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Interview: "Einsamkeit ist immer noch ein Tabuthema"

Interview : "Einsamkeit ist immer noch ein Tabuthema"

"Wahlverwandtschaften e.V." will einsamen Menschen dauerhafte, enge Kontakte vermitteln, als "Ersatz" etwa für verstorbene Familienmitglieder. Ein Interview mit Salima Douven aus dem Vereinsvorstand.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Mobilität und dank Internet viele Kontaktmöglichkeiten bietet. Ist es nicht paradox, Menschen zu suchen, damit man nicht mehr alleine ist?

Douven Interessanterweise stellen wir trotz Internet fest, dass die persönlichen Beziehungen zwischen Menschen schwinden. Die Scheidungsrate wird höher. Die Mobilität lässt Menschen für einen Beruf in andere Städte ziehen, in denen sie niemanden kennen. Einsamkeit selbst ist immer noch ein Tabuthema. Menschen werden als komisch empfunden, wenn sie ihre Einsamkeit öffentlich Preis geben.

Sie bringen einsame Menschen zusammen. Wie laufen ihre Begegnungstreffen ab?

Douven Für die Organisation ist es hilfreich, wenn sich Interessierte vorher auf unserer Online-Plattform registrieren. Dort können sie sich auch mit weiteren Mitgliedern austauschen. Aber sie können auch spontan zu einem unserer kostenlosen Treffen kommen und andere Suchende kennen lernen.

Welche Menschen kommen zu Ihnen?

Douven Die Altersspanne ist weit: Ende 30 bis ins hohe Rentenalter. Es sind ganz verschiedene Leute. Ich bin immer wieder überrascht, mit welchen Hintergründen sie zu uns kommen. Sei es, um neue Leute nach einem Umzug kennen zu lernen oder den Verlust eines Lebenspartners zu überwinden. Es sind spannende Menschen, denen man nicht nachsagen kann: "Kein Wunder, dass der einsam ist."

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Findet man immer, was man sucht — auch mal den Partner des Lebens?

Douven So etwas freut uns natürlich, aber wir haben die Intention, einen Wahlverwandten zu finden. Manche Teilnehmer haben konkrete Vorstellungen, andere nicht. Es sollte jedoch klar sein, dass man eine tiefere Beziehung, die über das Kaffee-Trinken hinausgeht, nicht nach einem Treffen aufbauen kann.