1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Eigenes Bienenvolk: Krefelds jüngster Imker ist 13 Jahre alt

Ein eigenes Bienenvolk mit 13 : Krefelds jüngster Imker

Arne Geschke hat ein ungewöhnliches Hobby. Der 13-Jährige kümmert sich um ein eigenes Bienenvolk. Den Kasten dafür, seine Beute, hat er selbst gebaut. Unterstützung bekommt er von Peter Benger vom Krefelder Imkerverein.

Entspannt steht Arne Geschke an der Beute. Dabei handelt es sich um die Fachbezeichnung für den Kasten, in dem Imker einen Bienenstock unterbringen. Er trägt eine Imkerjacke und einen dieser Hüte, die über ein Netz mit der Jacke verbunden sind. Der Hut ist lässig in den Rücken geklappt und liegt wie bei einem Kapuzenpulli an. Ruhig greift der junge Imker in die Beute und zieht ein Rähmchen, eines der Bretter, auf die die Bienen ihre Waben bauen, heraus. Dass die Bienen entspannt sind, spürt er auch mit seiner vergleichsweise geringen Erfahrung. Die stachelbewehrten Insekten sind folglich friedlich und akzeptieren die Behandlung ohne jede Aggression.

 Peter Benger vom Imkerverein Krefeld zeigt Arne Geschke den richtigen Umgang mit Bienen.
Peter Benger vom Imkerverein Krefeld zeigt Arne Geschke den richtigen Umgang mit Bienen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Arne ist der jüngste Imker Krefelds. „Wir haben eigens von einem Ausnahmetatbestand in unserer Satzung Gebrauch gemacht, um ihn aufzunehmen“, erzählt Peter Benger, der Kassenwart des Krefelder Imkervereins 1881. Der Verberger ist nicht nur im Vorstand des Vereins, sondern auch Arnes Lehrmeister. Seit Jahresbeginn verbringt der 13-Jährige jeden Sonntag bei und mit Benger, um das Handwerk der Imkerei zu lernen. „Ich wohne in Traar, ziemlich auf dem Land, und ich liebe es, draußen in der Natur zu sein. Bienen faszinieren mich schon lange, und ich wollte schon seit einiger Zeit Imker werden“, erzählt der Schüler.

 Drei, fünf, acht – die Königin ist gemacht: Es dauert nur 16 Tage, bis eine Königin (roter Punkt) nachgezogen ist.
Drei, fünf, acht – die Königin ist gemacht: Es dauert nur 16 Tage, bis eine Königin (roter Punkt) nachgezogen ist. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
  • Einer der zwei Sport- und Spielräume.
    Krefeld investiert in Kinder : Kita in Hüls folgt ganz neuem Konzept
  • Die Polizei bittet mögliche Zeugen, sich
    An der Weseler Rheinpromenade : Unbekannte stehlen Haxen, Schinken und Cola
  • Eine Pflegestelle für Igel ist eines
    Wettbewerb von Stadt und Currenta : 20.000 Euro für elf Nachhaltigkeitsprojekte in Krefeld

Im Herbst wurde der Wunsch immer konkreter. „Er hat dann erst einmal um Erlaubnis gebeten, hat sich eingelesen und sich die nötige Ausrüstung zu Weihnachten gewünscht“, erzählt Vater Jens Geschke. Dann machte sich der Junge daran, gemeinsam mit seinem Bruder eine eigene Beute zu basteln. „Das hat er richtig gut gemacht. Seine Beute steht denen, die wir anderen nutzen, in nichts nach“, lobt Benger seinen jungen Schützling.

Tatsächlich sei er erst ein einziges Mal gestochen worden, erzählt der Junge. „Das war ausgerechnet am vergangenen Wochenende. Eine Biene hatte sich in meinem Haar verfangen, und da kommen sie dann manchmal nicht raus. In ihrer Panik hat sie mich eben gestochen“, erzählt Arne. Weh getan habe es sehr, und am folgenden Tag habe er sogar etwas Fieber gehabt. Doch von der Imkerei kann ihn das nicht abbringen. „Das kann eben mal passieren. Aber ich liebe den Umgang mit den Tieren“, sagt der 13-Jährige.

