Krefeld: Ein Stück Kino-Geschichte wird versteigert

Krefeld : Ein Stück Kino-Geschichte wird versteigert

Die vier früheren Hollywood-Kinos an der Luisenstraße kommen morgen im Amtsgericht Krefeld unter den Hammer. Die Säle ersetzten 1983 das Seidenfaden-Lichtspieltheater am Ostwall, das dem Neubau Dresdner Bank weichen musste.

Krefeld hat eine lebhafte Kinogeschichte: Im Jahr 1982 mussten die Merkur-Filmbetriebe ihre Seidenfaden-Lichtspieltheater am Ostwall schließen, um dem Neubau der Dresdner Bank Platz zu machen. Stattdessen eröffnete Merkur an der Ecke Luisen- und Dreikönigenstraße vier neue Kinos. Inzwischen ist nicht nur das Geldinstitut Geschichte, sondern auch der Betrieb in den Vorführungssälen "Alpha", "Beta", "Gamma" und "Delta", die schon nach wenigen Monaten in "Hollywood-Kinos" umbenannt wurden. Den letzten Film zeigte der Kino-Mogul Gerd Politt am 31. Mai 2001, dann musste der Geschäftsbetrieb wegen Zuschauermangels eingestellt werden.

Die Folgen klingen bis heute nach: Nach einigen Episoden als Spielhölle steht die Immobilie nun zur Zwangsversteigerung an. Am morgigen Dienstag, 12. Mai, ab 10 Uhr kommen die vier Kinos samt Nebenräume am Amtsgericht Krefeld auf Betreiben der Stadtsparkasse Düsseldorf unter den Hammer. Die Nutzfläche ist etwa 670 Quadratmeter groß. Der Verkehrswert ist mit 215 000 Euro angegeben. Der Grundstücksanteil beträgt 151 000 Euro. Die Kinoeinrichtung ist nicht mehr vorhanden.

Die zur Versteigerung anstehenden Kinosäle sind Teileigentum. Der potenzielle Erwerber wird Teil der Eigentümergemeinschaft. Darin liegt ein Fallstrick, den der vom Gericht bestellte Gutachter aufgreift. Die Kinosäle sind Räumlichkeiten ohne Fenster und damit ohne Tageslicht. In den Kinos zwei und vier sei selbst der Einbau von Fenstern zwecklos, das sie an den Gebäudeteil Luisenstraße angrenzen. Darüber hinaus weisen die Fußböden und Decken Gefälle auf, weil die Kinositze aufsteigend angebracht worden waren.

Ferner verfügen die Räume über keine Zentralheizung. Sie wurden in der Vergangenheit über die Lüftungsanlage beheizt. Umbauten dürfen hingegen nur mit der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft durchgeführt werden. "Dies alles erschwert eine von der ursprünglichen Konzeption abweichende Folgenutzung", schreibt der Gutachter. Vorstellbar wäre etwa eine Büro- oder Praxisnutzung. Für ein solches Konzept seien allerdings erhebliche Aufwendungen erforderlich. Dazu zählt auch die Stellplatzproblematik. Im Zuge des damaligen Baugenehmigungsverfahrens waren 47 Stellplätze nachgewiesen. Im Bestandsverzeichnis des Grundbuchs der Stadt Krefeld seien sie jedoch nicht eingetragen. "Dem potenziellen Erwerber der Immobilie stehen dort folglich keine eigenen Stellplätze zur Verfügung", erklärt der Gutachter.

Auch die Option, in den vier Sälen wie bereits in den zurückliegenden Jahren zwischen 2001 und 2005 geschehen, eine Spielhalle zu eröffnen, besteht nicht mehr. Im Jahr 2010 hat die Stadtverwaltung zwar einen positiven Vorbescheid erlassen, ihn aber an die Bedingung geknüpft, eine gültige Konzession vorlegen zu müssen. Das Erteilen einer solchen Konzession habe die Ordnungsbehörde aber nicht in Aussicht gestellt, berichtet der Gutachter. Der Gesamtanlage bescheinigt er "einen soliden und durchschnittlich unterhaltenen Eindruck". Das zu bewertende Sondereigentum sei schon seit längerem ungenutzt. Es bestehe eine Renovierungsrückstau. Insbesondere Boden- und Wandbeläge seien erneuerungsbedürftig.

(RP)
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