Krefeld: Die Welt der Modeblogs - ein Leseprotokoll

Krefeld : Die Welt der Modeblogs - ein Leseprotokoll

Chiara Kersten ist mit 13 durch Zufall im Internet auf das Thema Mode gestoßen - sie las sich fest und tauchte in eine Welt mit erstaunlichen Erfolgsgeschichten ein. Leseprotokoll einer vergnüglichen Entdeckungsreise ins World Wide Web.

Mein allererstes "Blogwissen" stammt aus der Bravo. Es war ein Artikel im Jahre 2009, der mein Interesse weckte: eine Reportage über ein 13-jähriges Mädchen aus Oak Park in der Nähe von Chicago, ein für mich recht wundersames Mädchen. Sie trug Kleidung, die von meiner Oma stammen könnten, eine dazu passende Frisur, einen grauen Bob und klobige Schuhe. Ihr Name war Tavi Gevinson.

Ich hatte damals absolut keine Ahnung vom World Wide Web, aber das, was Tavi tat, faszinierte mich. Sie hatte es geschafft, allein durch ihren Auftritt im Internet Aufmerksamkeit der internationalen Modewelt zu erlangen - und führte irgendwann Gespräche mit Karl Lagerfeld. Zum dreizehnten Geburtstag bekam ich endlich einen eigenen Laptop und konnte der Spur der Blogs folgen.

Heute, mehr als fünf Jahre und zwei Laptops später, sind es mehr als 200 Blogs, die täglich mit neuen Posts in meinem Feed bei "bloglovin" landen. Dieses "bloglovin" ist eine Plattform, in der man seine Lieblingsblogs zusammenführen und neue Blogs zu ähnlichen Themen entdecken kann. Blogs wie der von Tavi sind in letzten Jahren ein Riesengeschäft geworden. Tavi, die als Zwölfjährige angefangen hat, über Mode zu schreiben, ist inzwischen Herausgeber ihres eigenen Onlinemagazines "Rookie" und besitzt ein geschätztes Vermögen von 215 Millionen US-Dollar. Weitere Bloggergrößen sind die Italienerin Chiara Ferragni von "The Blonde Salad", die US-Amerikanerin Aimee Song (www.songofstyle.com) und die Schweizerin Kristina Bazan (www.kayture.com). Noch kein Imperium, aber eine beachtliche Anzahl an Followern hat sich Yara geschaffen - mit Chapter Fri day bloggt sie seit mehr als fünf Jahren über ihren persönlichen Stil, gibt Einrichtungs- und Blogtipps.

Was um die Jahrtausendwende der Charakter Carrie Bradshaw aus der Kultserie "Sex and the City" war, sind heute junge Frauen wie Carolin (www.followthepinkfox.com) und Anni von "FashionHippieLoves", die als Inspirationsgeber dienen.

Immer mehr große Firmen wie Chanel, Nike und Kenzo nutzen die Popularität der Blogger. Die typische Blog-Leserin ist zwischen 15 und 25 Jahren alt und besitzt eine überdurchschnittliche Affinität zu Mode sowie Social Media wie dem Fotoportal Instagram. Modeblogs sind mittlerweile wie Labore - sie setzen Trends, und Modegiganten wie H&M, Zara, Topshop und Forever 21 greifen sie auf und machen "Fast Fashion", also schnelle saisonale Mode für jedermann.

Geld ist dabei nicht alles: Letzten Endes ist es der eigene Stil, der zählt, und ihn kann man mit noch so viel Geld nicht kaufen. Das wissen die meisten Blogger: Gern wird ein außergewöhnliches Accessoire oder Kleidungsstück (im Modejargon "It Piece" genannt) kombiniert mit preisgünstigen Stücken günstiger Marken. Auch in Deutschland erfreut sich das kommerzielle Bloggen immer größerer Beliebtheit. Meist junge Frauen, vereinzelt auch Männer, präsentieren ihre Outfits, versetzen sie mit bezahlten Links, geben Einrichtungstipps, lichten ihre Shoppingausbeuten in sogenannten Hauls ab. Einige schreiben außerdem Kolumnen über ihr Leben, das Bloggen im Allgemein, Konsum und fragwürdige Modetrends.

Das Bloggerbusiness hat mir gezeigt, wie wichtig Konsum ist - und auch wieder nicht. Ich habe gelernt, an meine Träume zu glauben und dass vieles möglich ist: dass zum Beispiel eine Jurastudentin aus der italienischen Provinz zu einer millionenschweren Geschäftsfrau wird. Und klar, worüber ich das Meiste gelernt habe - über Mode.

Mein Designertraum sind eine klassische Chanel-Handtasche "Flap Bag 2.55" sowie die nicht minder ikonenhaften "Pigalle 120mm" -Schuhe von Christian Louboutin. Träumen ist erlaubt. Und wer weiß, was kommt.

(RP)
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