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Krefeld: Drei Jahre Haft für Überfall auf junge Frau

Krefeld : Drei Jahre Haft für Überfall auf junge Frau

Der 22-Jährige aus dem Irak sei in der Wüste aufgewachsen und kenne nur Frauen, die Burkas tragen. In Krefeld habe er wegen der sexuellen Freizügigkeit einen Kulturschock erlitten, sagt sein Anwalt.

Ein Familienvater muss wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung für drei Jahre ins Gefängnis. Am Rosenmontag hatte er einer Frau verfolgt, war in einen Bus ein- und mit ihr wieder ausgestiegen, sie anschließend zu Boden gebracht und ihr unter anderem in den Intimbereich gegriffen. Zwei Zeugen hörten die nächtlichen Schreie und griffen ein. Einer der Helfer wurde verletzt.

Der Staatsanwalt dankte den Rettern im Namen der Allgemeinheit. Es sei ein Alptraum für jede Frau, so überfallen zu werden. Er glaube dem Angeklagten nicht, dass er sie nur kurz berührte. Hier handele es sich keinesfalls um einen "Busengrapscher-Fall". Dann nämlich müsste das Berühren der einzige Übergriff gewesen sein. Der 34-Jährige habe aber versucht, die Frau zu Boden zu reißen und festzuhalten. Es sei kein spontaner Entschluss gefasst worden, der Angeklagte sei der Frau an der Haltestelle Rheinstraße in den Bus gefolgt und mit ihr an der Haltestelle Elfrather Mühle ausgestiegen.

Der Staatsanwalt hatte hatte drei Jahre und neun Monate Haft wegen versuchter Vergewaltigung und Körperverletzung beantragt. Wer mit seiner Familie Schutz in einem Land suche, müsse sich an Regeln halten. Das bedeute auch, unverschleierte Frauen nicht als Freiwild zu betrachten. Damit parierte er die Ausführungen der Verteidigung, nach denen der 34-Jährige hier einen Kulturschock aufgrund der sexuellen Freizügigkeit bekommen habe. Der Mann aus dem Irak sei in der Wüste aufgewachsen und nie zur Schule gegangen. Er kenne nur Frauen in Burka. Er habe geglaubt, dass die 22-Jährige ein sexuelles Interesse an ihm hatte, weil sie mit ihm an der Haltestelle sprach und eine Zigarette rauchte. "Er hat die Sache völlig falsch interpretiert", sagte der Verteidiger. Deshalb sei er ihr gefolgt. Als die Frau schrie, sei er sofort davongerannt. Die 22-Jährige schilderte, dass sie an dem Abend Streit mit ihrem Freund hatte und alleine nach Hause fuhr. Der Angeklagte habe ihr an der Rheinstraße erzählt, dass er nach Traar fahre. Als er an ihrer Haltestelle ausstieg und ihr hinterherlief, habe sie ihn weggeschickt. Kurze Zeit später sei der Mann wieder aufgetaucht und habe sie umklammert und ihr den Mund zugehalten. "Er hat mich überall angefasst", sagte die Zeugin. Passanten hörten die Schreie und kamen zur Hilfe.

Der Angeklagte biss einem Zeugen in die Hand und drückte ihm die Finger in die Augen. Das Krefelder Schöffengericht kam zu dem Schluss, dass man den Mann zwar wegen versuchter sexueller Nötigung und Körperverletzung, nicht aber wegen versuchter Vergewaltigung verurteilen kann.

(RP)