Krefeld: Dreifache Mütter lernen einen Beruf im Friseursalon Heurs

Krefeld : Dreifache Mütter lernen einen Beruf im Friseursalon Heurs

Alleinerziehende als Auszubildende: Die Kreishandwerkerschaft will das Programm TEP bekannter machen und Müttern Ausbildungsstellen vermitteln.

Zwei ungewöhnliche Auszubildende erlernen derzeit beim Krefelder Friseurmeister Ulrich Heurs ihren Beruf: Die 26-jährige Julia Ditzen, Mutter von drei Kindern, absolviert in dem Friseursalon eine Teilzeitausbildung mit 30 Stunden in der Woche. Ebenfalls drei Kinder hat Malika Carauch (34) - die Alleinerziehende ist im ersten Lehrjahr zur Friseurin.

Vermittelt wurden die beiden Auszubildenden im Rahmen des Projekts TEP (Teilzeitberufsausbildung - Einstieg begleiten - Perspektiven öffnen), das 2011 vom Land NRW aufgelegt wurde und vom Bildungszentrum Niederrhein (BZNR) der Kreishandwerkerschaft betreut wird. Nicole Rottes vom BZNR hat schon mehrere ihrer Klienten mit Friseurmeister Ulrich Heurs zusammengebracht.

Seit Anfang August ist Julia Ditzen angehende Friseurin in Teilzeit. Nach einer dreijährigen Elternzeit hat sie sich dazu entschlossen eine Berufsausbildung zu starten. "Meine Kinder sollen mit dem Bewusstsein aufwachsen, dass Geld nicht auf Bäumen wächst und dass man hart arbeiten muss, um seine Ziele zu erreichen", sagt Ditzen über ihre Motivation zum Berufseinstieg. Ihr Chef Ulrich Heurs ist so überzeugt von ihrem Talent, dass er sagt: "Wenn Julia durch die Zwischenprüfung fällt, fallen alle anderen auch durch."

Malika Carauch ist seit 2015 im TEP Projekt. Die Deutsche mit marokkanischen Wurzeln war zunächst in einem anderen Salon, wurde jedoch aus innerbetrieblichen Gründen gekündigt. Seit April 2016 ist sie nun Auszubildende bei Ulrich Heurs. Die Alleinerziehende hat sich für eine Lehre in Vollzeit entschieden, kann aber in eine Teilzeitausbildung wechseln, falls sie ihre beruflichen und erzieherischen Aufgaben nicht mehr miteinander vereinbaren kann. Ihre Kinder gehen alle bereits zur Schule. Wenn Carauch außerhalb der Schulzeiten arbeiten muss, passt eine Freundin auf die Kinder auf.

Bereits seit 2005 gibt es die gesetzliche Möglichkeit der Teilzeitausbildung. Das Anrecht darauf besteht, wenn Auszubildende ein eigenes Kind betreuen, sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern oder wenn andere schwerwiegende Gründe vorliegen. Das Konzept gilt für alle Ausbildungsberufe, ist aber aufgrund betrieblicher Gegebenheiten nicht immer möglich. Der Betrieb sowie der Auszubildende müssen für das Gelingen der Teilzeitausbildung flexibel sein, Arbeitszeitmodelle können dabei angepasst werden. "Wenn man aufeinander eingeht und sich gut abspricht, funktioniert das Modell ausgezeichnet", so Ulrich Heurs über seine Erfahrungen mit der Teilzeitausbildung.

Claudia Drink, die ab sofort die Ansprechpartnerin für die Teilzeitausbildung im BZNR der Kreishandwerkerschaft ist, hat sich klare Ziele gesetzt: "Ich möchte TEP in Zukunft noch bekannter machen und mehr Betriebe davon überzeugen, dass das einstellen von Teilzeitauszubildenden viel Positives mit sich bringt."

Kontakt: Claudia Drink, 02151 9751128

(RP)