200 Millionen Euro Streitwert: Erben fordern Mondrian-Bilder von der Stadt Krefeld zurück

200 Millionen Euro Streitwert: Erben fordern Mondrian-Bilder von der Stadt Krefeld zurück

Auf die Stadt Krefeld kommt ein Rechtsstreit zu, der internationales Aufsehen erregen könnte. Es geht um die Rückgabe der Mondrian-Bilder aus dem Besitz des Kaiser-Wilhelm-Museums an Erben in den USA.

Seither sollen vier Schreiben an den Oberbürgermeister Frank Meyer im Krefelder Rathaus eingegangen sein. Geantwortet habe stets das Rechtsamt - mit Drohungen, nichtssagenden Allgemeinplätzen und einer Stellungnahme, die offenbar als Mitteilung an die Presse verschickt worden sei, so der Berliner Jurist.

Der Jurist hat gemeinsam mit der Provinienzforscherin Monika Tazkow drei Jahre lang über die Historie einiger Mondrian-Bilder geforscht, die von den Erben in den USA vermisst werden.

Herausgekommen ist ein Gutachten mit einem Umfang von 80 Seiten und die Forderung an die Stadt Krefeld, die Bilder aus dem Bestand des Kaiser-Wilhelm-Museums an die Erben zurückzugeben.

Ehemaliger Museumsdirektor soll Werke veräußert haben

Der Jurist sieht Anhaltspunkte dafür, dass der ehemalige Museumsdirektor Paul Wember während seiner Krefelder Amtszeit, fünf bis neun Bilder des berühmten niederländischen Künstlers Piet Mondrian verkauft hat, um mit dem Erlös eine Schwarzgeldkasse für Ankäufe zu füttern.

"Einige Werke wurden verkauft, und diese Tatsache wurde allen Wissenschaftlern bis Sommer 2016 verschwiegen. Erst 1954 wurden die vier anderen als Eigentum des Museums inventarisiert."

  • Krefeld : Neue Spur zur Lösung des Mondrian-Rätsels

Vier dieser Werke befänden sich bis heute in Krefeld, vier weitere Arbeiten seien vom damaligen Museumsdirektor Paul Wember gegen Papierarbeiten der klassischen Moderne getauscht worden, erklärte ein Stadtsprecher.

Der Jurist hält das für eine bloße Erfindung. Lediglich ein Bild sei gegen eine Arbeit von Paul Klee getauscht worden, die Übrigen seien veräußert worden. Dabei habe es sich um einen "widerrechtlichen Verkauf von Werken" gehandelt, um "außerhalb des Museumsetats" (O-Ton Wember) Geld für Neuanschaffungen zu generieren. Dies zeige die "jahrzehntelange Verdeckungsabsicht" der Stadt Krefeld.

Dem Hinweis, Wember habe die Arbeiten immer wieder gezeigt und ins In- und Ausland verliehen, begegnet Schnabel mit den Ergebnissen seiner Recherche: Das sei falsch. In den wichtigsten internationalen Ausstellungen seien die einmaligen Malereien nie zu sehen gewesen.

Und weder Wember, noch seine Amtskollegen Gerhard Storck und Martin Hentschel hätten jemals den Autoren der Werkverzeichnisse von Piet Mondrian gesagt, dass sie acht Werke besäßen. Die Mondrian-Bilder galten laut Werksverzeichnis entweder als vermisst oder der Vorbesitz Krefeld als unbekannt. Es gebe keine Unterlagen, die beweisen könnten, dass die Stadt rechtmäßiger Eigentümer der Bilder sei.

Die Aussage der Stadt Krefeld, dass Mondrian regelmäßig Gemälde verschenkt habe, für die er keine Verwendung mehr hatte, sei ebenfalls falsch, so der Jurist. Mit einer Ausnahme: eine Schenkung von Piet Mondrian an einen K. Dreier (gemäß Schenkungsvertrag in den USA aus einer Zeit, als beide dort wohnten), gebe es keinen vergleichbaren Fall, so Schnabel.

(sti)