Krefeld: Dina Yoffe spielt Brahms mit Wumms

Krefeld: Dina Yoffe spielt Brahms mit Wumms

Die aus Riga stammende Pianistin leitet die Internationalen Kawai Meisterkurse. Im Eröffnungskonzert stellte sie sich als mitreißende Interpretin vor, die mit dynamischen Effekten nicht geizte. Ein Höhepunkt des Abends war Chopins Cello-Sonate - für Geige und Klavier bearbeitet.

Zum 13. Mal finden zurzeit die Krefelder Internationalen Meisterkurse statt. Und auch in diesem Jahr gilt ein guter alter Brauch: Wer anderen etwas beibringen will, zeigt erst mal selbst, was er kann. So stellen sich zum Auftakt traditionell jeweils die Dozenten im Konzert vor. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Dina Yoffe. Durchgeführt werden die Kurse von der Krefelder Klavierfirma Kawai in Kooperation mit der Städtischen Musikschule, die Ort des Geschehens ist.

Die sieben Studenten, die in diesem Jahr teilnehmen, sind gewissermaßen handverlesen. Wie immer werden weltweit die Besten unter den Nachwuchspianisten ausgesucht. Da will man schon wissen, wer ihnen noch etwas beibringen kann. Und das bewies Yoffe.

Schnell war den Zuhörern im ausverkauften Helmut-Mönkemeyer-Saal der Musikschule klar, dass mit der aus Riga stammenden Pianistin eine gute Wahl getroffen war. Mit einem klassisch-romantischen Programm hatte sie schon mit ihrem ersten Beitrag die Sympathien des Publikums gewonnen. Mitreißend erklang Beethovens Klaviersonate Nr. 16 op. 31 Nr. 1, mit hör- und sichtbarer Spielfreude. Zügig und flüssig nahm die Pianistin die schnellen Sätze. Locker und präzise kamen die vielen Vorschläge, mühelos perlend die Läufe. Deutlich stellte sie den Kontrast zwischen dem vorwiegend heiteren Grundzug des Werkes und den dramatischen Partien des langsamen Satzes heraus.

Souverän erfolgte auch die Wiedergabe der sieben Fantasien op. 116 von Johannes Brahms. Technisch stand die Meisterpianistin ohnehin über den Anforderungen. Auch hier wurde sie dem wechselnden Charakter der einzelnen Sätze voll gerecht, den lyrischen Stücken ebenso wie den stürmischen. Eindrucksvoll demonstrierte sie, dass es beim Romantiker Brahms mitunter auch recht hart und wuchtig zugehen kann.

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Zweimal war Chopin zu hören. Nach einer kompetenten Wiedergabe des Scherzos Nr. 4 op. 54 erfolgte eine Welturaufführung. Nicht, was die Komposition betraf, wohl aber die Bearbeitung. Michael Vaiman, Ehemann von Dina Yoffe und Geiger von Format, hatte Chopins Cello-Sonate für die Geige umgeschrieben und führte, mit seiner Frau am Klavier, die Neufassung erstmals auf.

Vaiman erwies sich als Geiger mit ausgefeilter Technik. Sein Ton ist, jedenfalls unter den gegebenen akustischen Bedingungen, mehr warm und kammermusikalisch als groß und strahlend. Mitunter war das Klavier im Verhältnis zur Geige etwas stark. Allerdings, und das überrascht bei Chopin natürlich nicht, ist in der Klavierstimme auch eine ganze Menge los. Insgesamt hörte das begeisterte Publikum eine sensible Wiedergabe - mit einem empfindsam gespielten Largo und lebendig gestalteten schnellen Sätzen.

Dem Prinzip des Bearbeitens blieb das Duo auch bei der Zugabe treu - mit einer Transkription der Hornstimme von Schumanns op.70.

(RP)