Krefeld: Die Suche nach dem passenden Beruf

Krefeld: Die Suche nach dem passenden Beruf

Der Verein Jugend braucht Zukunft hilft Jugendlichen dabei, den perfekten Beruf für ihre Interessen zu finden.

Es ist ein großes Problem in der heutigen Zeit: Jugendliche kommen aus der Schule und starten eine Ausbildung oder ein Studium, stellen aber nach einiger Zeit fest, dass sie mit ihrer Wahl äußerst unglücklich sind. Die Folge sind Studien- und Ausbildungsabbrüche, die oft sogar für einen Bruch im Lebensweg sorgen.

"Ungefähr eine halbe Million Jugendliche brechen nach der aktuellen Shell-Studie ihre Ausbildung wieder ab. Bei rund 40 Prozent davon führt dieser Abbruch der Ausbildung im Endeffekt zu einer Abwärtsspirale, an deren Ende sie einfach etwas erlernen, das gerade verfügbar ist. Meist weit unter ihrem Schulbildungsniveau. Ungefähr 80.000 tauchen in keiner Statistik mehr auf. Es ist unklar, wie sie ihren weiteren Lebensweg bestreiten", sagt Angelika Börner vom Verein Jugend braucht Zukunft. "Wir wollen dazu beitragen, hier Abhilfe zu schafen und den Jugendlichen helfen, den richtigen Beruf zu finden." Dazu hat der Verein ein Konzept übernommen, bei dem ehrenamtliche Helfer im Rahmen eines Seminartages mit den jungen Menschen deren Präferenzen ermitteln. Ein Teil dessen ist ein Fragebogen, der bereits im Vorfeld erhoben wird. Später ermitteln die Helfer mit verschiedenen Techniken auch verborgene Interessen und Talente und präzisieren das Bild immer weiter.

"Wir nehmen uns viel Zeit für die Jugendlichen. Während ein Berater beim Jobcenter vielleicht einige Minuten hat, ist es bei uns ein ganzer Tag. Der Test ermittelt dabei nicht nur offensichtliche Wünsche, sondern auch versteckte Interessen und Talente", erklärt Börner. Die Trainer stehen dabei maximal zwölf Teilnehmern gegenüber. Jeder davon wird individuell betreut. Es beginnt mit einem sogenannten "Nautilogramm", einem 20-seitigen Fragebogen, der viele Persönlichkeitsmerkmale eruiert. In der weiteren Folge verfeinern die Helfer die gewonnenen Erkenntnisse.

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Dabei machen sie keine konkreten Vorschläge, was spezifische Berufe angeht oder fragen Fakten ab, vielmehr triggern sie immer wieder Gedanken mit Beispiele aus dem eigenen Leben. "Die Trainer fragen nicht, sie berichten 'Bei mir war es so und so' und erzählen dann von ihrem Weg. Das bringt die Jugendlichen zu eigenen Gedanken. So finden wir immer mehr Stärken und präzisieren das Bild", berichtet Börner vom Vorgehen.

Eigenverantwortung der Teilnehmer wird dabei ebenso vorausgesetzt, wie Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Niemand, auch nicht die anderen Kursteilnehmer, bekommt die Ergebnisse zu sehen. Die Jugendlichen suchen mit Hilfestellung der Trainer ganz allein nach ihrem perfekten Beruf. Der Verein sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Beratungsangeboten in Schulen oder Jobcenter. Vielmehr verstehen sie sich als Ergänzung. Es gehe, sagt Börner, darum, das Ideale für die jungen Menschen zu finden und ihnen einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen. "Wir bekommen auch tief verborgene Talente und Interessen heraus und fördern sie zu Tage. Außerdem haben wir viele Kooperationen und können Praktika bei Stellen vermitteln, bei denen das sonst nicht geht. Beim Leiter einer Mordkommission zum Beispiel, oder bei einem Chefarzt", erzählt Börner.

Noch sei der Verein recht unbekannt und hoffe, zunehmend bekannter zu werden. Eine etwa einstündige Informationsveranstaltung zum Seminar findet am 8. März ab 19.30 Uhr im Gebäude der VHS statt. Am 5. April ab acht Uhr dann steht der nächste Seminartag ebenfalls in der VHS an. Weitere Informationen bietet auch die Vereinswebsite www.jugend-braucht-zukunft.de. Der Verein, sowie alle Berater, arbeiten rein ehrenamtlich. Ein Entgelt für die Seminare wird zwar erhoben, damit aber werden allein Arbeitsmaterialien abgedeckt, sowie ein Mittagessen für die Teilnehmer finanziert.

(RP)