Simone Roemer: "Es gibt genug aufgeblasene Alphatiere"

Simone Roemer: "Es gibt genug aufgeblasene Alphatiere"

Die CDU-Ratsfrau Simone Roemer engagiert sich bei der WerteUnion, die sich als betont konservativer Flügel der CDU versteht. Wir sprachen mit ihr über ihre Motive, altes Lagerdenken und den Feminismus von heute.

Warum engagieren Sie sich in der Werteunion?

Roemer Ich bin vor gut 16 Jahren in die CDU eingetreten, weil ich ein großer Fan von Ludwig Erhard bin, den Wegbereiter der sozialen Marktwirtschaft. Für ihn war der freie Markt ein Garant für Wohlstand, er lehnte aber den Laissez-faire-Kapitalismus ab. Die Politik übernimmt dabei die Aufgabe der Marktüberwachung und soll negative soziale Auswirkungen korrigieren. Davon sehe ich heute nicht mehr viel, ich denke nur an Alters- und Kinderarmut und an das hohe Armutsrisiko, alleinerziehend zu sein. Ich könnte die Liste fortsetzten. Politisch verantwortliches Handeln misst sich nicht nur in Wirtschaftswachstum.

Bei der Auftaktveranstaltung des Konservativen Kreises, dem Vorläufer der WerteUnion, war die Publizistin Birgit Kelle Moderatorin. Sie ist bei Feministinnen ein rotes Tuch. Gibt es unter CDU-Frauen einen neuen Anti-Feminismus?

Roemer In den 60 Jahren wäre ich sicher eine Feministin gewesen, da gab es mich aber noch nicht. Heute versuche ich als Kommunalpolitikerin, die Interessen aller Frauen zu vertreten. Warum ziehen wir heute noch einen Graben zwischen Feministen und Anti-Feministen, das ist doch nicht zeitgemäß.

Lange hieß es: Die CDU hat ein Problem mit Wählern in Großstädten; besonders bei jungen, modernen Frauen. Ist das vorbei? Wie konservativ sind Frauen heute?

Roemer Definieren Sie bitte "moderne, junge Frau". Ist das nur eine Frau, die Kinder und Karriere unter einen Hut bringt? Oder ist das auch die junge Mutter, die sich entscheidet, bei ihren Kindern zu bleiben, solange sie noch klein sind? Oder ist das die junge Frau, die sich entscheidet, keine Kinder in die Welt zu setzen? Für mich ist keine Frau unserer Zeit unmodern. Die Politik muss dafür sorgen, dass in unserem freien Land jede Frau die Möglichkeit hat, sich voll zu entfalten, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Ich finde übrigens auch, dass sich der Arbeitsmarkt an die Bedürfnisse der Mütter anpassen sollte und nicht umgekehrt. Da bin ich nah bei Kelle, warum teilt man Mütter mit kleinen Kindern im Schichtdienst ein? Damit wir 24-Stunden-Kitas eröffnen können? Da läuft was schief. Ist das sehr konservativ?

Glauben Sie, dass es eine Rückkehr zum alten Lagerdenken gibt - die Linke hier, die Bürgerlichen da?

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Roemer Ich hatte noch nie etwas für Lagerdenken übrig. Das hat sowas von Machiavelli, herrsche und teile. Politische Wahrheiten kennen keine Parteigrenzen.

Gibt es in Krefeld innerparteiliche Spannungen? Der Konservative Kreis war anfangs eine Kampfansage an die CDU. Mussten Sie schon zu Parteichef Blondin zum Rapport?

Roemer Nein, sicher nicht. Marc weiß, woran er bei mir ist. Als ich meine Landtagskandidatur zurückgezogen habe, war wohl allen klar, dass ich zu meiner Partei stehe. Mir geht es in der Politik immer um eine kluge sachliche Auseinandersetzung, da darf es auch unterschiedliche Meinungen geben. Bei der Werteunion habe ich Krefelder CDU-Mitglieder kennengelernt, die ich noch nie gesehen habe, sehr kluge Köpfe, die mit dem Kurs der Bundespolitik unzufrieden sind. Konstruktive Kritik fördert das Denken.

Finden Sie Angela Merkel genauso schlimm wie der Initiator des Konservativen Kreises, Gerald Wagner?

Roemer In der Flüchtlingsfrage hat sie Fehler gemacht, das sehen wir. Sie hat es aus einem humanistischen Menschenbild heraus gemacht, das rechne ich ihr hoch an. Trotzdem war es nicht weitsichtig genug. Die Integration läuft nicht so, wie es sein sollte. Sie traut sich auch nicht, einem Konzern die Zähne zu zeigen, wenn er die Bürger betrügt, oder ein Minister eigenständig für Glyphosat stimmt. Geopoltisch bin ich allerdings froh, dass wir sie haben. Die Welt hat schon genug aufgeblasene, aggressive Alphatiere.

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)