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Krefeld: Empörung über NPD-Video

Krefeld : Empörung über NPD-Video

Die Krefelder NPD hat ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie zwei ihrer Aktivisten als Weihnachtsmänner verkleidet auf dem Krefelder Weihnachtsmarkt Propagandamaterial verteilen. Vertreter der Stadt zeigen sich empört.

Die oft gebrandmarkte Methode der NPD, unter dem Deckmantel der Harmlosigkeit (etwa mit der Verteilung von Musik-CDs vor Schulen) Propaganda zu verbreiten, ist von der als neonazistisch eingestuften Partei auch in Krefeld in einer besonderen Variante erprobt worden: Auf ihrer Internet-Seite rühmt sich der NPD-Kreisverband Krefeld damit, dass als Weihnachtsmänner verkleidete NPD-Aktivisten auf den Weihnachtsmärkten der Region unerkannt Propagandamaterial verteilt haben.

 Das Foto zeigt eine NPD-Demo in Krefeld im Jahr 2007.
Das Foto zeigt eine NPD-Demo in Krefeld im Jahr 2007. Foto: RP/Thomas Lammertz

Auch auf dem Krefelder Weihnachtsmarkt sind demnach NPD-Leute in Verkleidung unterwegs gewesen. Die Stadt zeigte sich auf Nachfrage empört; die Aktion sei nicht genehmigt gewesen. Unklar ist, wie die Stadt rechtlich darauf reagieren kann. Ein bei "Youtube" eingestelltes Video der NPD zeigt deutlich, wie zwei Männer, als Weihnachtsmänner samt Watte-Rauschebart verkleidet, auf dem Krefelder Weihnachtsmarkt vor der Dionysiuskirche Tütchen mit Süßigkeiten und Broschüren an Besucher des Marktes verteilen.

Einer der beiden jungen Männer trägt deutlich sichtbar Springerstiefel. Die beiden Aktivisten sind offensichtlich nicht an Kindern interessiert: Zwei Jungen, die neugierig näherkommen, ignorieren sie vollkommen. Sie gehen gezielt vielmehr auf Erwachsene zu und versuchen, ihnen Süßigkeiten und NPD-Material auszuhändigen.

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Nach den Angaben auf der Internet-Seite handelte es sich nicht um eine Einzelaktion; vielmehr sprechen die Verantwortlichen von "Wochenenden" und "verschiedenen Weihnachtsmärkten im Kreisgebiet". Bis zum 18. Dezember sollen demnach "die letzten der anfangs 3500 Tütchen" auf den Weihnachtsmärkten in Krefeld und Kempen verteilt worden sein.

Bei der Stadt zeigte man sich überrascht und empört. Ulrich Cloos, Leiter Marketing und Stadtentwicklung, erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass diese Aktion nicht genehmigt gewesen sei und auch nicht erlaubt worden wäre. Niemand dürfe so einfach etwas auf dem Weihnachtsmarkt verteilen.

Bemerkt habe die Aktion allerdings niemand; es habe keine Beschwerden von Händlern oder Besuchern gegeben. Dennoch, so Cloos weiter, wollten weder Stadt noch Händler gegen die NPD vorgehen, um die Partei nicht durch ein Verbot in eine "Opferrolle" zu bringen. Cloos ließ den Fall durch das Rechtsamt der Stadt prüfen. Die Juristen kamen zu dem Schluss, dass sie nicht einmal ein Ordnungsgeld verhängen könnten. Demnach kann die NPD auch künftig auf Weihnachtsmärkten agitieren.

(jco)