Zum Tage: Einander annehmen

Zum Tage: Einander annehmen

Eine Siebenjährige kommt verheult aus der Schule. "Die haben mich heute alle ausgelacht, nur weil ich rote Haare habe", schluchzt das Mädchen. Mutter versucht zu trösten: "Rote Haare sind doch wunderschön! Der liebe Gott hat sie gemacht." Aber selbst dieser fromme Hinweis vermag das Mädchen nicht zu trösten. Wütend zischt die Kleine: "Aber bei DEM lassen wir nichts mehr machen...!"

Nicht wahr, ob klein oder groß: Wir Menschen haben es mitunter nicht leicht, uns selbst und/oder andere zu ertragen. Und oft genug machen wir uns dabei gegenseitig das Leben noch unnötig schwer. Christen machen da keine Ausnahme. Die Empfehlung "Nehmt einander an", die Paulus einst an die weltoffene Christenheit in Rom richtete, gilt bis heute.

"Aber warum soll ich noch jemanden ertragen (müssen), der untragbar erscheint - und wo ich eh´ schon mit mir selbst genug zu tun habe?" Antwort des Apostels: "Weil Christus euch angenommen hat." Gottes Liebe gilt ohne Ausnahme allen Menschen, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Darum kündigt Gott im Advent sein Kommen an: In Jesus will er einer von uns werden; ein (Mit-)Mensch unter Menschen! Dazu sendet Gott seinen eigenen Sohn in die Welt. Durch Ihn schafft er neue Verhältnisse: Die Aussicht auf Frieden und eine bessere, menschlichere Welt wird greifbar!

Gott will, dass in Jesus seine ganze Liebe zur Welt aufleuchtet - als ein Licht in der Dunkelheit, nach dem sich alle Menschen neu ausrichten dürfen - auch und gerade in ihrer Verschiedenheit und scheinbaren Unversöhnlichkeit. "Advent" geschieht, wenn Gottes Liebe auch bei uns "ankommt"; und wo dann durch dich und mich tatsächlich ein neues Miteinander entsteht - über alle Unterschiede und Mauern hinweg, die (noch) zwischen uns stehen mögen. Und selbst, wenn Unterschiede bleiben: Wir brauchen diese dann weder stillschweigend zu übergehen noch weg zu retuschieren! "Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob." (Römer 15,7):

Eine besinnliche Adventszeit!

VOLKER SCHRAN, PFARRER DER EV. KIRCHENGEMEINDE ALT-KREFELD

(RP)