Krefeld: Dieter Nuhr hat jetzt einen Vogel

Krefeld: Dieter Nuhr hat jetzt einen Vogel

Der Wort-Entertainer hat den Krefelder Kabarett-Preis in Empfang genommen. Die "Ehren"-Krähe wird einen Platz auf der Gästetoilette finden, sagte der Kabarettist – und gab sich bei der Feier im Krefelder Theater ganz locker.

Der Wort-Entertainer hat den Krefelder Kabarett-Preis in Empfang genommen. Die "Ehren"-Krähe wird einen Platz auf der Gästetoilette finden, sagte der Kabarettist — und gab sich bei der Feier im Krefelder Theater ganz locker.

Auf der Gästetoilette bei Dieter Nuhr (51) in Ratingen wird die "Krefelder Krähe", eine schwere Skulptur, landen. Auch die Urkunde für den von den "Krähen" verliehenen Kabarett-Ehrenpreis wird dort hängen. "Der Bursche hat was", sagte Jochen Butz, Krähen-Gründer, bei seiner Laudatio auf den diesjährigen Preisträger Dieter Nuhr auf der Bühne des Krefelder Theaters.

An Kabarett-Preisen und Ehrungen besitzt der in Wesel geborene Kabarettist auch schon alles; seine Fernsehpräsenz ist unübersehbar. In Jeans, T-Shirt und leichtem Jäckchen bedankte sich Nuhr mit Ausschnitten seines Programms und relativierte seinen Erfolg: "Zum Papst kommen noch mehr."

Dass zufriedene Menschen sich evolutionär nicht durchsetzen konnten, erzählte er, sprach von "Futurophobie" und dass der Chinese, weil er noch Geld hat, "die dümmste Sau von allen ist". Jungen Menschen will Nuhr erklären, dass eine Telefonzelle ein "Handy zum Reinstellen" ist, und dass das Telefonbuch eine "Datenbank ohne Strom" war. Wenn demnächst auf der Straße Rauchverbot gilt, will er als Nichtraucher auf dem Fahrrad ohne Helm rauchen.

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Neues Krähenlied

Nuhr gab sich locker, auch ein wenig komödiantisch, so wie man ihn kennt und mag. Die "Krähen" — sechs Herren und zwei Damen — hatten den Nuhr-Auftritt mit ihrem neuen Krähenlied vorbereitet, und in der ersten Hälfte des Abends durften zwei Preisträger aus dem vorjährigen Nachwuchs-Krähenwettbewerb das kabarettistische Vorspiel liefern. Thomas Lötscher erschien in Kittel und Kappe als "Veri, der Abwart". Der Schweizer kam in seiner Hausmeister-Rolle und mit seinem Sprachduktus glaubwürdig beim Publikum an. Auf dem Rücksitz anzuschnallende Zwölfjährige, Rentner, die im Sommer mit Ski-Stöcken unterwegs sind und tödliche Zigaretten waren sein Thema. Von seinem "Bobby-Car" und den Hupen sang am Flügel Andy Sauerwein aus Würzburg. Auch von seinem Kampf mit der Internetanbieter-Hotline wusste er eine bewegte Performance zu gestalten, und beim Lied von den herbstlich fallenden Blättern musste das Publikum mimisch und Geräusche machend mitspielen. Der junge "Jazz-Kabarettist" wusste sich sympathisch in Szene zu setzen und bestätigte damit noch mal seinen zweiten Platz in 2011.

"Romeo und Julia" als Geschenk

Das gut gefüllte Theater war erstmals Schauplatz der Preisverleihung. Generalintendant Michael Grosse war beim anschließenden Empfang mit Häppchen im Glasfoyer sehr angetan von der Veranstaltung. "Das hat uns geschmückt", bedankte er sich bei Jochen Butz. Als Gastgeschenk des Theaters an die Krähen führte das Ballett zu Beginn des Abends eine muntere Tanzszene aus "Romeo und Julia" vor. Auch dieser Auftritt wurde angemessen beifällig goutiert, so wie der ganze Krähen-Abend mit einem Preisträger, dessen Gästetoilette jetzt an Ausstattungs-Qualität gewonnen hat.

(RP/areh)