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Ein Kreuzweg aus der Bunkerkirche Krefeld ist in St. Lambertus Monschau zu sehen

Kirchenkunst aus Krefeld : Auferstehung eines Krefelder Kreuzwegs

Der Eifeldom in Monschau hatte ein Vierteljahrhundert lang keinen Kreuzweg. Heute glänzt in St. Lambertus eine Glasmosaik-Arbeit von Heribert Reul. Sie stammt aus der Krefelder Kirche St. Antonius.

Die Geschichte muss am Ostermontag beginnen, im Jahr 1994 im Eifelstädtchen Monschau-Kalterherberg. Unbekannte dringen in die Kirche St. Lambertus ein und stehlen den Kreuzweg. Die Polizei geht von einem Auftragsdiebstahl aus. Und obwohl eine Serie von Einbrüchen später aufgeklärt wird, schlägt der Kunstraub  eine tiefe Wunde: Der Kreuzweg taucht nirgends wieder auf. Ein Vierteljahrhundert sollte vergehen, bis die Lücke geschlossen wurde – mit einem Kreuzweg aus Krefeld. Es ist die Arbeit des Sakralkünstlers Heribert Reul aus Kevelaer, der sie in den 1960er Jahren für die „Bunkerkirche“ St. Antonius Krefeld geschaffen hat.

2018 haben die Krefelder den Kreuzweg an den Eifeldom geschenkt. Es ist eine Art Auferstehung. Denn die Arbeiten waren über ein Jahrzehnt in einem Depot eingelagert gewesen. Die Krefelder Kirche, die in den Jahren 1953/54 aus einem erweiterten Hochbunker am Dießem entstanden ist, war 2005 abgerissen worden. Heribert Reuls Kreuzweg wurde eingelagert. Über die Jahre hatte er Staub angesetzt. „Es gab auch kleinere Beschädigungen“, erinnert sich Ingrid Alt vom Kirchenvorstand St. Lambertus.

In 14 Bildern, jeweils 43 mal 56 Zentimeter groß, erzählt der 1911 geborene Künstler die Leidensgeschichte Jesu. Es sind Glasmosaike, die durch ihre Farbigkeit und im Spiel mit dem Licht intensive Kraft erhalten. Die Mosaike sind auf Spanplatten aufgebracht. Die Gemeinde St. Lambertus hat die Arbeiten restaurieren und mit  einem neuen „Rahmen“  versehen lassen. Sie sind in schwarzes Metall eingelassen,  wie in ein Passepartout, und lassen sich durch ihre  enge Hängung  fast wie ein Film lesen.

Die Eifelgemeinde hatte auf die Kunst aus Krefeld gewartet. Mehrere Anstrengungen, einen neuen Kreuzweg für die Lambertuskirche zu erwerben, scheiterten. Als der Altarraum der neoromanischen Kirche 2008 umgestaltet wurde, haben die Planer hoffnungsvoll eine Seitenkapelle freigelassen, damit irgendwann doch wieder  ein Kreuzweg gehängt werden könne. 2015 nahm die Sache Fahrt auf. Das Bistum hatte beschlossen, dass  diese Suche sich auf Kunst aus den geschlossenen Kirchen konzentrieren sollte. So fiel der Blick auf Krefeld und Reuls Kreuzweg. „Wunderbar, dass Krefeld ihn uns geschenkt hat“, sagt Alt.

Reul hatte 1969 auch ein Chorhängekreuz für St. Antonius geschaffen, das vermutlich auch eingelagert worden ist. Für St. Dionysius entwarf er zwei Fenster in der Seitenkapelle, auf denen er den  Heiligen Georg und St. Michael jeweils im Kampf mit dem Drachen   dargestellt hat. Ein Quadratmeter großes Mosaik „Der gute Hirte“ von ihm gibt es in der Liebfrauenkirche sowie mehrere Bilder im Pauly-Stift.

Dass sein Kreuzweg in der  Eifel einen neuen Platz gefunden hat, hat Heribert Reul nicht mehr erlebt.  Er ist 2008 gestorben. „Mein Vater hat kaum Notizen hinterlassen, deshalb ist es äußerst schwierig, Werke zu datieren. Er hat für viele Kirchen vor allem am Niederrhein gearbeitet, aber selbst seine Entwürfe hat er nicht datiert“, erzählt Bernward Reul. „Er hat sich  selbst nicht als Künstler  verstanden, sondern als Handwerker. Und er musste Geld verdienen.“ Reul war erst 1949 aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt. Die 50er und 60er Jahre waren seine produktivste Zeit.  „Er hat zunächst mit Holzschnitten und Heiligenbildern seinen Namen in Gang gebracht. Dann kamen die Aufträge.“ Eine große Familie mit zwölf Kindern musste versorgt werden. „Mein Vater war ein sehr katholischer Mensch. Für ihn gab es nur Enthaltsamkeit oder eben nicht“, sagt Bernward Reul. Aber Humor hatte er. „Sein Wappen war der Pelikan, der sich die Brust aufreißt, um seine Kinder zu nähren.“

Die Intensität, mit der Heribert Reul seinen Glauben in seinen Werken umgesetzt hat, ist in St. Lambertus mit LED-Strahlern unterstützt worden. „So wirken die Bilder wie Kirchenfenster, die im Sonnenlicht  leuchten“, sagt Ingrid Alt.