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Krefeld: Ein Tenor unterwegs zu Placido Domingo

Krefeld : Ein Tenor unterwegs zu Placido Domingo

Der Tenor Andrej Nevyantsev ist einer von 40 Sängern weltweit, die der Startenor zum Wettbewerb nach Los Angeles eingeladen hat. Nevyantsev gehörte bis Anfang Juli zum Opernstudio des Theaters.

Der Tipp kam von der Oma: "Geh' nach Deutschland, da gibt es die meisten Opernhäuser und dort hast Du die besten Chancen", riet die deutschstämmige Großmutter ihrem gerade examinierten Enkel Andrej Nevyantsev im Jahre 2008. Der im Juli 1984 in Kurgan (Sibirien) geborene junge Mann mit der schon damals ausnehmend strahlkräftigen Tenorstimme, der zunächst Chorleitung am Schostakowitsch Musikkollege und anschließend Operngesang an der Gnessin Musikakademie studiert hatte und bereits dem dortigen Opernstudio angehörte, befolgte schließlich 2011 den großmütterlichen Rat. Und der bringt ihn jetzt sogar bis in die USA.

Die Geschichte beginnt mit einem Studienplatz an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Nevyantsev studierte dort Operngesang im Masterstudiengang bei der gestrengen Professorin Maria Venuti. Bereits ein Jahr später entdeckte er in der Hochschule einen Aushang: Die Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach hatten gerade gemeinsam mit der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf ein Opernstudio gegründet und boten ein Vorsingen dafür an. "Wir waren 30 Bewerber für den einen Tenorplatz, und ich habe gewonnen, es war ein wirkliches Geschenk", meint der Sänger ganz bescheiden. Also stand der Umzug nach Rheydt an, eine Wohnung fast im Schatten des Opernhauses war bald gefunden. Doch Nevyantsev kam nicht alleine, er brachte seine Frau, eine examinierte Sopranistin ("sie ist vor allem gut in Barockmusik mit vielen Koloraturen" lobt der stolze Ehemann) und die noch ungeborene Tochter mit. Inzwischen ist Maria 14 Monate alt und "läuft sehr schnell".

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Nevyantsev hatte im Opernstudio, in dem er sich bestens aufgehoben und betreut fühlt, von Anfang an eine Menge zu tun, auch kleine Rollen in laufenden Produktionen des Theaters ließen nicht lange auf sich warten. Kontinuierlich verbessert der strebsame junge Russe seine Deutschkenntnisse, freut sich über die Förderung durch die Hilde-Zadek-Stiftung und über ein gut gelungenes Gastengagement als Rudolfo ("La Bohème").

"Italienisch zu singen ist leichter als russisch, weil es eine melodische Sprache ist, die zu lernen mir nicht schwerfällt. Deutsch ist natürlich noch problematisch", erklärt der Tenor. "Wenn man ein schönes Timbre von Gott bekommen hat, ist man verpflichtet, fleißig an seiner Technik zu arbeiten", sagt er.

Für den Herbst hat die Agentur des Sängers ihm 16 Vorstellungen als Alfredo ("La Traviata") am Theater Ulm vermittelt. "Da hatte ich wieder Glück, 20 Tenöre hatten sich um diese Rolle beworben" strahlt er.

Doch das Aufregendste steht dem jungen Künstler im August bevor: Der berühmte Tenor Placido Domingo veranstaltet jedes Jahr einen Wettbewerb in Los Angeles. Weltweit werden 40 Sängerinnen und Sänger zugelassen, und Andrej Nevyantsev ist dabei. Er kann sein Glück noch gar nicht so richtig fassen, aber nervös wirkt er - zumindest bis jetzt - nicht. "Mehrere Aufnahmen von mir habe ich eingesandt, dazu Fotos und meine Biografie - ja, und dann kam die Zusage" erzählt er fast nebenbei.

Am 22. August wird er das Flugzeug besteigen und eine Woche in der amerikanischen Großstadt bleiben können - Flug und Unterkunft in einem erstklassigen Hotel werden für ihn bezahlt. "Es ist alles ein wenig unwirklich, so richtig kann ich es noch gar nicht fassen. Dabei sein zu können, ist eine ganz große Ehre" schwärmt er und wirkt fast eine wenig verlegen. Dass ihr Enkel es einmal so weit bringen würde, damit dürfte die wohlmeinende Großmutter wohl nicht einmal im Traum gerechnet haben.

(RP)