Die Tiergartenstraße wies keine Schäden auf, wird nun aber saniert. Anwohner sind irritiert.

Straßensanierung in Krefeld : „Stadt saniert intakte Tiergartenstraße“

Die Tiergartenstraße, speziell das Stück zwischen Schönwasser- und Violstraße gehörte zu den besten Straßen Krefelds. Trotzdem wird die Straßendecke erneuert – zum Unverständnis von Anwohnern, die woanders mehr Bedarf sehen.

Die Tiergartenstraße zwischen Schönwasser- und Violstraße gehörte zu den besten Straßen im Krefelder Stadtgebiet. Kein einziges Schlagloch war auf dem Stück zu finden, minimale Risse waren im Asphalt zu sehen und ein breiter Radweg war in der ohnehin wenig befahrenen Straße ebenfalls vorhanden. Trotzdem wurde die Straße am Montag aufgerissen, um die Straßendecke zu erneuern. Die Anwohner sind irritiert und versuchen, eine Begründung für die Maßnahme zu bekommen, doch weder bei Stadt noch Kommunalbetrieb (KBK) sind sie erfolgreich.

„Als ich den Zettel mit der Benachrichtigung über die Bauarbeiten und die damit verbundene Sperrung vergangene Woche im Briefkasten fand, habe ich direkt versucht, irgend jemanden zu finden, der mir begründen könnte, warum das geschieht“, sagt Lotti Vogel. Sie lebt seit über 30 Jahren an dem fraglichen Stück der Tiergartenstraße. „In Krefeld gibt es nun wahrlich genug Straßen, die einer kurzfristigen Sanierung bedürfen. Und ausgerechnet bei uns mit einer der besten Straßen des Stadtgebietes reißt man auf? Das will mir nicht in den Kopf“, fährt sie fort. Ohnehin sei die Straße wenig frequentiert.

„Welchen Effekt soll es haben? Das Stück hat zwei Geschwindigkeitshügel und ist wenig befahren. Wenn überhaupt, würde der noch etwas bessere Straßenbelag doch dazu führen, dass mehr Autos schneller hier durchfahren“, befürchtet die Anwohnerin. Darum telefoniert sie seit Tagen mit der Stadt und dem KBK. Doch niemand, bis hin zum Bürgermeisterbüro, habe ihr die Maßnahme begründen können. „Wenn es wenigstens das Stück zwischen Grenz- und Kaiserstraße wäre, würde ich es noch verstehen. Das gehört zwar immer noch zu den besten in Krefeld, hat aber zumindest einige Schlaglöcher und einen schlechten Radweg. Bei uns ist all das nicht gegeben“, bezieht Vogel Stellung.

Die Tiergartenstraße vor der Maßnahme. Feine Risse sind in der Straßendecke, aber ein echter Schaden, wie die in Krefeld überall zu findenden Schlaglöcher, ist auf dem ganzen Abschnitt nicht zu sehen. Foto: Schalljo, Sven/Schaljo, Sven

In der Tat ist auch auf Bildern zu sehen, dass das fragliche Stück der Tiergartenstraße bereits vor der Maßnahme in tadellosem Zustand war. Feinste Risse waren im Asphalt auszumachen. Die jedoch waren keine Gefahr für Auto- oder Fahrradfahrer und während der Fahrt nicht wahrnehmbar. Dennoch wurde pünktlich am Montag die oberste Asphaltschicht weggefräst. „Das Unternehmen aus Mönchengladbach, das ich ausfindig machte, gab nur als Antwort, dass es den Auftrag hätte und sich um ein ,Warum’ nicht kümmern würde“, beschreibt Vogel resignierend und fügt hinzu: „Ich möchte eigentlich nur erfahren, aus welchem Grund es gemacht wird.“

Die Stadt antwortet auf Nachfrage: „Für die Tiergartenstraße wurden die zugrundeliegenden Zustandsdaten im vierten Quartal 2012 durch eine beauftragte Fremdfirma erfasst. Für den Bereich zwischen Schönwasserstraße und Violstraße wurden dabei Fahrbahnschäden, insbesondere Netzrisse und offene Nähte registriert. Im Zeitraum zwischen der Aufnahme und heute wurden für den Straßenabschnitt insgesamt zehn Gefahrstellen durch die Straßenbegeher des Kommunalbetriebs gemeldet. Bei der Auswertung der Ergebnisse der Zustandsbewertung der Fahrbahn wurde der Bereich für ein Unterhaltungsprogramm Deckenerneuerung im Heißverfahren ausgewählt.“

Anwohnerin Vogel stellt dabei die Frage, ob nicht viele andere Straßen in der Stadt sehr viel größere Schäden aufwiesen und entsprechend weit höher priorisiert werden sollten, wenn es um eine Sanierung geht. Der Bauausschuss beschloss die Sanierung am 3. Juli 2018. Die Frage, warum eine Straße, die nach Expertenmeinung bereits vor sieben Jahren zehn Schadstellen aufwies, die aber bis heute nicht zu Schäden führten, die für den Laien sichtbar wären, stellen sich die Anwohner mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein.

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