Krefeld: Elfrather See: Paradies für Sport- und Naturfreunde

Krefeld: Elfrather See: Paradies für Sport- und Naturfreunde

Was als Auskiesungsgrube für den Bau der Autobahn 57 Anfang der 70er Jahre begann, ist heute ein Landschaftsschutzgebiet, das nicht nur zahlreichen organisierten Wassersportlern, sondern auch vielen Individualsportlern und Naturfreunden jedes Alters eine insgesamt 138 Hektar umfassende Freizeitfläche bietet.

NORDOST Selbst bei mäßigem Wetter und Mitten in der Woche ist es kaum möglich, auch nur 100 Meter zu gehen, ohne einem Spaziergänger - oft mit Hund - einem Jogger, einer Mutter mit Kinderwagen oder Radlern zu begegnen. Der Elfrather See ist - ungeachtet des Gänse- und Wasserpestproblems - ein mindestens ebenso wertvolles Naherholungsgebiet wie das Hülser Bruch, der Forst- oder der Stadtwald.

Foto: Lammertz Thomas

"Jedes Jahr verzeichnen wir hier zwischen 300- und 400.000 Besucher", sagt Wolfgang Vieten, der beim Sport- und Bäderamt für Pflege und Betrieb aller offenen Sportanlagen zuständig ist. Selbst bei schlechtem Wetter kommen täglich rund 100 Besucher an den See, der übrigens nicht auf Elfrather Gebiet, sondern auf Teilflächen von Uerdingen, Traar und Vennikel liegt.

Foto: Lammertz Thomas

Ein Grund für den regen Zuspruch ist die Hundefreilaufstrecke, die sich über ein rundes Drittel des Westufers erstreckt. Ein zweiter Grund sind die durchgängig gepflasterten, auch bei nassem Wetter nutzbaren Wege, die auf erhöhtem Niveau rund um den See führen. Zusätzlich führt ein unbefestigter Wegering direkt am Ufer fast um den gesamten See. Letztere waren in der Vergangenheit stark zugewachsen, doch hat das zuständige Sport- und Bäderamt in dieser Vorsaison damit begonnen, den Bewuchs zurückzuschneiden, um wieder freie Blicke aufs Wasser zu ermöglichen. In vier, fünf Jahren soll der entsprechende 15-teilige Pflegeplan abgearbeitet sein.

Foto: Thomas Lammertz

Vor allem die Ruderer profitieren von der - für Regatten vorgeschriebenen - Länge des Sees von 2000 Metern plus 300 Meter Auslaufstrecke, die 2001 durch die Verbindung des nördlichen mit dem südlichen Gewässer geschaffen wurde. Dafür war damals die trennende Vennikelstraße zurückgebaut worden. Danach wurde der E-See mit dem Crefelder Ruder-Club zum Bundesleistungsstützpunkt der Jugend; im nächsten Jahr steht sogar eine Europameisterschaft auf dem Terminplan - die erste auf dem Gewässer.

Sommervergnügen: Hans Dolls mit seinem Modell-Segelboot. Foto: Lammertz Thomas

Bei einer Rundfahrt um den See stoppt Wolfgang Vieten den Dienstwagen an einem der vier erhöhten Aussichtspunkte mit Sitzbänken, die einen herrlichen Blick über den See erlauben. Ebenso viele Hütten bieten Schutz vor plötzlichem Regen. Der Sicherheit dienen vor allem auch die rund um den See verteilten 17 Notfall-Standortschilder, damit Rettungskräfte im Fall des Falles informiert werden können, wohin sie genau kommen müssen.

Hunde und ihre Besitzer kommen sich am E-See näher. Foto: Lammertz Thomas

Über das Nordende des Sees, wo Hans Dolls, Mitglied des Modellbauclubs Krefeld, im Begriff ist, sein Segelschiff zu Wasser zu lassen, führt der Weg zu diversen Rasenplätzen für Fußball-Hobbymannschaften oberhalb des Ostufers. Auf dem benachbarten Rollhockey-Feld trainiert im Sommer auch die KEV-Jugend. Es folgen eine Boulebahn, Tischtennisplatten und ein weites Sandfeld für alle möglichen Beach-Ballspiele. Alle diese Anlagen sind weit genug vom See entfernt, damit Sporttreibende die Ruhesuchenden auf den Uferwegen nicht stören.

Rita Oyala bietet in ihrem Café selbst gebackene Torten und Kuchen. Foto: Lammertz Thomas

Unweit der 18-Bahn-Minigolfanlage liegt oberhalb des Badesees der Kiosk, neben dem gerade ein Grillplatz mit drei Sitzgruppen installiert wurde. Dort - und nur dort - können Besucher ihre mitgebrachten Grills aufstellen oder ein solches Gerät im Kiosk mieten. Pächter Heinz-Dieter Pelzer bietet aber auch seinerseits Deftiges wie Pommes und Currywurst an. Und was alle schätzen, die sich auf den Weg rund um die See machen: Dort befindet sich eine zweite öffentliche Toilettenanlage; die erste ist am südlichen Ende des Sees platziert.

Im Schatten lässt es sich auf der Terrasse am Badesee gut aushalten. Foto: Lammertz Thomas

"Zwar geht der Vereinssport bei der Nutzung des Gewässers vor, doch kann der See von jedermann für Fahrten auf mitgebrachten Schlauchbooten oder Kanus gegen eine Gebühr von 3,30 Euro genutzt werden", sagt Wolfgang Hein, der sich am E-See mit seinem Kollgen Marco Malune um Aufsicht, Verkehrssicherung und Reparaturen kümmert. Schwimmen ist allerdings nur in dem abgetrennten Badesee erlaubt, dessen Wasserqualität - zuletzt im April - laut Hein die Note "gut" bescheinigt wurde. Nach wie vor finden sich dort aber auch die ungeliebten Gänse. Die seien, so Hein, übrigens erst gekommen, nachdem der Besucherzuspruch mehr und mehr abgenommen hatte. Die "Zukunftswerkstatt Elfrather See" mit Vertretern aus Sportvereinen, Politik und Verwaltung befasst sich derzeit damit, wie der Badesee attraktiver gestaltet werden könnte - eventuell durch einen zu gründenden Trägerverein.

Wolfgang Hein hat einen guten Überblick über das Geschehen am See, für den er seit 26 Jahren zuständig ist. Seit 16 Jahren wohnt er auch dort: über dem Büro des Sport- und Bäderamts neben dem "Café am Elfrather See" und der DLRG-Unterkunft. In dem benachbarten Café mit seiner großen Terrasse bietet Pelzers Lebensgefährtin Rita Oyala seit acht Jahren zwölf Monate lang täglich (außer dienstags) von 11 bis 19 Uhr fantastische, selbst gebackene Kuchen und Torten sowie kleinere Imbisse vom belegten Brötchen bis zum Schnitzel. Für das Frühstücksbüfett an Sonn- und Feiertagen (ab 9 Uhr!) sollte man sich am besten anmelden (8912750).

(RP)