Krefeld: Ein Besuch im Langzeitgedächtnis der Stadt

Krefeld: Ein Besuch im Langzeitgedächtnis der Stadt

20 ehrenamtliche Helfer der Lebenshilfe sind zu Gast im Stadtarchiv am Konrad-Adenauer-Platz.

Es ist das Krefelder Langzeitgedächtnis: das Stadtarchiv am Konrad-Adenauer-Platz 14. "Wir haben 4,5 Kilometer Unterlagen", sagt der stellvertretende Leiter Christoph Moß jetzt bei einem Besuch von 20 Ehrenamtlern der Lebenshilfe, die zu einem Blick hinter die Kulissen eingeladen waren. Moß: "Und es kommen jährlich etwa 150 laufende Meter hinzu." Bau- und Steuerunterlagen müssen aufbewahrt werden, Daten aus den Standesämtern: Alles was historisch oder rechtlich von Relevanz ist, wird archiviert.

Das Archiv interessiert sich besonders für Krefelder Vereine, Unternehmen, Nachlässe oder private Fotos. Zwei Aufgaben stehen dabei im Vordergrund: das Erfassen und das Zugänglichmachen. Das Archivgut muss dauerhaft zur Aufbewahrung vorbereitet werden. Eine Konsequenz: Metallklammern und Kunststofffolien müssen entfernt werden, anschließend werden die Papiere in säurefreie Mappen gelegt und in säurefreien Kartons gelagert. Und zwar im Magazin, in dem eine stets gleiche Temperatur herrscht. Moß: "Das ist zur Bestandserhaltung notwendig."

Parallel ist das Archiv eine gefragte Quelle des Wissens. Und auch aus den Gästen der Lebenshilfe sprudeln Fragen: Gibt es einen Blick auf Bockum - von oben? Welche Infos gibt's zur einstigen Burg Cracau? Was hat das Archiv an Material über eine ehemalige Bonbonfabrik und wie sieht es aus mit der alten Stadtmauer?.

Schnelle Hilfe kommt zur Bonbonfabrik: "Versuchen Sie es doch mal mit Adressbüchern aus jener Zeit", rät Moß. Die Burg Cracau, so vertröstet er, werde später Thema. Und mit Mauerresten kann man ihm Archiv nicht dienen. "Dies ist ein offenes Archiv - für alle Bürger. Wir haben hier eine breite Sammlung von Unterlagen zu den Dingen, die Sie interessieren", so Moß. Die Archivalien bestehen aus Papier, Fotos, Urkunden, Filmen und anderen Medien - ein großer Teil ist natürlich die Dokumentation der Dinge, die in der Stadt passieren.

Der Experte gibt anschließend Einblicke im ein mehr als 200 Jahre altes Buch mit Einträgen auf Französisch: Aus der Franzosenzeit um 1800 sind Personenstandsregister (1798) erhalten, die von Geburten oder Heiraten erzählen. Mitarbeiter Andreas Münzer erklärt vier Stücke aus dem Magazin, die auf einem Tisch ausgebreitet liegen. Das älteste Objekt im Stadtarchiv hat 800 Jahre auf dem Buckel. Die Urkunde aus dem Jahr 1216 berichtet von der Besetzung einer Pfarre und wurde dem Archiv geschenkt. Das mittelalterliche Siegel ist nicht mehr erhalten. Dann zeigt Münzer ein Bürgerverzeichnis. Es stammt aus der Zeit von 1711 bis 1713 - es ist das älteste vorhandene. Eine Abbildung der Burg Cracau aus der Zeit um 1700 sowie eine preußische Akte in akkurater Schönschrift erinnern so manchen Gast an die eigene Schulzeit.

Übrigens: Zum Abschluss gibt es für die Gruppe noch eine knappe Führung durch die Ausstellung "In Einheit leben - in Vielheit glauben". Sie beschäftigt sich mit der religiösen Entwicklung der Stadt seit Luther.

(RP)