Krefeld: Ein kühler Gast aus Russland

Krefeld: Ein kühler Gast aus Russland

Der Petersburger Gastdirigent des fünften Sinfoniekonzertes wirkte kühl - sein. Doch die Ergebnisse seines sehr präzisen, wenn auch emotionslos wirkenden Dirigats waren großartig.

Als Gastdirigenten für das rein russische Programm des sehr gut besuchten fünften Sinfoniekonzertes hatte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson mit dem Chefdirigenten der St. Petersburger Philharmoniker, Nikolay Alexeev, einen ausgewiesenen Fachmann für diese auch hierzulande beliebte Musik eingeladen.

Der kühl erscheinende russische Gast verbeugte sich kaum und kam sofort zur Sache. Doch die Ergebnisse seines sehr präzisen, wenn auch weitgehend emotionslos wirkenden Dirigats waren großartig. Bereits in der von wunderschönen Melodien der orthodoxen Liturgie durchzogenen Ouvertüre "Russische Ostern" von Nikolai Rimski-Korsakow, die nicht nur das Hochfest, sondern auch die Tragik der Karwoche zum Inhalt hat, wussten die groß besetzten "Niederrheinischen Sinfoniker" mit erlesenen Sololeistungen und sattem Orchestertutti zu punkten. Stellvertretend seien die Geigensoli (Konzertmeisterin Chisato Yamamoto) und die Cellosoli (Raffaele Franchini)genannt.

Ambivalenz und Sarkasmus - die vorherrschenden Kennzeichens des Cellokonzertes Nr.1 Es-Dur von Dmitri Schostakowitsch - waren bei Norbert Anger, dem Solocellisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden und der Bayreuther Festspiele, in allerbesten Künstlerhänden.

Sein edles Allessandro Gagliano-Cello (Neapel 1720) veredelte so manche harsche Passage, konnte andererseits die schmerzvolle Klage des "Moderato" faszinierend vermitteln. Nicht nur die "Cadenza", ein eigenständiger Satz, der zum abschließenden "Allegro con moto" hinführt, zeigte die virtuosen Qualitäten des Solisten, der erkennbar über allen wie auch immer gearteten Schwierigkeiten dieses von der menschlichen Tragik des Komponisten kündenden Opus stand.

Nach großem Beifall hatte Anger sogar noch Kraft für eine Zugabe aus der Feder Johann Sebastian Bachs.

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Die Bildhaftigkeit der Musik Peter Tschaikowskys ist selten so ausgeprägt wie in seiner beliebten 5. Sinfonie, e-Moll op.64.

Das die ganze Sinfonie durchziehende "Schicksalsthema", Abbild eines vom Leben nicht verwöhnten Tonsetzers, nennt dessen Biograph Richard Stein "ein herb-stolze Resignation".

Die Niederrheiner und ihr nun nicht mehr ganz so sachlich erscheinender Gast am Pult stürzten sich mit Verve und Kompetenz in die von Trauer geprägten, dann wieder in satten Farben schwelgenden sinfonischen Anforderungen. Streichern wie Holzbläsern, auch dem kultiviert schmetternden Blech (Finalsatz) gebührt hohes Lob, aber auch dem reich beschäftigten Paukisten. Solohornist Christian Slootmakers war in allen drei Werken des Abends besonders gefordert.

Gerne hätte das Publikum am Schluss länger gejubelt, doch nach seinem dritten Erscheinen auf dem Podium nahm Nikoley Alexeev seine Partitur und verschwand.

Zweites Konzert: Dienstag, 17. April, 20 Uhr Seidenweberhaus 19, mit Debütkonzert von sehr begabten Schülern der städtischen Musikschule

(RP)