Krefeld: Ein Besuch im Kita-Streikcafé

Krefeld : Ein Besuch im Kita-Streikcafé

Für den morgigen Donnerstag ist eine große Fahrraddemonstration der Erzieherinnen aus städtischen Kindertagesstätten geplant. Gestern bereiteten rund 40 Frauen den Protest vor.

Eine geballte Ladung Frauenpower sitzt im "Streik-Café" in den Räumen der IG Metall am Ostwall 29, vierter Stock, und plant eine Fahrrad-Demonstration durch Krefeld, die am Donnerstag stattfinden soll. Diese "Frauenpower" besteht aus rund 40 streikende Erzieherinnen (und einem Erzieher) der städtischen Kindertagesstätten (Kitas) in Krefeld, die sich gestern Morgen ab 10 Uhr zum ersten Mal getroffen haben; einige von ihnen waren zuvor schon bei einer Kita-Demonstration in Köln, zu der sich rund 4000 Demonstranten für höhere Löhne ausgesprochen haben.

"Das war schon imposant", sagt Sylke Bleckmann. Sie und ihre Mitstreiterinnen sind Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften Krefeld, kurz GEW, die seit Dienstag streiken. Betroffen sind davon die Kitas Westwall, Arndtstraße, Viktoriastraße, Herbertzstraße, Florastraße, Steckendorfer Straße, Krützboomweg, Körnerstraße, Bacherhofstraße, Grevenbroicher Straße und Kuhleshütte mit Plätzen für bis zu 100 Kinder, die derzeit zum überwiegenden Teil zu Hause, sprich von der Oma, der Nachbarin, dem Babysitter betreut werden, während die Eltern arbeiten gehen.

Lediglich die Erzieherinnen, die nicht streiken, gehen in die Kitas, in denen Notgruppen eingerichtet sind. "Die Stadt Krefeld hat zudem verschiedene Trägerschaften, darunter die Kirchen, aufgefordert zu helfen - ob und inwieweit das praktisch erfolgt ist, dazu habe ich seitens der Stadt aber keine Rückmeldung", sagt Philipp Einfalt, Vorstandsvorsitzender der GEW Krefeld. "Neben dem sicherlich wichtigen finanziellen Aspekt geht es uns aber gleichermaßen darum, das Berufsbild der Erzieherin aufzuwerten", sagt Sonja Löhmann. Fachkräfte würden zwar händeringend gesucht, "aber Weiterbildungen müssen zum Beispiel privat finanziert werden", sagt Bawlaczyk Horst, die bereits rund 7500 Euro in ihr berufsbegleitendes Studium investiert hat. Zudem kommen die hohen Belastungen für Erzieherinnen, die sich im Durchschnitt auf 60 Mehrarbeitsstunden im Monat belaufen, darunter fällt die Nachbereitungen des Tages, pädagogische Gespräche im Kollegenkreis und Entwicklungsgespräche mit Eltern, Sonderaktionen mit und rund um den Kindergarten, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen.

Auch Kerstin Rundholz kann davon ein Lied singen. Sie hat neben ihrem Job drei Mal in der Woche abends eine Ausbildung zur Heilpädagogin gemacht und das aus der eigenen Tasche gezahlt. Nur: Die eigene Familie muss dabei ja auch noch funktionieren - das sehen Außenstehende nicht. Sylke Bleckmann ist ebenfalls Erzieherin und Sprecherin der streikenden Zunft in Krefeld: Sie ist sich sicher, dass trotz des Streiks und der damit verbundenen Komplikationen die Notfallbetreuung gut organisiert wurde: "Wir haben die Eltern frühzeitig informiert, so dass genügend Zeit war, eine Ersatzbetreuung zu organisieren. Wenn der Streik vorbei ist, können wir guten Gewissens wieder an unsere Arbeit gehen", sagt sie. Dazu erklärt Philipp Einfalt, Vorstandsvorsitzender der GEW: "Klar, das schmerzt, aber es geht nicht drunter und drüber", sagt er. "Am Freitag wird es eine große Kundgebung in Krefeld geben, Start ist um 9.30 Uhr am Platz der Wiedervereinigung", so Einfalt. Wenn das mal kein gutes Omen ist.

(RP)