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Krefeld: Eine Meisterin des Biedermeier

Krefeld : Eine Meisterin des Biedermeier

Sie war eine faszinierende Frau: Eine Ausstellung in Linn erinnert nun an die Malerin Caroline Bardua. Sie hat unter anderem Goethe porträtiert.

Eine zeitgeschichtliche Phase heftiger Widersprüche war das Biedermeier. Die Jahre zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der 48er Revolution brachten einerseits progressive Literaten wie Büchner und Heine hervor, andererseits stehen sie für Betulichkeit und Romantizismus bis zum Kitsch. Und diese Strömung fand nicht zuletzt in der Malerei ihren Niederschlag. Der 150. Todestag einer bemerkenswerten Künstlerin aus dieser Epoche war im vergangenen Jahr Anlass für ihre Heimatstadt Ballenstedt, ihrer berühmten Tochter Caroline Bardua eine Ausstellung zu widmen. Und weil die Malerin auch mehrfach in Krefeld weilte, und weil das Museum Burg Linn einige Originale von ihrer Hand besitzt, hat man diese von der Berliner Kunsthistorikerin Bärbel Kovalevski zusammengestellte Schau nun nach Krefeld geholt.

Bardua, im Harz als Tochter eines Kammerdieners geboren, war für eine Frau ihrer Zeit ungewöhnlich erfolgreich in der Kunst. Mit 24 ging sie nach Weimar, nahm dort ersten Unterricht, lernte Goethe kennen und porträtierte ihn als einen der ersten von zahlreichen berühmten Zeitgenossen, die folgen sollten. Er empfahl das junge Talent, und sie durfte an der Dresdner Kunstakademie bei Gerhard von Kügelgen studieren. So begann ihr Aufstieg zur allgemein anerkannten und durch zahlreiche Auszeichnungen geehrten Porträtmalerin. Ihre Kunstfertigkeit entwickelte sie so weit, dass sie damit sogar ungewollt einen kunsthistorischen Irrtum von einiger Delikatesse auslöste. In der aktuellen Ausstellung ist das Werk zu sehen, das lange für ein Selbstporträt des jungen Caspar David Friedrich gehalten wurde, tatsächlich aber von Barduas Hand stammt.

 Blick in die Ausstellung: Museumspraktikantin Laura van Harten und Christoph Dautermann schauen sich zwei Porträts an, mit denen Caroline Bardua den Maler Caspar David Friedrich im Abstand von einigen Jahrzehnten gemalt hat. Hinweis auf die Qualität ihrer Malerei: Das linke Gemälde (auf dem Friedrich rötliche Haare hat) wurde lange für ein Selbstporträt von Caspar David Friedrich gehalten.
Blick in die Ausstellung: Museumspraktikantin Laura van Harten und Christoph Dautermann schauen sich zwei Porträts an, mit denen Caroline Bardua den Maler Caspar David Friedrich im Abstand von einigen Jahrzehnten gemalt hat. Hinweis auf die Qualität ihrer Malerei: Das linke Gemälde (auf dem Friedrich rötliche Haare hat) wurde lange für ein Selbstporträt von Caspar David Friedrich gehalten. Foto: Lammertz
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Insgesamt werden im Museum Burg Linn 33 Gemälde und sieben Zeichnungen ausgestellt, von denen etliche Mitglieder der Seidenfabrikantenfamilie de Greiff zeigen. "Die meisten sind Reproduktionen, weil die Kosten für die Beschaffung der Originale unerschwinglich gewesen wären", erläutert der stellvertretende Museumsleiter Christoph Dauermann. Das Porträt der jungen Emma de Greiff jedoch ist ein Original aus der Sammlung des Linner Hauses.

Typisch für jene Zeit schaut die Dargestellte den Betrachter nicht direkt an, zeigt einen nahezu neutralen Gesichtsausdruck und sitzt vor einem landschaftlichen Hintergrund, der auch die Burgruine von Linn zeigt. Übrigens zahlten die de Greiffs überdurchschnittlich gut, wie Barduas Schwester in ihrem Tagebuch festhielt. Als Auftragsmalerin auch in Paris geschätzt, lebte die Künstlerin zwar nicht in Saus und Braus, aber keineswegs schlecht, schreckte aber, wie im Falle einer de Greiff'schen Kinderschar, auch vor kitschiger Darstellung nicht zurück. Flankiert werden ihre Werke von Biedermeiermöbeln aus dem Fundus des Hauses und einem Original von der Hand ihres Lehrers Kügelgen, welches den Krefelder Kunstmuseen gehört.

(RP)