Krefeld: Ein Freispruch beim Kockel-Prozess

Krefeld : Ein Freispruch beim Kockel-Prozess

Der ehemalige KFC-Torwart Ronny Kockel wurde brutal zusammengeschlagen und erlitt schwerste Verletzungen. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Schläger zeigt, wie schwer es offenbar ist, die Täter zu ermitteln und angemessen zu bestrafen. Kockel leidet noch heute unter den Verletzungen.

Im Berufungsprozess gegen zwei Männer, die beschuldigt worden sind, im Mai 2011 den damaligen KFC-Torwart Ronny Kockel in der Krefelder Diskothek Königsburg brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt zu haben, hat das Krefelder Landgericht am Freitag einen 36 Jahre alten Kölner, der in erster Instanz noch zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war, freigesprochen. Die 14-monatige Bewährungsstrafe für seinen 29-jährigen Mitangeklagten aus Düsseldorf wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung ist dagegen bestätigt worden.

Am 7. Mai 2011 war Ronny Kockel in den frühen Morgenstunden in der Krefelder Diskothek Königsburg niedergeschlagen worden. Anschließend traten und schlugen offenbar mehrere Männer auf den damaligen Torwart des KFC Uerdingen ein. Dabei erlitt Kockel schwerste Verletzungen im Gesicht; an den Folgen hat er bis heute zu leiden. Seine Karriere als Fußballspieler musste er beenden. In erster Instanz waren am 5. Juni 2012 vor dem Krefelder Amtsgericht zwei weitere Beschuldigte freigesprochen worden. Das Gericht sah nicht genügend eindeutige Beweise für eine Tatbeteiligung des 36-Jährigen Kölners.

Beim schon zweimal wegen Körperverletzungen vorbestraften Düsseldorfer war das anders, obwohl die Staatsanwaltschaft für dessen Freispruch plädiert hatte, weil ihm kein konkreter Tatbeitrag zuzuordnen sei. Der Richter sagte zwar, dass dem 29-Jährigen kaum bewiesen werden könne, dass er auf Ronny Kockel eingetreten habe. Allerdings sei bei einer gemeinschaftlichen Körperverletzung nach dem Bundesgerichtshof eigenhändiges Handeln nicht von Nöten. Schon, wenn man andere davon abhielte, zu helfen oder sonst irgendwie dazu beitrage, Verletzungen beim Opfer zu verstärken, sei man Mittäter. Zudem sei der Angeklagte von Ronny Kockel und den Zeugen eindeutig identifiziert worden. Die beiden Beschuldigten nahmen das Urteil emotionslos auf. Der freigesprochene Kölner saß zwar aufrecht und hatte seine Hände auf dem Tisch, während sein Düsseldorfer Mitangeklagte in seinem Stuhl herum lümmelte. Aber diese Körpersprache hatten die beiden während des ganzen Prozesstages gezeigt.

Nebenkläger Ronny Kockel konnte sich mit dem Urteil ebensowenig anfreunden wie mit den vorangegangenen Plädoyers der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft. Die beiden Verteidiger, die Freisprüche für ihre Mandaten gefordert hatten, unterstellten Kockel unterschwellig eine Falschaussage, was später sogar der Richter in seiner Urteilsbegründung kritisierte. Die Staatsanwältin forderte zwar die Verurteilung des später freigesprochenen Kölners, allerdings wollte sie den Straftatbestand von einer gemeinschaftlich gefährlichen auf eine einfache Körperverletzung herabstufen; sie plädierte für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen á 40 Euro. Der Vertreter der Nebenklage, Kockels Anwalt Stefan Tierel, war für die Bestätigung der im Juni 2012 vom Amtsgericht gefällten Urteile. Er und sein Mandant behalten es sich vor, in Revision gegen den Freispruch für den Kölner zu gehen.

(RP)
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