Krefeld: Einmal über den Theaterplatz gehen

Krefeld: Einmal über den Theaterplatz gehen

Es war ein emotionaler Appell von Christoph Borgmann bei der Jahresversammlung der Werbegemeinschaft.

Unpathetisch im Ton, aber überraschend emotional in der Sache: Christoph Borgmann (Foto), Vorsitzender der Werbegemeinschaft, hat bei der Jahreshauptversammlung des Vereins einen eindringlichen Appell an Politik und Verwaltung gerichtet, für mehr Sauberkeit in der Innenstadt zu sorgen. "Ich würde gerne mal mit meinen Kindern - sechs und acht Jahre alt - über den Theaterplatz gehen und ihnen das Theater zeigen. Im Moment mache ich das nicht", sagte er - der Grund liegt im verwahrlosten Zustand des Platzes und des Seidenweberhauses sowie und an der Drogen- und Trinkerszene, die den Platz in Beschlag genommen hat. "Es kann doch nicht sein, dass eine Minderheit von 50 Leuten eine ganze Stadt mit 230.000 Einwohnern in Atem hält; eine Stadt muss doch in der Lage sein, das zu ändern. Dieses Thema muss endlich angegangen werden."

Sauberkeit in der Stadt - Borgmann hatte jüngst ein Alkoholverbot in der City als mögliches neues Instrument gefordert (in genau definierten Bereichen, natürlich nicht für die Gastronomie). Borgmanns Appell war eingebettet in einen Jahresbericht, der auf seine Weise zeigte, wie Krefelder Händler und andere Geschäftsleute um die Attraktivität der Innenstadt kämpfen. 108.000 Euro hat die Werbegemeinschaft 2017 in Veranstaltungen gesteckt, zusammen mit den Interessengemeinschaften haben die Unternehmer 185.000 Euro in ein attraktives Leben in der City investiert.

Auch für 2018 ist ein reiches Programm geplant - darunter alte Bekannte wie "Krefeld pur", aber auch ganz Neues wie ein Wochenende unter dem Motto "Krefeld Elektrisch" (3./4.November): "Wir wollen E-Mobilität in die Stadt bringen und greifbar machen", sagte Borgmann. Gemeint sind Elektroautos, E-Bikes oder ein Segway-Parcours, aber auch eine Ausstellung über E-Mobil-Säulen, mit denen man zu Hause sein E-Auto schnell aufladen kann. Dieses Wochenende wird mit den Stadtwerken zusammen ausgerichtet.

Borgmann ließ keinen Zweifel, dass solche Aktionen wichtig im Existenzkampf des Handels ist. Der Druck auf die stationären Händler sei enorm. Dabei werden bürokratische Hürden größer, Versicherungs- und Sicherheitsauflagen teurer: "Es ist teilweise abenteuerlich, welche Hürden einem in den Weg gelegt werden", klagte Borgmann. Er verwies auf die unklare Lage bei verkaufsoffenen Sonntagen und hoffte auf das Entfesselungsgesetz des Landes, das die juristische Lage entschärfen soll.

Froh sind die Krefelder Händler darüber, dass die Duisburger dem Bau eines riesigen Outlet-Centers eine Absage erteilt haben. "Das wäre für uns mit großen Einbußen verbunden gewesen", sagte Borgmann. In Krefeld selbst bleibt ein Problem ungeklärt, das aus Sicht der Händler das Zeug zum existenzbedrohenden Schildbürgerstreich hat: In diesem Jahr soll die Hochstraße für Leitungsarbeiten aufgerissen werden - im nächsten Jahr dann für Verschönerungsarbeiten. Die Händler haben gegenüber der Stadt protestiert - ob der Zeitplan geändert wird, ist nicht klar.

Interessant ist auch die Entwicklung der Werbegemeinschaft selbst: Sie ist längst keine reine Händlervereinigung mehr; die Zahl der Gastronomen steigt, es gibt Handwerker und Dienstleister. Borgmann begrüßte diese Entwicklung - die Innenstadtunternehmer insgesamt profitierten von dieser Art Netzwerkbildung. Die Mitgliederzahl ist von 52 in 2015 auf 73 in 2017 gestiegen. Borgmanns Ziel ist es, die 100er-Marke zu knacken.

(RP)