Eine neue Reihe im SüdbahnhofKrefeld mit Wolfgang Reinke und Ingrid Schupetta widmet sich der politischen Lyrik.

Lyrik in Krefeld : Gedichte zu Deutschen Revolutionen und RAF-Terror

Eine neue Reihe im Südbahnhof widmet sich der politischen Lyrik. Der Bogen wird gespannt von 1848 bis in die Gegenwart. Die erste Matinee am Sonntag, 31. März, behandelt die Deutschen Revolutionen.

„Bella Ciao“ war der Sommerhit 2018 und eines der am häufigsten gecoverten Lieder. Der Originaltext wurde Dancefloor-tauglich umgeschrieben. Dass der Song ursprünglich ein Arbeiterlied war und im Zweiten Weltkrieg die Hymne der Partisanen – wer weiß das heute noch? Haben revolutionäre Gesänge der Vergangenheit heutigen Bewegungen überhaupt noch etwas zu sagen? Die Historikerin Ingrid Schupetta und der Dichter Wolfgang Reinke glauben an die Kraft der Poesie, wenn man sie in die richtigen Zusammenhänge bringt. Deshalb starten sie am Sonntag, 31. März, eine fünfteilige Reihe unter dem Titel „Vorwärts, doch nichts vergessen!  Lyrik und Politik“. Der Titel ist die leicht veränderte Zeile aus dem Solidaritätslied von Ernst Busch, einem der prominentesten Arbeiterlieder-Interpreten in der DDR.

Dass heute viele solche Zusammenhänge erst googeln müssen, ist Schupetta und Reinke klar, auch, dass aus heutiger Sicht manche Zusammenhänge neu eingeordnet werden müssen. Genau das will die Reihe, in kundiger, aber auch unterhaltsamer Form. Um Aufstand und Aufbruch geht es, um die Bewältigung von NS-Zeit und RAF-Terror, um starke Frauen und Dichter in innerer Emigration, sogar um totalitäre Weltanschauungen: Immer sonntags um 12 Uhr im Südbahnhof.

Zur ersten Matinee soll der Saal an der Saumstraße sich in ein Blütenmeer verwandeln. „Wir hoffen, dass viele Besucher Blumen, ob echt oder unecht, mitbringen“, sagt Schupetta. Auch Plakate, Schallplatten, Literatur zum Thema ist erwünscht. Denn der Titel heißt: „Das war  ne heiße Märzenzeit – Gedichte zu Deutschen Revolutionen.“

Zu vier Revolutionen hat Reinke Gedichte zusammengestellt: 1848, 1918, 1953 und 1968.  Bürger wehrten sich 1848  gegen die harten Fesseln des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV.. Heinrich Heine ist der bekannteste Dichter, der die Märzrevolution thematisiert hat. Die „heiße Märzenzeit“ hat Ferdinand Freiligrath in jener Zeit bedichtet. Hannes Wader hat sie ein gutes Jahrhundert später bekannt gemacht. Die Revolten von 1918 mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an der Spitze, haben  Erich Mühsam und Tucholsky in Spottlieder und bekannte Verse gekleidet. 1953 brachten die Proteste von fünf Millionen Demonstranten die  Regierung Walter Ulbrichts in der DDR ins Wanken. Danach gab es Repressionen, die vor allem die Dichter trafen: Biermann und Degenhardt sind die bekanntesten Namen. Wenn schon keine Revolution, so immerhin eine Revolte war 1968: Studentenunruhen, Rudi Dutschke und eine junge Generation, die sich gegen die Autorität ihrer Eltern auflehnt, finden sich bei Rio Reiser, Erich Fried und  Dieter Süverkrüp.