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Krefeld: Durchgangsverkehr in der Spielstraße

Krefeld : Durchgangsverkehr in der Spielstraße

Die Spielstraße Fette Henn in Hüls hat sich nach einem als Verkehrsberuhigung geplanten Umbau zum Schleichweg nach Moers entwickelt. Anwohner ärgern sich darüber, dass gerast wird. Vor allem Kinder und Senioren sind gefährdet.

Die Fette Henn in Hüls ist eigentlich eine Straße mit hohem Wohnwert und viel Ruhe. Es ist eine verkehrsberuhigte Zone, in der nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. Lärm machen eine Grundschule und ein Kindergarten, sowie hin und wieder ein Krankenwagen, der zum an der Straße gelegenen Helios-Krankenhaus fährt. Eigentlich.

"Früher war die Straße keine Spielstraße, sondern Zone 30. Damals aber war das Pflaster so schlecht, überall waren Schlaglöcher, dass niemand wirklich schnell gefahren ist. Dann wurde die Straße vor etwa 15 Jahren saniert und zur verkehrsberuhigten Zone. Ab da fingen die Probleme an", sagt Anwohner Walter Schäfer.

Bei der Sanierung nämlich seien gravierende Fehler gemacht worden, sagt der Rentner. Die Straße ist weithin einsehbar. Entsprechend hält sich kaum ein Autofahrer an die Schrittgeschwindigkeit. "Die erwarte ich ja gar nicht. Wenn die Leute unter 20 Stundenkilometer fahren, finde ich das voll ausreichend", sagt Schäfer. Das aber geschehe gerade zu Stoßzeiten nur all zu selten. Es habe sich ein reger Durchgangsverkehr gerade im Berufsverkehr entwickelt. Die Fette Henn sei zum Schleichweg nach Moers geworden. In der Bezirksvertretung brachte er sein Anliegen, verstärkt zu kontrollieren oder baulich etwas zu ändern, bereits vor. Hier wurde er an den Verkehrsausschuss verwiesen. Geschehen sei nichts.

Neben einer Gefährdung der Kinder von Anwohnern, Grundschule und Kindergarten, sowie der Bewohner eines Seniorenzentrums und Patienten des Krankenhauses, die die Straße gern für Spaziergänge nutzen würden, sei es vor allem auch eine Lärmbelästigung. "Die Straße ist aus einzelnen Steinen gebaut, die nicht richtig betoniert sind. Die sind nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt", erläutert Schäfer. Wenn gerade schwere Autos bei höheren Geschwindigkeiten bremsten, würden sich die Steine lösen. Das Ergebnis: Bei jeder weiteren Überfahrt klappert es.

Vor den Kurven, wo dies aufgrund von Gegenverkehr besonders häufig geschieht, haben die Anwohner in Eigenregie versucht, mit Zement die Lücken zu verfüllen. Der Erfolg hält sich allerdings in Grenzen. Unterdessen kommt zunächst ein Wagen mit niederländischen Kennzeichen. In hohem Tempo fährt er die Rampe von der Krefelder Straße herunter, die Fette Henn entlang und biegt auf den Krankenhausparkplatz. Wenig später ist es ein BMW, der hinter einer Fahrradfahrerin, die selbst eigentlich zu schnell für eine Spielstraße die abschüssige Straße herunterrollt, fährt, diese überholt und Richtung Moers fährt. Ein SUV mit großem Anhänger kommt mit mindestens 30 Stundenkilometern in Gegenrichtung daher.

Was die Anwohner erwarten? "Das Ganze wurde damals mit unserem Geld gebaut. Wir alle mussten pro Wohnpartei um die 10.000 Euro zahlen, was für viele sehr problematisch war, da sie von kleinen Renten leben. Es wurde aber ganz falsch konzipiert. Jetzt ist es gefährlich, lauter als früher und geht kaputt. Das kann nicht sein. Die Verkehrsführung muss so geändert werden, dass schnelles Fahren nicht mehr möglich ist. Außerdem muss mehr kontrolliert werden", sagt Schäfer. Das schließe auch Eltern ein, die ihre Kinder zu Schule und Kindergarten bringen. Die Anwohner wünschen sich, dass die gültigen Regeln eingehalten werden. Nicht umsonst wurde die Straße einst zur Spielstraße gemacht. In der Pflicht sehen sie die Politik. Die Straße sei nicht für Durchgangsverkehr konzipiert.

(RP)