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Die Tiere im Zoo in Krefeld haben Langeweile

Besucher-Stopp : Die Tiere im Krefelder Zoo haben Langeweile

Eigentlich ist der Tierpark sieben Tage die Woche geöffnet, doch nun haben sich die Pforten für den Besucherverkehr geschlossen und seit mehr als drei Wochen erleben Pfleger wie Tiere eine gänzlich ungewohnte Situation.

Nicht nur für Menschen sorgen die aktuellen Maßnahmen gegen das Coronavirus für ungewohnte Situationen, auch viele Tiere sind betroffen. So zum Beispiel die im Krefelder Zoo. Eigentlich ist der Tierpark sieben Tage die Woche geöffnet, doch nun haben sich die Pforten für den Besucherverkehr geschlossen und seit mehr als drei Wochen erleben Pfleger wie Tiere eine gänzlich ungewohnte Situation. „Ich persönlich empfinde die Ruhe im Zoo auf der einen Seite als ein Stück weit angenehm, auf der anderen Seite aber gerade bei dem schönen Wetter auch als echt gruselig“, erzählt Yvonne Wicht. Sie ist Pflegerin im Stelzvogel-Revier, zu dem aber auch andere Tiere wie beispielsweise die Esel zählen.

Doch nicht nur die Pfleger müssen sich an die ungewohnte Situation gewöhnen. Die Tiere stellen sich erst langsam auf die neuen Begebenheiten ein. „Was mein Revier betrifft, schlägt es bei den Eseln und Erdmännchen, die ja nun wirklich gerne mit den Leuten interagieren, so langsam in Langeweile um. Pedro lässt das dann ganz gerne schon mal an seinen Stuten aus und ist dabei ziemlich ruppig“, berichtet sie. Die beiden Eselstuten Ciara und Chalissa würden sich deshalb vordringlich ohne den Hengst beschäftigen. „Zum Glück ist Chalissa noch da. Ciara hat somit eine fantastische Spielpartnerin“, sagt die Pflegerin.

Noch deutlicher sei die Langeweile bei den beliebten Erdmännchen zu spüren, die nicht nur stets viele Besucher anziehen und damit an besonders großen Publikumsauflauf gewohnt sind, sondern auch gern mit diesen Besuchern interagieren. „Die Erdmännchen lassen sich derzeit noch mehr Blödsinn einfallen als normal. Besonders, wenn wir Pfleger zugegen sind“, erzählt sie lachend. Sie filmte einige der Aktionen der kleinen Mangusten und der Zoo verbreitete sie auf seinen Social-Media-Kanälen. Doch nicht nur die zu den kleinsten Bewohnern zählenden Erdmännchen verhalten sich ungewohnt. Auch für die größten Tiere steht derzeit ein besonderes Programm an. „Die Elefanten bekommen derzeit Fußbäder und besondere Fußpflege“, erzählt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn. „Das passiert nun verstärkt, da nicht nur die Pfleger jetzt mehr Ruhe haben, sondern die Tiere dafür längere Zeit im Innenbereich sind. Unter normalen Umständen und gerade bei dem aktuellen Wetter würden sie dabei auf der Außenanlage von den Besuchern vermisst“, fährt sie fort.

Insgesamt zeigen die Tiere nach Einschätzung der Pfleger ein durchaus verändertes Verhalten. „Anfangs haben die Tiere die Ruhe spürbar genossen. Doch mittlerweile zeigen sie nicht nur die beschriebene Langeweile, sie sind auch insgesamt deutlich aufmerksamer. Wenn sie jemanden hören, dann zeigen sie jetzt sehr viel mehr Reaktion und gucken, was los ist“, beschreibt Wicht.

Für die Pfleger sei die Situation ebenfalls problematisch. „Gespräche, die sonst regelmäßig in der Futterküche stattfinden, erledigen wir jetzt mit gebührendem Abstand vor dem Stall. Schwieriger ist, dass wir auch Arbeiten, die sonst zu zweit erledigt werden, jetzt eben allein angehen“, erläutert die Pflegerin.

Für den Zoo insgesamt sei die Situation wirtschaftlich schwierig. „Eigentlich sind die ersten warmen und sonnigen Tage im März und April die umsatzstärksten Tage des Jahres. Damit ist es für uns ein wirtschaftliches Desaster“, sagt Schwinn. Probleme bei der Versorgung gebe es nicht. „Nahrung bekommen wir, wenn auch das ein oder andere etwas teurer geworden ist. Problematisch ist aber beispielsweise die Einfuhr von Schmetterlingspuppen für unseren Schmetterlingsdschungel. Diese kommen aus Costa Rica oder Malaysia und das ist derzeit aufgrund der Beschränkungen nicht möglich. Das könnte dazu führen, dass wir statt der üblichen 80 bis 90 Arten zunächst nur derer zwei haben“, sagt die Sprecherin.

Wie fast alle Menschen hoffen auch die Mitarbeiter des Zoos auf ein baldiges Ende der Beschränkungen. Denn Menschen wie Tiere sehnen sich nach Normalität – von den wirtschaftlichen Auswirkungen ganz zu schweigen.