten bleiben, oder es würde beim Neubau auf ein ähnliches Aussehen geachtet und Stilelemente des bestehenden Gebäudes übernommen", sagt Carola Sabbagh. Denkbar sei beispielsweise, dass sich im unteren Bereich wieder Gastronomie ansiedele und darüber Wohnungen entstünden. Leider sei die Stadt bisher zu keinem Gespräch mit den Interessenten bereit gewesen.

Doch wie es dann im Insolvenzverfahren weitergehen solle, wenn für Et Bröckske keine Lösung gefunden werde, wüsste auch keiner, bedauert Carola Sabbagh. "Die Insolvenzmasse wird immer kleiner. Es ist also wichtig, dass wir als Verwalter dieses Geldes verantwortungsvoll mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen. Da will jede Ausgabe gut überlegt sein", das heiße, im Sinne der Gläubiger entschieden werden.

Sollte das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden, bliebe der Eigentümergemeinschaft Wirichs/Decker deswegen nur der juristische Weg, da das Eckhaus ansonsten unverkäuflich würde. "Wir wollen aber keine Rechtsmittel einlegen. Wir hoffen immer noch auf eine einvernehmliche Lösung", sagt die Sachbearbeiterin.

Fest steht jetzt schon, dass die Eigentümergemeinschaft das stark sanierungsbedürftige Bröckske nicht für die erhofften 1,5 Millionen Euro verkaufen wird. Wie es mit dem Haus weitergeht, wird auch der Zahn der Zeit mitentscheiden. Sollte sich beispielsweise in dem feuchten Gemäuer, das seit über fünf Jahren leer steht, bereits der Hausschwamm ausgebreitet haben, den man auch als den gefährlichsten Gebäudezerstörer bezeichnet und der deswegen meldepflichtig ist, könnte es für eine Sanierung bereits zu spät sein.

Die Stadt bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass Mitarbeiter des Fachbereichs Tiefbau an Et Bröckske tätig waren. Die Kosten für Arbeitsstunden, Material und Sondernutzungsgebühr würden dem Verursacher, in diesem Fall dem Insolvenzverwalter, in Rechnung gestellt. Inzwischen sei jedoch die Sperrung des Gehweges wieder aufgehoben.

(RP)