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Krefeld: Emotionsgeladene Diskussion um Kaserne

Krefeld : Emotionsgeladene Diskussion um Kaserne

Die Forstwalder sind zerstritten: Soll das ehemalige Kasernengelände bebaut oder aufgeforstet werden? Zu dieser Frage diskutierten jetzt Vertreter verschiedener Gruppen vor rund 200 Zuschauern. Die Atmosphäre im Saal war explosiv.

Mit einem solchen Ansturm an Zuhörern hatte die Bürgerinitiative Forstwald, Veranstalter der Podiumsdiskussion zum Thema "Kasernengelände Forstwald", nicht gerechnet. Rund 200 Menschen drängelten sich im Saal des Waldhofs, für viele gab es keinen Sitzplatz mehr.

"Bebauung oder Aufforstung" lautete das Thema, das auf dem Podium und im Saal emotional diskutiert wurde und das die Forstwalder Bürgerschaft in zwei Gruppen spaltet. Nicht jede auf dem Podium geäußerte Meinung wurde im Publikum gern gehört. Rolf Rundmund, Vorsitzender des Planungsausschusses und Befürworter einer Bebauung, musste sich Zwischenrufe wie "Sie belügen uns" und sogar "Sie erzählen Scheiße" anhören.

Begonnen hatte der Abend mit einem Impulsreferat von Heimatforscher Helmut Sallmann. Nach rund einer Stunde eröffnete Moderator Claudius Schmitz schließlich die von den Zuschauern mit Spannung und Ungeduld erwartete Podiumsdiskussion. Auf dem Podium saßen sowohl Befürworter der Bebauung als auch einer Aufforstung.

Grünen-Ratsherr Rolf Rundmund berichtete, dass er das Kasernengelände erst vor wenigen Tagen gemeinsam mit Vertretern des Planungsamtes und des Eigentümers, der Bundesanstalt für Immobilien (BIMA), besichtigt habe. "70 bis 80 Prozent der Fläche sind versiegelt", so Rundmund. "Wir müssen wegen der demografischen Entwicklung mit dem Ausweisen neuer Wohngebiete im Flächennutzungsplan sparsam sein", sagte er. Aus gesamtstädtischer Sicht sei das Kasernengelände als Baugebiet gut geeignet. "Wenn wir Flächen ausweisen, dann da, wo bereits versiegelt ist und nicht auf der grünen Wiese."

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Dass die BIMA das Gelände als Ausgleichsfläche für andere Baumaßnahmen zur Verfügung zu stellen würde, hält er nach Gesprächen mit Vertretern der BIMA für ausgeschlossen. Denn: "Es wäre viel zu teuer, die Fläche zu rekultivieren." Außerdem führte Rundmund aus, dass die Stadt Krefeld eine ungewollte und zu dichte Bebauung per Bebauungsplan verhindern könne: "Ein Investor kann nicht gegen Baurecht verstoßen."

Doch gerade dieser Punkt wurde von vielen Forstwaldern im Saal angezweifelt, die Rundmunds Erläuterungen mit Gelächter quittierten. Unterstützung bekamen sie von Heinz Albert Schmitz: "Investoren schaffen es immer wieder, Bebauungspläne so zu verändern, dass es ihnen passt." Großen Applaus gab es auch für Günther Porsts Ausführungen, der bezweifelte, dass eine hochwertige Bebauung auf dem Kasernengelände für einen Investor rentabel sei. "Die hochwertige Bebauung ist eine Vision. Ein Investor muss Geld erwirtschaften und wird so eng wie möglich bebauen." Ein völlig ungelöstes Problem, so Porst, sei auch die Frage des Verkehrs, der sich auch jetzt schon jeden Morgen Richtung Autobahn staue. "Auf diese Frage konnte mir niemand aus dem Bereich Planung bis jetzt eine Antwort geben."

Mit einer interessanten Berechnung wartete Wolfgang Huber auf. Er hatte unter Nutzung von Luft- und Satellitenbildern überschlagen, wie viel umbaute Kubikmeter Gebäude und viele asphaltierte Flächen vor einer Aufforstung abgerissen und entsorgt werden müssten. "Das würde rund eine Million Euro kosten", sagte er. "Wenn die Stadt schon den Fördervereinen von Schulen das Geld kürzt, um 8000 Euro zu sparen, wo soll dann so ein hoher Betrag herkommen?"

Kurt Biederbick vom Bund für Umwelt- und Naturschutz bezeichnete das Kasernengelände als "übel zugerichtetes Gelände", das kein Wald sei, und plädierte ebenso für Bebauung, wie Klaus Dieter Menzer, der die Fläche als "wunderbares Bauland" bezeichnete, weil nichts zerstört würde. Familien hätten hier die Chance, eine neue Heimat zu finden.

In der anschließenden, teils emotional geführten, Publikumsfragerunde wurde noch einmal die Sorge vieler Forstwalder deutlich, dass Stadtverwaltung und Politik vor einem Investor einknicken und eben doch eine dichte Bebauung zulassen könnten.

(puv)