Ernst Müllers neues Buch: Rheinländische Literatur

Literatur : Streifzug durchs literarische Rheinland

Goethe und Hanns Dieter Hüsch, Heinrich Böll und das Nibelungenlied: Was sie gemeinsam haben, beschreibt Ernst Müller in seinem Buch „Literarisches Rheinland“.

Für Clemens Brentano hegt Ernst Müller tiefes Verständnis. Der große Dichter der Romantik hat als Student um 1802 den Rhein bereist und war fasziniert von den Burgen. Jahre später hat er seine Eindrücke literarisch umgesetzt in seinen Rheinmärchen. Der Journalist und Literaturwissenschaftler Müller, der mit großer Freude auf den Spuren bedeutender Dichter und Denker reist, ist Brentano in dessen Domizil nach Oestrich-Winkel im Rheingau gefolgt. Das Haus, das mit Originalinventar - von den Tapeten bis zu den Möbeln an den Poeten erinnert, war seinerzeit Treffpunkt der wichtigen Vertreter der Romantik. „In dem Bett, das dort steht, hat schon Goethe geschlafen“, sagt Müller. Und das war einer der Gründe für sein zweites „Dichter“-Buch. In „Literarisches Rheinland“ folgt Müller 15 Autoren von nationaler und internationaler Bedeutung an einen für sie wichtigen Ort.

„Ich habe 15 Autoren ganz subjektiv ausgewählt, die Reisen sollten mir Spaß machen“, erzählt Müller. Spaß macht auch die Lektüre: In 15 Kapitel nähert sich Müller kenntnisreich den großen Namen der Literaturgeschichte wie Goethe, Heine und Böll, bringt sie mit einem Ort in Verbindung, interpretiert ihr Werk und macht mit Auszügen aus Originaltexten Appetit, in das eine oder andere Werk einmal ausgiebig hineinzuschauen.

Eher zufällig hat sich für Müller dabei ein thematischer Bogen gespannt. Er hat vom Mittelalter und dem Nibelungenlied, dessen Held Siegfried in Xanten verortet ist, einen Faden durch die wichtigen Epochen bis zur Gegenwart gespannt, zum Beispiel zu den ur-niederrheinischen Texten von Hanns Dieter Hüsch. Dabei stellte er fest: Alle Strömungen der deutschen Literaturgeschichte sind im Rheinland vertreten.

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Bei einigen Autoren liegt die Verbindung auf der Hand: Böll, der Ur-Kölner, Heinrich Heine als der der große Sohn Düsseldorfs oder Albert Vigoleis Thelen, der in Viersen geboren und gestorben ist. Bei ihm allerdings liegt dazwischen allerdings ein halbes Jahrhundert im Exil. Was der als Hexenanwalt bekannte Friedrich Spee, Konrad von Würzburg oder Karl Immermann mit dem Rheinland verbindet, lohnt sich, es nachzulesen. Das Buch ist für 15 Euro im Buchhandel erhältlich.

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