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Krefeld: Ein Jahr Kaufhof-Leerstand

Krefeld : Ein Jahr Kaufhof-Leerstand

Vor einem Jahr gab Kaufhof-Geschäftsführerin Corinna Gehrke die Schlüssel des Warenhauses an den polnischen Eigentümer. Seither steht das Gebäude am Eingangstor der Innenstadt mit 14 000 Quadratmeter Verkaufsfläche leer. Wie geht es jetzt weiter?

Die Schaufensterscheiben sind mit Graffiti besprüht. Ein verwelkter Bauzaun bewacht den Treppenabgang in die Ostwall-Unterführung. Die ist dicht – genauso wie das ehemalige Horten-Haus. Vor einem Jahr schloss der Kaufhof nach monatelangem Ausverkauf seine Filiale, in der Generationen von Krefeldern eingekauft haben. Den Verlobungsring. Die Bettbezüge fürs Ehebett. Die Playmobil-Männchen fürs Kind. Den Schultornister. Den Kommunionsanzug. Dann kam der Juni 2010. Plötzlich standen 14 000 Quadratmeter Verkaufsfläche im Herzen der Innenstadt leer. Und viele Krefelder stellen sich die bange Frage: Wie lange noch?

 2010 14 000 Quadratmeter Leere. Nach dem Schlussverkauf wurde der Kaufhof Anfang Juni geschlossen.
2010 14 000 Quadratmeter Leere. Nach dem Schlussverkauf wurde der Kaufhof Anfang Juni geschlossen. Foto: Thomas Lammertz

Es gibt so viele abschreckende Beispiele. Cuxhaven zum Beispiel. Seit Hertie aufgab, ist das Warenhaus mitten in der Innenstadt eine Ruine, oder, wie unzufriedene Geschäftsleute dort sagen: "ein Schandfleck". Oder in Ludwigshafen. Zeitgleich mit dem Krefelder Haus wurde auch dort der Kaufhof dicht gemacht. Er war der letzte Anziehungspunkt in die Innenstadt. Jetzt regieren dort die Bäckereien, Dönerbuden und Ein-Euro-Shops. Sieht so Krefelds Zukunft aus?

 2011 Graffiti in pink und schwarz an den Scheiben, ein zerbeulter Baustellenzaun an der geschlossenen Unterführung – so präsentiert sich heute der Eingangsbereich des früheren Kaufhofs am Ostwall.
2011 Graffiti in pink und schwarz an den Scheiben, ein zerbeulter Baustellenzaun an der geschlossenen Unterführung – so präsentiert sich heute der Eingangsbereich des früheren Kaufhofs am Ostwall. Foto: Thomas Lammertz
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"Die Verwaltung tut alles dafür, Interessenten für den Standort zu begeistern", sagt Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU). Und schiebt hinterher: "Aber es ist nicht einfach." Denn eines ist klar: In den Bau wird nie wieder ein Warenhaus einziehen. "Von den vielen Warenhausketten in Deutschland existieren heute nur noch zwei", erklärt Krefelds Ladenflächenmanager Holger Leroy. "Die eine ist Kaufhof. Die hat das Warenhaus geschlossen." Die andere ist Karstadt. Die schloss zuletzt Filialen in München, Hamburg und Dortmund.

Das Problem ist der Umbau

Die Zeit der Warenhäuser ist vorbei. Noch in den frühen achtziger Jahren lag ihr Anteil am Einzelhandelsumsatz bei 14 Prozent. Heute haben die Warenhäuser einen Umsatzanteil von 3,3 Prozent. Ein Warenhaus in Krefeld kann überleben. Der Kaufhof am Neumarkt investierte zuletzt, richtete sich neu aus. Ein zweites Warenhaus in unmittelbarer Nähe hat hingegen keine Überlebenschance.

Und da liegt das Problem. Wenn kein neues Warenhaus ins Warenhaus einzieht, muss das Warenhaus umgebaut werden. Der Kaufhof am Ostwall hat sieben Geschosse, fünf über, zwei unter der Erde. Das Gebäude wurde Ende der 60er Jahre errichtet. Ein Koloss in Beton und Stahl. So ein Umbau wird teuer. "Das kostet einen zweistelligen Millionenbetrag", sagt Ladenflächenmanager Leroy. Zusätzlich zum Kaufpreis des Gebäudes.

Lange Zeit gab es einen Investor, der bereit gewesen wäre, so viel Geld zu investieren. Der Hamburger Shopping-Center-Betreiber ECE hielt bereits eine Kaufoption auf das Objekt, wollte es in eine gigantische Einkaufsgalerie einbetten. Krefelds Politiker schoben dem einen Riegel vor. Sie fürchteten Leerstand in der Innenstadt. Denn zahlreiche Geschäfte, die in ECE-Shopping-Centern anzutreffen sind, haben bereits eine Filiale in Krefelder 1A-Lagen.

ECE ließ die Kaufoption verfallen. Und der Eigentümer des Gebäudes, der Immobilieninvestor Apollo Rida aus Warschau, beauftragte die Düsseldorfer Immobilienfirma Engel & Völkers mit der Vermarktung. Es ging nicht um Vermietung, es ging nur um Verkauf. Monatelang war die Anzeige bei Immobilien-scout im Internet geschaltet.

Die 14 000 Quadratmeter Verkaufsfläche drücken die städtische Leerstandsquote auf einen leicht überdurchschnittlichen Wert von neun Prozent. "Leerstand ist immer schlecht", sagt Hajo Greve, Vorsitzender des Werberings. Er gibt sich keinen Illusionen hin: "Selbst wenn morgen ein Investor käme, würde das Gebäude trotzdem noch jahrelang leer stehen." Erst muss geplant werden, dann kann gebaut werden. Das dauert.

Leroy äußert sich optimistisch zur Zukunft des Ostwall-Kaufhofs. Denn er kennt eine Zahl zum Objekt, die bisher nur wenige Leute kennen. Die Zahl ist 20. "Seit der Ostwall-Kaufhof geschlossen wurde, haben sich mehr als 20 Interessenten allein bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gemeldet." Mehrfach ist er mit ihnen durch die leeren Räume gegangen. "Es gibt nicht so viele Finanzinvestoren, die solch ein Projekt stemmen können", sagt Leroy. "Und von denen, die es können, haben alle Interesse angemeldet." Nach Informationen unserer Zeitung unterzeichnete einer bereits einen "Letter of Intent", eine feste Absichtserklärung zum Kauf. Allerdings war sie zeitlich befristet, lief aus. Doch der Investor hat weiterhin Interesse. Leroy bestätigt das nicht. Doch er sagt: "Bevor jemand kauft, braucht er Mieter, muss Vorverträge abschließen. So etwas nimmt viele Monate in Anspruch." Und vielleicht wird gerade in irgendeinem Büro in Deutschland genau daran gearbeitet.

(RP)