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Krefeld: "Die Wiege" hilft in großer Not

Krefeld : "Die Wiege" hilft in großer Not

Der Verein will Menschen helfen, die durch Krankheit in Not geraten sind. Durch ihr Netzwerk sorgt "Die Wiege" für Kontakt zu Medizinern, hilft durch Sach- und Geldspenden. In der Erlöserkirche feierte der Verein jetzt sein Gründungsfest. Schirmherrin ist Andrea Berg.

Lindental Pfarrer Jörg Geyer nannte es die "spirituelle Gründungsfeier" für einen Verein, den mehrere Krefelder unter Führung von Karin Meincke und der Schirmherrschaft von Andrea Berg in den letzten Monaten ins Leben gerufen haben: Am Samstag trafen sich etwa 40 Menschen in der Erlöserkirche, um in einer Gedenkfeier ein Zeichen für den Beginn der Aktivitäten des Vereins "Die Wiege" zu setzen.

Symbol und Zeichen des Vereins

Dabei wurde in der Kirche das Bild eines kleinen Jungen aufgehängt, das die Krefelder Künstlerin Alla Grande gemalt hat: Das Kind gilt als Symbol und Zeichen des Vereins, denn auf seine kurze Lebensgeschichte geht die Entstehung des Vereins zurück, erzählte Karin Meincke: Der Kleine wurde am 25. März vergangenen Jahres im Krankenhaus von Enugu in Nigeria geboren und hatte als Frühgeburt mit knapp 1000 Gramm Körpergewicht in dem medizinisch unterversorgten Land nur geringe Überlebenschancen. Dank der jahrelangen Verbindung des nigerianischen Krankenhauses zu Karin Meincke und der DRK- Schwesternschaft Krefeld entwickelte sich ein Hilfsnetzwerk: Krefelder Ärzte und Schwestern, die auf das Thema Frühgeburt spezialisiert sind, coachten die Pflegenden vor Ort per Telefon und Internet über Wochen, wie sie den kleinen Jungen, den alle nur "David" nannten, aufpäppeln konnten.

Ein Pilot wurde gefunden, der Hilfsgüter innerhalb von 24 Stunden unbürokratisch nach Nigeria brachte – und David kämpfte mit dieser Hilfe um sein Leben. Die Hilfe zeigte Wirkung, das Kind entwickelte sich gut und durfte nach Hause, als es 2700 Gramm wog: "Als alle dachten, er hat es geschafft, kam die Nachricht von seinem plötzlichen Kindstod", so Meincke.

Das war ein Schock für die Helfer in Deutschland, gleichzeitig entstand aber der Gedanke: "David darf nicht umsonst so gekämpft haben." So entwickelte sich die Idee zu dem Hilfsverein, mit dem Ziel: "Wir wollen helfen, wenn alle anderen nicht mehr helfen können", erklärte Meincke. Der Verein will unkonventionell und unbürokratisch ideelle und finanzielle Hilfe leisten, Sachspenden ermöglichen und über Spezialisten für den jeweiligen Fall beraten.

Die Gründungsfeier war trotz oder gerade wegen des Themas fröhlich und hoffnungsvoll: Über ein Hilfsprojekt war erst kurz zuvor der Kontakt zu der kenianischen Gospelsängerin Ruth Wamuyu entstanden, die mitreißende Gospels zu Gehör brachte. Der Krefelder Musiker Dr. Wolfgang Jachtmann stellte mit einer Gruppe Musiker den von ihm geschriebenen "David-Song" vor.

"Erste Projekte wurden und werden bereits finanziert. So war bei der Feier die Familie anwesend, die von der "Wiege" Unterstützung erfahren hat und auch weiter begleitet wird, um den Verlust ihrer kleinen Tochter zu verarbeiten. Derzeit betreuen wir noch eine weitere Familie mit einem schwer kranken Kind in der Region um Krefeld. Zwei weitere Unterstützungsanfragen liegen uns vor", schilderte der Vorsitzende Klaus Abbelen.

(RP)