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Krefeld: Erster Chemie-Manager sagt: "Rheinblick muss kommen"

Krefeld : Erster Chemie-Manager sagt: "Rheinblick muss kommen"

Offenbar ist eine Lösung in Sicht, die auch die Interessen des Chemparks wahrt: Lanxess-Spitzenmanager Jörg Hellwig sagt, Krefeld brauche die Bebauung am Rhein. "Ich kenne keine Stadt am Fluss, die eine solche Lage nicht nutzt."

Wer Zwischentöne zu hören vermag, musste den Eindruck gewinnen: Eine Lösung für das Rheinblick-Projekt in Uerdingen ist zum Greifen nah. Erstmals hat sich ein Spitzenmanager aus dem Chempark klar für das Wohnbauprojekt am Rhein ausgesprochen - weil er Krefeld liebt, wie er einmal unumwunden sagte, und aus wohlverstandenem Eigeninteresse eines Chemieunternehmens, das Spitzenkräfte davon überzeugen muss, dass es gut ist, in Krefeld zu leben. Mit den Worten "Rheinblick muss kommen" sprach sich Lanxess-Spitzenmanager Jörg Hellwig (49) für das Projekt aus. Spektakuläre Architektur am Rhein wäre ein positiver Akzent für die ganze Stadt.

Bislang hat der Chempark massive Sorgen deshalb, weil er fürchtet, wegen der heranrückenden Wohnbebauung Behinderungen hinnehmen zu müssen. Hellwig, der enge Kontakte zur Stadt pflegt, deutete die Lösung an: die neuen Gebäude so anzuordnen, dass die Wohnkomplexe möglichst weit weg von dem lärmträchtigen Hafenanleger liegen, den der Chempark unbedingt Tag und Nacht braucht. Hellwig war der zweite Redner im Rahmen der Reihe "Moment mal - Krefeld?!", die von der Initiative "Zukunft durch Industrie" (ZDI) ausgerichtet wird - Gastgeber ist das Mercure Tagungs- und Landhotel Traar, Medienpartner die Rheinische Post als Forum der Debatte. Kernidee: Krefeld von außen in den Blick zu nehmen, um Impulse für die Stadt zu gewinnen.

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Hellwig verfügt über Innen- und Außenperspektive. Er ist in Krefeld geboren, hat als Bürokaufmann bei Bayer in Uerdingen angefangen und eine steile Karriere mit viel internationaler Erfahrung hingelegt. Heute leitet er Lanxess in Uerdingen, dem weltweit bedeutendsten Produktionsstandort des Spezialchemie-Konzerns. Aus Hellwigs Vortragsmotto sprach Stolz auf das Uerdinger Werk: "Ein Weltmarktführer aus Krefeld". Hellwig lebt in Linn - und er ist Krefeld zugetan. Wenn er internationale Gäste habe, berichtete er, fahre er mit ihnen erst einmal herum und zeige ihnen die schönen Seiten der Stadt: die Parks, Linn und die Burg, die Rennbahn. Die Stadt braucht sich nach Überzeugung Hellwigs nicht zu verstecken - als ein Freund ihm berichtete, er habe sich für eine Million Euro ein Reihenhaus in Düsseldorf gekauft, habe er ihm gesagt: "Du bist wahnsinnig", in Krefeld bekäme er für ein Drittel des Geldes ein gleichwertiges Haus - und die Anbindung an Flughafen und City Düsseldorfs sei sogar besser. Hellwig plädierte dafür, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung zu verbinden, auch deshalb, weil er ein Konzept für das Profil der Stadt vermisst. "Wo will Krefeld in fünf Jahren stehen? Da sehe ich keinen Plan." Gefragt, welche drei Dinge er aktuell als wichtig für die Stadt werte, nannte er die Ostwallhaltestelle, das Rheinblick-Projekt und den KEV für Krefelds Ruf als Sportstadt. Er sei ein "absoluter Verfechter des Ostwall-Umbaus", betonte Hellwig; nach Jahrzehnten des Stillstands ändere sich endlich etwas in der City.

In einem Punkt schlug er Alarm wie viele Industrie-Manager: bei der Infrastruktur. "Wenn die A 57 zehn Jahre dicht ist, haben wir alle ein Problem." Veränderungsbedarf sah er auch beim Seidenweberhaus und brachte Produkte von Lanxess ins Spiel, mit denen weltweit Gebäude oder Sportstadien gestaltet werden. Es gehe ihm nicht um ein Geschäft (dazu wäre ein solcher Aufträge wohl auch zu klein), sondern darum, etwas für die City zu erreichen, betonte er.

Er hatte auch gute Sätze für den Industriestandort Krefeld in petto: "Wir werden weiter in Krefeld investieren." Mit Bedauern kam er auf das Bayer-Kreuz zu sprechen, das mit dem Abschied von Bayer aus Uerdingen verschwinden soll: "Das ist für mich eine emotionale Geschichte - so ganz kann ich mich damit nicht abfinden."

(RP)