Krefeld: Eine "Drei plus" für Standort Krefeld

Krefeld: Eine "Drei plus" für Standort Krefeld

Krefeld sei gut aufgestellt, aber Krefeld könne mehr, ist das Ergebnis einer kritischen Analyse des Standorts Krefeld. Ein verbindlicher Aktionsplan, der möglichst viele Akteure einbezieht, soll mit neuen Ideen die Standortqualität steigern.

Krefeld habe die PS, die es unter der Haube hat, nicht auf die Straße gebracht, fasste Regionalökonom Rüdiger Hamm von der Hochschule Niederrhein die Ergebnisse einer Untersuchung der Standortqualität für Krefeld zusammen. Ergänzt wurde die Untersuchung durch eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, in der sich 200 Krefelder Betriebe mit rund 10000 Beschäftigten mehr als 50 Standortfaktoren auf ihre Qualität vor Ort bewertet hatten. "Insgesamt gaben die Unternehmen ihrer Stadt die Note "Drei plus". Sie sind zufrieden, sehen aber durchaus noch Verbesserungspotenzial," erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz bei der Vorstellung der Ergebnisse vor Krefelder Unternehmern.

Mit der Verlagerung der Textilmassenproduktion nach Fernost war Krefeld einem ständigen Strukturwandel unterworfen, in dessen Windschatten das produzierende Gewerbe in Krefeld schneller Anteile verloren hat als der NRW-Landesdurchschnitt. Heute gelten Chemische Industrie, Fahrzeugbau, Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Gastgewerbe als Krefelder Beschäftigungsmotoren. Die beschäftigungsreichste Branche ist der Bereich Gesundheit und Soziales, in dem rund 4000 neue Arbeitsplätze entstanden sind.

Im Rahmen der IHK-Umfrage bewerteten 53 Prozent der Betriebe den Standort mit der Note "Eins" oder "Zwei", 43 Prozent vergaben eine "Drei" oder "Vier". Hoch bewertet wurden die Nähe zu den Kunden durch die gute Lage Krefelds und die überörtliche Verkehrsanbindung. Zufrieden sind die Unternehmen mit dem schulischen Angebot, der Weiterbildung und den regionalen Hochschulen. Gelobt wurden die kulturellen Angebote, die Freizeitmöglichkeiten, die Lage am Wohnungsmarkt und die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur.

Dagegen wurden die innerstädtischen Straßenverbindungen, der Zustand der Straßen und das Stadtbild allgemein kritisiert. Handlungsbedarf sehen die Betriebe bei den Standortkosten. Der Mangel an Gewerbeflächen belastet die Ansiedlung neuer Firmen.

Gegen diese Kritik wandte sich Oberbürgermeister Frank Meyer. Er verwies auf das Gewerbegebiet Uerdingen Nord II/Elfrather See, das derzeit vorbereitet werde. Dann werde man weitersehen. Unzufrieden waren die Unternehmer auch mit der Situation des Krefelder Hafens, dessen Nordableitung sich verzögere. Planungsdezernent Martin Linne gab den Zeitplan bekannt: Der Kreisverkehr Floßstraße stehe vor dem Start, die Entscheidung über die Planung des Kreisels Hafenstraße würde bis Jahresende getroffen, das Verfahren über den größeren Kreisel zur B 288 hin könne im nächsten Jahre abgeschlossen werden. Wenn auch der Abriss des alten Klärwerks wegen des stahlarmierten Betons sich hinziehen könnte.

  • Krefeld : Stadt und IHK als Speerspitze für Krefeld

Unzufrieden zeigten sich die Unternehmer auch mit der fehlenden Südabfahrt des Krefelder Hafens. Hier beschwichtigte der Oberbürgermeister (OB). Man sei in Gesprächen mit der Stadt Meerbusch und der Bezirksregierung. Allerdings sei ein sensibles und behutsames Vorgehen angesagt, denn in Meerbusch bestünden noch starke Ressentiments aus den Erfahrungen der Gebietsreform 1975. Wegen dieser Gesprächskontakte wäre auch das interkommunale Gewerbegebiet im Südbereich des Hafens noch nicht endgültig gestorben.

Krefeld sei eine sichere Stadt, das sei durch die Fallzahlen der Polizei zu beweisen, führte Meyer aus. Dennoch bestünde ein Zusammenhang zwischen Vernachlässigung des öffentlichen Raumes und der gefühlten Sicherheit. Positiv habe sich ausgezahlt, dass die Stellen des Kommunalen Ordnungsdienstes endlich besetzt werden konnten und künftig ausgeweitet würden; auch werde das Glasdach der Ostwall-Haltestelle im Juli endgültig fertig.

Vor dem Hintergrund der neuen Analyse des Wirtschaftsstandortes Krefeld haben IHK und Stadt die Entwicklung eines Aktionsplans Wirtschaft für Krefeld vereinbart, dessen Arbeitsgruppen möglichst viele Beteiligte einbinden.

In spätestens 18 Monaten soll daraus ein Aktionsplan erwachsen, der nachhaltige Maßnahmen für das Image des Standortes sowie Wachstum und Beschäftigung fördert.

(RP)
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