Krefeld: Eilbeschluss: Flüchtlinge ziehen in kirchliche Ferienstätte ein

Krefeld : Eilbeschluss: Flüchtlinge ziehen in kirchliche Ferienstätte ein

Auf dem Kirschkamperhof sollen bis zu 140 Flüchtlinge beherbergt werden. Die Stadt Krefeld wurde am Freitag kurzfristig informiert. Personal musste aus dem Urlaub herausgeholt werden.

Erneut muss die Krefelder Stadtverwaltung in einer Art "Hau-Ruck-Aktion" Flüchtlingskapazitäten für das Land bereitstellen. Darüber informierte die Stadt gestern per Pressemitteilung.

Bereits am vergangenen Freitag um 11.45 Uhr erhielt der Leiter des Sozialamts, Wolfram Gottschalk, einen Anruf von der Bezirksregierung, wonach der Kirschkamperhof in Traar, eine ehemals als "Christcamp" bekannte kirchliche Jugendferienstätte am Luiter Weg, Flüchtlingsunterkunft des Landes werden soll. Am Samstag um 14.30 Uhr kamen dann bereits die ersten 39 alleinstehenden Männer, überwiegend aus dem Kosovo, aber auch Syrien, Pakistan, Ukraine und afrikanischen Staaten.

140 Flüchtlinge sollten ursprünglich im Kirschkamperhof untergebracht werden, es gibt allerdings wegen Umbauarbeiten derzeit nur Kapazität für bis zu 110 Flüchtlinge, teilte Gottschalk auf Anfrage mit.

Der Kirschkamperhof ist ein ehemaliger Bauernhof, der seit 1982 christliche Freizeitarbeit beherbergt. Jedes Jahr kommen 5000 Kinder und Jugendliche zu den Erlebniscamps. Der Gesamtleiter des Kirschkamperhofs, Simon Schild, teilte gestern mit, dass man ebenfalls am Freitag mit der Bitte der Bezirksregierung Düsseldorf konfrontiert worden sei: "Die Leitung und der Vereinsvorstand haben aufgrund der besonderen Notlage der Bitte stattgegeben, obwohl dafür eine Reihe von Camps ausfallen muss." Insgesamt fünf Jugendcamps mussten abgesagt werden.

Zunächst gilt laut Bezirksregierung Düsseldorf, dass der Hof bis 14. März 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll. Ab Mitte März sollen die Kirchengemeinden die Einrichtung wieder für Gruppen, zum Beispiel Konfirmanden, nutzen können. Simon Schild verwies gestern auch auf einen Beschluss der evangelischen Landessynode im Rheinland, bei der die Synode die Kirchenkreise, Einrichtungen und Gemeinden gebeten hatte, Kommunen bei der Unterbringung der Flüchtlinge zu unterstützen.

In den vergangenen zwei Wochen waren nur wenige Flüchtlinge nach Krefeld weitergeleitet worden. 1150 Flüchtlinge leben derzeit in Krefeld, hinzu kommen die Flüchtlinge, die offiziell in Landeseinrichtungen untergebracht sind, die aber der Stadt Krefeld gehören. Neben dem Kirschkamperhof ist dies auch das Krefelder Schullandheim in Straelen-Herongen, das für die Unterbringung von 140 Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden musste. "Generell macht das natürlich Sinn, da in solchen Einrichtungen die Infrastruktur bereits zur Verfügung steht", sagt Wolfram Gottschalk.

Offiziell ist der Kirschkamperhof eine Notunterkunft des Landes. Das Land ist aufgrund der extrem schnell anwachsenden Flüchtlingszahlen aber nicht mehr in der Lage, die Unterbringung und Versorgung der Asylsuchenden selbst zu organisieren. Die Stadt Krefeld wurde deshalb gebeten, Vorbereitungen zu treffen und den Betrieb einschließlich Betreuung und Verpflegung sowie die medizinische Untersuchung sicherzustellen. Amtsleiter Wolfram Gottschalk hatte am Wochenende große Probleme, überhaupt den Personalbedarf decken zu können.

Teilweise seien Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückgekommen, um bei der Beherbergung der Flüchtlinge zu helfen. Zusätzlich halfen Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJler) des Kirschkamperhofs. "Unser Problem war, dass wir Hilfskräfte vom DRK oder den Maltesern nicht sofort akquirieren konnten, da sie beim Karneval im Einsatz waren. Aus dem gleichen Grund konnten auch Securitykräfte kurzfristig nicht angeworben werden." Die Kosten für die Flüchtlinge übernimmt die Bezirksregierung, die Stadt muss aber in Vorleistung gehen.

Perspektivisch, so erklärt Gottschalk, werde Krefeld erst einmal rückgängige Flüchtlingszahlen haben. Grund: Bestimmte Flüchtlinge mit psychischen oder körperlichen Leiden sollen in einem Sonderstatus schneller Anspruch auf staatliche Unterstützung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB II) erhalten. Diese Personen fallen aus der Flüchtlingsstatistik heraus, der Leistungsbezug dieser Personen geht dann auf die Jobcenter über.

Unterdessen bleibt die Not der Behörden, adäquate Räumlichkeiten zu finden. So wurde gestern bekannt, dass das Schullandheim Herongen bauliche Mängel aufweisen soll und die Klever Bauaufsicht bereits Nachbesserungen fordert - konkrete Details wollten die Behörden mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht nennen.

Die Bezirksregierung fragte auch an, ob Krefeld eine weitere Turnhalle als Notunterkunft zur Verfügung stellen kann. Dies ist laut Wolfram Gottschalk aber aus personellen Gründen in der Stadtverwaltung und bei den Hilfsdiensten in Krefeld nicht mehr möglich.

(RP)
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