Krefeld: Eine Krähe für Kabarettist und Kritiker

Krefeld: Eine Krähe für Kabarettist und Kritiker

Eckart von Hirschhausen bedankte sich für den Kabarettpreis Krefelder Krähe mit Zauberkunststück-chen, heiteren Liedern und ernsten Gedanken zur Lage im derzeitigen Gesundheitssystem. Es war eine unterhaltsame Gala im Seidenweberhaus.

Eckart von Hirschhausen ist in prominenter Gesellschaft: Illustre Namen tauchen auf, wenn man die Liste der Kabarett-Ehrenpreisträger der "Krefelder Krähen" durchgeht. Der erste war 2005 Konrad Beikircher. Auf dem Bildschirm kam er noch einmal zu Wort, genau so wie Dieter Hildebrandt oder "Didi" Hallervorden. Die Freude über den Preis war ihnen genau so anzumerken wie dem diesjährigen Preisträger von Hirschhausen. Der Doktor der Medizin bewies im ausverkauften Seidenweberhaus, dass die Wahl der "Krähen", des weit und breit einzigen ehrenamtlichen Kabaretts, auf einen würdigen Kandidaten gefallen war.

Nur die Krähe zu verleihen, wäre natürlich etwas zu wenig gewesen, es musste schon ein Rahmenprogramm her, um den 50-Jährigen zu ehren. Und das hatten die Krähen gut ausgewählt: Da war zunächst einmal der Preisträger des vergangenen Jahres, Lars Redlich, der mit witzigen Lied-Kreationen gefiel. Den Berliner Mücken des vergangenen Sommers widmete er einen Song und beschrieb den schlechten Tag einer Eintagsfliege. Skurrilen Humor bewies er mit einer Ballade über Beziehungsprobleme und Trennungsschmerz zweier in die Jahre gekommener Socken - von denen eine verlorenen gegangen war.

Die Entscheidung für den Nachwuchspreisträger im vergangenen Jahr war knapp ausgefallen, auch Roman Weltzien hatte gute Chancen auf den Preis gehabt. Weil auch er, der Zweitplatzierte, so gut gefallen hatte, wurde er diesmal ebenfalls eingeladen. Im Gegensatz zu Redlich ging Weltzien auch auf aktuelle Themen ein und bewies dabei viel Witz und Sprachgefühl. Ach ja, welchen Bedeutungswandel hat doch das schöne deutsche Wort "Mutti" hinter sich! Und wieso ist "Gutmensch" zu einem Schimpfwort geworden? Mehr Digitalisierung ist allgemeines politisches Credo. Für Wirtschaft und Kommerz mag die Entwicklung ja förderlich sein. Aber was macht sie aus den Menschen und der Gesellschaft? Inzwischen kann man im ICE ja schon nicht mehr sein Butterbrot auf die kleine Tischfläche legen, weil ein reisender Manager da seine EDV-Apparaturen aufgebaut hat.

Heiterkeit löste auch der Ensemble-Beitrag der Krähen aus, die, verpackt in eine Straßenbahnfahrt, den ganz normalen und doch so komischen Jahresablauf aufspießten. Am Rosen-, nein "Dosenmontag" fließt das Bier. Osterhasen aus Schokolade sind schon im Januar, Weihnachtsplätzchen bereits im Hochsommer zu haben.

Jochen Butz, der im Jahr 1985 das Kabarett "die Krähen" gegründet hatte, übernahm die Laudatio auf den aktuellen Preisträger und schilderte die beruflichen Stationen sowie das ehrenamtliche Engagement des Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Dazu gehört auch die von ihm gegründete Stiftung "Humor hilft heilen", in die auch das Krefelder Preisgeld, 10.000 Euro, einfließen wird.

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Witzig, dabei aber mit ernstem Hintergrund, war Hirschhausens eigene Vorstellung. Wäre er Arzt geblieben, teilte er seinen Zuhörern mit, wäre er unglücklich geworden. Nicht wegen der ärztlichen Tätigkeit, erklärte er. Aber die Kommerzialisierung und die Technisierung haben für ihn eine falsche Entwicklung im Gesundheitswesen eingeleitet.

Wie soll er sich in einem System wohlfühlen, das im Patienten primär nicht - im lateinischen Wortsinn - einen leidenden Menschen sieht, sondern einen Kunden, der Profit verspricht?

Von Hirschhausen verfasste heitere Lieder, am Klavier von Lars Redlich begleitet, waren ebenso wenig Selbstzweck wie seine Zauberkunststücke mit einem Seil.

Sie illustrierten auf heitere Art und Weise den Kern seiner Botschaft: Gesund wird und bleibt man vor allem durch Mitmenschlichkeit und Humor. Beide sind das Fundament, auf dem Operationen und Tabletten ihre Wirkung entfalten können.

(RP)