Erdogan-Kritiker Dogan Akhanli kommt nach Krefeld

Krefeld : Erdogan-Kritiker Dogan Akhanli kommt nach Krefeld

Dogan Akhanli wurde deutschlandweit bekannt, als er in Spanien auf Betreiben der Türkei verhaftet wurde.

(vo) Eigentlich sollte er schon im September 2017 in Krefeld sprechen, doch dann kam das Ereignis dazwischen, das den Mann schlagartig einer breiten europäischen Öffentlichkeit bekannt machte: Der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli wurde am 19. August 2017 in Granada während eines Urlaubs auf Betreiben der Türkei verhaftet. Die Türkei hatte Akhanli, der die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte, über Interpol zur Festnahme ausgeschrieben und forderte seine Auslieferung. Nun also holt er seinen Krefeld-Besuch nach: In Kooperation mit der VHS und dem Anderen Buchladen lädt Amnesty International Krefeld für den 2. Juli, 19 Uhr, zu einer Lesung mit Akhanli ein. Er wird aus seinem neuen Buch vortragen, in dem er seine Erfahrungen rund um die Verhaftung verarbeitet hat. Bei der Lesung wird Akhanli von dem Krefelder Schauspieler Helmut Wenderoth (KRESCH Theater) unterstützt. Der Eintritt beträgt fünf Euro.

Nach offiziellen türkischen Angaben soll Akhanli an einem Bankraub beteiligt gewesen sein, im europäischen Ausland ist man aber davon ausgegangen, dass die Türkei Akhanli aus politischen Gründen in ihre Gewalt bekommen wollte. Der Schriftsteller blieb zwar nur einen Tag in Haft, durfte jedoch Spanien bis zum Gerichtsentscheid nicht verlassen. Den zweimonatigen spanischen Zwangsurlaub nutzte er, seine langjährigen Erfahrungen mit der türkischen Justiz und mit türkischer Staatsgewalt literarisch aufzuarbeiten.

Akhanli wurde in der Türkei schon 1975 das erste Mal aus einem politischen Konflikt heraus verhaftet: Wegen des Kaufs einer linksgerichteten Zeitschrift saß er fünf Monate in Untersuchungshaft. Er engagierte sich als Mitglied der illegalen Revolutionären Kommunistischen Partei der Türkei (TDKP) und tauchte 1980 nach dem Militärputsch unter. 1985 wurde er verhaftet und saß zweieinhalb Jahre im Militärgefängnis von Istanbul. 1991 floh er nach Deutschland ins politische Asyl. Seit 1992 lebt er als Schriftsteller in Köln. Er ist Mitglied in der internationalen Schriftstellervereinigung PEN und besitzt seit 2001 allein die deutsche Staatsbürgerschaft.

Das neue Buch mit dem Titel „Verhaftung in Grenada oder Treibt die Türkei in die Diktatur?“ beschreibt Amnesty International als „beeindruckendes Werk“, in dem es um Akhanlis Verfolgungserfahrungen, die politische Lage und geschichtliche Tabus in der Türkei, um seine Kindheit, Deutschland und Spanien geht. Zugleich sei das Buch „eine abenteuerliche, poetische und oft auch humorvolle Reise durch die vergangenen 40 Jahre“, heißt es.

VHS-Gebäude, 2. Juli, 19 Uhr, Eintritt: 5 Euro

(vo)
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