Eichenprozessionsspinner verätzen Pferde und verletzen sie schwer

Gefährliche Raupen: Eichenprozessionsspinner verätzen Pferde in Krefeld

In Krefeld sind drei Pferde eines Reitstalls so schwer durch Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner verletzt worden, dass sie tiermedizinische Notfallhilfe benötigten. Der Stall bangt nun um seine Existenz - die Inhaberin fühlt sich von der Stadt alleingelassen.

Die drei Pferde stehen in den Ställen des Heinrichshofes in Krefeld. Die Tiere waren mit den Nesselhaaren der Raupen in Berührung gekommen, zwei Pferde erlitten schwere Verätzungen rund um das Maul. Bei einem weiteren Pferd wurden die Augen so schlimm in Mitleidenschaft gezogen, dass es als Notfall in die Klinik musste, weil es in Panik geriet und eine lebensbedrohliche Kolik entwickelte.

Für Reitstall-Betreiberin Heike Schalljo eine existenzbedrohende Situation – nicht nur wegen der bislang entstandenen Kosten. Denn mit der Bekämpfung der auch für Menschen sehr gefährlichen Plage steht sie allein da. Hilfe von der Stadt gibt es nicht.

Das Pferd hat an den empfindlichen Nüstern Verätzungen erlitten. Das Tier wurde mit Cortison behandelt. Foto: Sven Schalljo

„Auf einigen unserer Weiden stehen Eichen, und alle sind mit den Raupen befallen“, berichtet Schalljo. „Ich habe die Stadt kontaktiert und um Hilfe gebeten. Es kamen ein Mann von der Forstbehörde und einer vom Grünflächenamt. Die rieten mir, einen Maleranzug und Atemschutz anzuziehen und die Raupen selbst zu beseitigen. Alle Mediziner sagen einhellig: Das ist totaler Wahnsinn und kann bis zu Verätzungen in der Lunge führen, die im Extremfall sogar lebensbedrohend sind“, erzählt sie.

Einschlägige Fachblätter geben ihr Recht: Die Pharmazeutische Zeitung etwa empfiehlt dringend, die Gespinste der Raupe „ausschließlich durch Fachpersonen wie Feuerwehr, Förster oder spezielle Schädlingsbekämpfer, die vollständig abgeschlossene Schutzkleidung tragen“, zu beseitigen. Die Nester, die besonders viele Brennhaare enthielten, würden „in der Regel abgesaugt und in einer Deponie verbrannt“. Auf eigene fast zu handeln ist einfach zu riskant.

Prozessionsspinner-Beseitigung kostet pro Baum bis 200 Euro

Zu den Anlagen gehört neben dem Heinrichshof auch der Nachbarhof. „Von dem mussten wir fast die Hälfte der Weidefläche sperren. Fällen dürfen wir die Eichen aber auch nicht, dafür gibt es keine Genehmigung“, berichtet Schalljo. Noch schlimmer sei die Situation im von den Reitern „Kühnen-Wäldchen“ genannten Areal zwischen Bayer-Reitverein und Reitstall Kühnen am Hökendyk. Dort stünden in großer Zahl Eichen, die sämtlich befallen seien. Die Stadt wolle auch dort nichts gegen die Raupen unternehmen, berichtet die Reitstall-Betreiberin: „Man sagte mir, dass sich außer mir niemand beschwert habe. Vermutlich muss es erst zu schweren Verletzungen kommen.“

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Sie überlegt nun, was sie gegen die Raupen tun kann. „Wir brauchen die Weiden auf Dauer. Aber die Beseitigung kostet pro Baum bis zu 200 Euro. Bei 25 Eichen allein auf meinem Gelände kommt da einiges zusammen. Plus die Tierarztkosten – das kann im Extremfall existenzbedrohend werden“, sagt die Pächterin.

Sie fühlt sich von der Stadt und den Behörden alleingelassen. „Gegen die Raupen wird nichts unternommen, und so stehen Unternehmer mit einem Problem da, das sie weder verschuldet haben, noch lösen können. Die Raupen entwickeln sich zu Faltern, die binnen eines Tages neue Eier legen. Meist an ihren Geburtsbäumen. Und so ist die gleiche Situation im kommenden Jahr wieder zu erwarten“, fürchtet Schalljo. „Die Nester fallen irgendwann ab. Auch die sind voller Nesselhaare. Die sind dann auch im Boden und wenn sich Pferde darin wälzen verletzen sie sich ebenfalls.“

Stadt Krefeld empfiehlt, Fachfirmen selbst zu beauftragen

Die Stadt erklärte auf Anfrage, der Fachbereich Grünflächen dürfe im privaten Bereich nicht tätig werden. „Privatpersonen sollten bei eigenen, betroffenen Bäumen auf ihren Grundstücken eine Fachfirma beauftragen“, erklärte ein Sprecher. Gerade weil die „Gifthaare“ der Eichenprozessionsspinner gesundheitsschädlich seien, „sollten unbedingt Fachfirmen die Entfernung beziehungsweise Bekämpfung übernehmen“, rät die Verwaltung.

Den drei betroffenen Pferden geht es inzwischen besser: Sie bekamen Cortison in hoher Dosierung und haben das Schlimmste überstanden. Schalljo weiß nicht, wie es für ihren Reitstall und ihrer Tiere weitergeht. „Im Moment habe ich keine Ahnung, was ich unternehmen soll. Ich fühle mich von der Stadt allein gelassen.“