Kolumne Seelenruhig : Krefelder Einübungen in Demokratie und Toleranz

SPD, Grüne und Linke haben einen Antrag im Rat durchgebracht, wonach die Zusammenarbeit mit undemokratischen Kräften kategorisch ausgeschlossen wird. Das ist schön und führt uns in einen Tagtraum.

Der Antrag zur Festigung der Zusammenarbeit aller Demokraten in Krefeld, der nach den Ereignissen in Thüringen auf Initiative von SPD, Grünen und Linke mit den Stimmen von CDU und FDP den Rat passiert hat, hat eine Reihe von Konsequenzen für die Kultur tätiger Einübung von Demokratie und Toleranz in Krefeld.

– Ab sofort wird der Verkauf von Thüringer Bratwürstchen in Krefeld untersagt.

– Grünen-Fraktionschefin Heidi Matthias, die Jeanne d’Arc der Krefelder Gründachbewegung, fertigt bei einem Kurs in angstfreiem Töpfern zehn Tontafeln mit der Aufschrift „Dachziegel sind Freunde“ an; sie überreicht die Tafeln ausgewählten Düsseldorfer Neubürgern zur Verzierung von deren Carports.

– SPD-Fraktionschef Benedikt Winzen macht einen Kochkurs zusammen mit dem Unternehmer Gerald Wagener, dem Initiator der Krefelder Werteunion; Wagener backt eine multikulturelle Nachtisch-Torte, die in farbigen Buchstaben die Aufschrift „bunt ist beautiful“ trägt. Winzen ist für den Fleischtag zuständig, wenn die grüne Fraktion geschlossen zum Steak-Essen kommt. Wagener serviert jedes Steak mit einem formvollendeten Diener und sagt dazu: „Der Klimawandel ist real.“

– Die Fraktion „Die Linke“ entsorgt die letzten Che-Guevara-Plakate ins Altpapier, verbietet das Tragen von Lenin-Mützen  im Fraktionsbüro und verabschiedet sich vollständig von allen sozialistischen Resten in der Partei-Programmatik, löst sich auf und tritt geschlossen der SPD bei; alle Fraktionsmitglieder unterzeichnen feierlich eine Erklärung, in der der historische Bruch zwischen der demokratischen SPD und der kommunistischen USPD aus dem Jahr 1917 im Seidenweberhaus als überwunden gilt. Die Linke-Fraktionäre kaufen auf Parteikosten je zehn Aktion von Bayer, Mercedes, Siemens und  Volkswagen, besichtigen die Frankfurter Börse und lesen auf der Busfahrt dorthin gemeinsam in dem Buch „Die Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard“.

– FDP-Fraktionschef Joachim Heitmann besucht zusammen mit Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD) einen Häkelkurs und arbeitet an einem Schal, in den in roten Lettern der Schriftzug „Die Verwaltung hat immer Recht, du sollst keine populistischen Reden gegen deinen Oberbürgermeister halten“ eingearbeitet ist; Meyer reicht Wollknäuel an und liest die schönsten Passagen aus seinen Neujahrsreden vor.

– CDU-Fraktionschef Philibert Reuters  geht mit der Grünen-Kandidatin und „Fridays for Future“-Sprecherin Björna Althoff zur nächsten Klimademonstration und trägt ein Schild mit der Aufschrift „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“. Althoff selbst trägt ein Schild mit der Aufschrift „Schulpflicht ist eine Errungenschaft der Aufklärung“ und singt dazu das Lied „Mein Schulweg“ von Rolf Zuckowski.

So seelenberuhigt über die neue demokratische Festigkeit in Krefeld wünschen wir einen guten Tag.