Für diesen Umgang erntet er viel Lob von Peter Benger. „Arne hat gleich von Anfang an viel Ruhe im Umgang mit den Tieren gezeigt und ist sehr lernwillig und wissbegierig“, sagt der Lehrmeister. Er legte ein gutes Wort für den Nachwuchsimker ein, und so wurde dieser Mitglied im Verein. „Das tun wir nicht leichtfertig. Ein Bienenvolk zu übernehmen, ist eine große Verantwortung“, sagt Benger.

Sein Schützling kann bereits viel erzählen. „Vor gut zwei Wochen habe ich mein eigenes Volk bekommen. Dafür haben wir ein Brutbrett aus einem Wirtschaftsvolk entnommen. Wenn die Bienen feststellen, das sie keine Königin haben, dann ziehen sie recht schnell eine neue heran. Dann werden einige Larven mit Gelee Royal gefüttert. Diese wachsen dann zu Königinnen heran. Die kämpfen um die Herrschaft, und die Siegerin bekommt das Volk“, sagt Arne und erklärt, dass Gele Royal eine sehr proteinreiche Art Honig ist.

Benger ergänzt: „Bienen können fast immer Königinnen nachziehen. Das dauert nur 16 Tage: Drei Tage Ei, fünf Tage Larve, acht Tage Puppe. Dafür gibt es einen Spruch: Drei, fünf, acht – die Königin ist gemacht.“ Danach gehe die überlebende Königin auf Hochzeitsflug, wo sie sich mit mehreren Drohnen paare und den Samen in ihrem Körper lagere. Davon zehre sie ihr ganzes, etwa drei Jahre dauerndes Leben und lege am Tag bis zu 2000 Eier – das doppelte ihres Körpergewichts, erläutert der Experte. „Arbeitsbienen leben dagegen nur sechs Wochen. Drei Wochen im Stock als Putz- oder Ammenbienen und drei Wochen als Honigbienen“, weiß Krefelds jüngster Imker. Drohnen, männliche Bienen, sind übrigens anders als zum Beispiel bei Ameisen das ganze Jahr über vorhanden. Nur im Winter werden sie von den Arbeitsbienen getötet, da sie zu viel Futter verbrauchen. Sie machen etwa fünf Prozent der Bienen im Stock aus.

Arnes Beute steht nun im elterlichen Garten. „Allerdings hatte der Bruder etwas Angst, darum steht sie in der hintersten Ecke“, sagt Vater Jens. Angst sei eigentlich unnötig, beruhigt Benger. „Wir stehen hier direkt an einem halben Dutzend Bienenvölker, und sie interessieren sich gar nicht für uns. Unsere Bienen werden nach drei Kriterien gezüchtet: Friedfertigkeit, Friedfertigkeit und Friedfertigkeit. Nur wenn man stark alkoholische Rasierwasser oder Deos nutzt, kann es problematisch sein, sich einem Stock zu dicht zu nähern. Bären fressen im Herbst oft vergorene Früchte und riechen alkoholisch. Darum denken die Bienen dann, man sei ein Bär – der größte Feind der Bienen“, sagt Benger.

Arne hört wissbegierig zu. Er möchte seine Bienen so gut wie möglich versorgen. Dazu gehört vor allem die Bekämpfung der Varroamilbe. Dafür lernt er unterschiedliche Verfahren – die meisten ohne jeden Einsatz von Chemie. So gibt es zum Beispiel eigene Rähmchen, auf die die Bienen vor allem große Waben bauen, in denen Drohnen herangezogen werden. Die Milben bevorzugen die größeren männlichen Larven und konzentrieren sich auf diese. „Vor dem Schlupf kommen die dann zu den Hühnern, für die Puppen und Milben zusammen eine Delikatesse sind“, erläutert Benger. All diese Tricks gilt es für Arne noch zu lernen. Doch schon jetzt macht er sich gut und will sich dauerhaft für Honig- aber auch Wildbienen einsetzen – und irgendwann sein Wissen an die nächste Generation weitergeben.