Krefeld: "Entartete Kunst" in Krefeld

Krefeld: "Entartete Kunst" in Krefeld

Als die Nazis ab 1937 Bilder aus dem Kaiser-Wilhelm-Museum verschleppten, war das der Höhepunkt des Kunststreits. Darüber und über den 50-jährigen "Kampf der Moderne" in Krefeld hat Sabine Röder geforscht.

Zwischen 1937 und 1942 wurden aus dem Kaiser-Wilhelm-Museum etwa 100 Kunstwerke verschleppt. Sie galten nach Maßstäben der Nationalsozialisten als "entartet". Die meisten Bilder tauchten nie wieder auf. Nur der "Pierrot" von Campendonk und die "Kühe" von Nolde kamen, als Ankauf oder Geschenk, zurück.

Das Thema "entartete Kunst" spielte im Untertitel eine Rolle, als Sabine Röder von den Krefelder Kunstmuseen jetzt den rund 50 Jahre dauernden "Kampf um die Moderne" in Krefeld erläuterte. In ihrem Vortrag im Kurt-Kähler-Saal der Jüdischen Gemeinde belegte sie ihre neuesten Forschungsergebnisse anschaulich: Der Kampf um die Moderne war erst zu Ende, als Paul Wember 1947 Chef des Kaiser-Wilhelm-Museums wurde.

Der 1883 gegründete "Crefelder Museumsverein" hatte den Museumsbau zum Ziel, 1897 wurde das Haus am Karlsplatz eröffnet. "Einen Eiertanz zwischen verschiedenen Interessengruppen" um Ausstellungen und Ankäufe gab es über Jahrzehnte, Befürworter der Avantgarde standen gegen "das kleingeistige Denken der lokalen Politik" und der sich zu wenig beachtet gefühlten regionalen Künstlerschaft. Das gesamte gebildete Bürgertum war im Museumsverein vertreten, in den 1920ern gab es 1000 Mitglieder, bis 1937 verringerte sich die Zahl auf 450, von denen zehn Prozent jüdischen Glaubens waren.

Ankauf des Monet-Bilds

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Friedrich Deneken, der erste Museums-Chef, zeigte 1907 in der "Ersten Französischen Kunstausstellung" den "Inbegriff der Moderne", die Rezeption war gespalten von "Kunst des "Erbfeindes" bis zum Ankauf des Monet-Bildes durch einen Spender. Aber Deneken war vorsichtig geworden, in der Folge verlor das Museum sein Renommee. Hermann Lange und Rudolf Oetker veranstalteten eine Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst. Als Max Creutz 1922 Direktor wurde, "war das ein Glücksfall".

Er förderte Thorn Prikker und Campendonk, verfolgte eine "mutige Ausstellungstätigkeit". Obwohl für ihn alt und neu kein Gegensatz waren, gab es 1923/24 im sogenannten Expressionismusstreit, den "Aufstand der schweigenden Mehrheit". Nach dem Tod von Creutz 1932 sank die Bedeutung des Museums. Ab 1933 bestimmten die Nationalsozialisten die Ausstellungspolitik. Beginnend 1937 mit der Zusammenstellung für die Münchener Ausstellung "Entartete Kunst" wurden aus dem Krefelder Museum etwa 100 Kunstwerke verschleppt.

Im besetzten Paris wurden durch Friedrich Muthmann sogar "Väter der Moderne zu billigen Preisen" aufgekauft, von Wember später zurückgeben. Während der Nazi-Diktatur versuchten "Heimatfreunde" wie Rembert und Steeger ein "Niederrheinisches Heimatmuseum" im KWM zu etablieren, der Maler Wilhelm Brandenberg hatte eine "zentrale Position" bei der Zulassung von Künstlern zu Ausstellungen.

"Hier muss es weitergehen", hieß es, als alsbald 173 moderne Arbeiten aus Krefelder Privatsammlungen gezeigt wurden. Aber auch Paul Wember hatte noch einen "Kampf um die Moderne" zu bestehen, als er 1961 Yves Klein in Haus Lange zeigte, aber eigentlich niemand mehr der "Modernen Kunst das Existenzrecht" streitig machte.

(RP)
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