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Die Stadt Krefeld stellt ihre Schwimmkurse für Kinder doch nicht ein

Sportangebote : Rückzieher: Die Stadt stellt ihre Schwimmkurse für Kinder doch nicht ein

Thomas Nuyen ist seit mehr als 40 Jahren Trainerausbilder und Schwimmlehrer. Er fordert, dass die Kommune ihre Entscheidung zurücknimmt.

Kinder und Jugendliche sollen Schwimmen lernen. Das ist gesellschaftlicher Konsens. Umso erstaunlicher, dass die Stadt Krefeld ab August abtauchen und die Schwimmausbildung in Anfänger- und Fortgeschrittenenkursen einstellen will. Thomas Nuyen ist seit mehr als 40 Jahren als Leistungsschwimmer, Trainerausbilder und Schwimmlehrer aktiv. Er kann diesen Schritt der Kommune nicht nachvollziehen.

Derzeit führe der Fachbereich Sport- und Sportförderung fünf Anfänger-Schwimmlernkurse mit insgesamt 75 Teilnehmern und 14 Förder-Schwimmlernkurse mit insgesamt 190 Teilnehmern durch, informierte Stadtsprecher Manuel Kölker auf Anfrage unserer Redaktion. Sowohl die Anfänger- als auch die Förderschwimmlernkurse umfassten jeweils 16 Übungseinheiten. Veranstaltungsorte seien das Lehrbad Linn (samstags u. sonntags) sowie das Stadtbad Uerdingen (sonntags). „Neue Anfänger- und Förder-Schwimmlernkurse werden in kommenden Halbjahr seitens der Stadt nicht angeboten“, bestätigte Kölker die Informationen, die Nuyen per Mail erhalten hatte. Grund sei akuter Personalmangel im Fachbereich Sport und Sportförderung. Unter anderem sei der für Planung und Koordination der Kurse zuständige Mitarbeiter langzeiterkrankt.

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Eltern würden zurzeit auf bestehende Angebote für Kinder in Krefelder Vereinen, bei Hilfsorganisationen und privaten Anbietern hingewiesen, sagte Kölker. Die Schwimmausbildung solle übergangsweise vermehrt durch die privaten Anbieter sichergestellt werden. Zudem fanden Ferien- und Kita-Kurse weiter statt. „Die Stadt ist bemüht, schnellstmöglich wieder einsatzbereites Personal zur Wiederaufnahme der bisherigen erfolgreichen Kursangebote im Bereich der Schwimmausbildung bereitzustellen“, verspricht der Stadtsprecher.

Nuyen zeigt sich über die Argumente der Stadt Krefeld verwundert. Sie könne offenbar schon jetzt, drei Monate im Vorhinein erahnen, dass der Gesundheitszustand des Langzeitkranken für unüberbrückbare Probleme sorge. Seit mehr als zehn Jahren, seit auf einem landesweiten Kongress auf Initiative des Schul- und Sportministeriums Nordrhein-Westfalens unter Mitwirkung aller Bezirksregierungen, zahlreicher Verbände und vieler Fachleute die sinkende Schwimmfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zentrales Thema war, werde versucht der steigenden Zahl der Nichtschwimmer entgegenzuwirken, berichtete Nuyen. Als Folge dieses Kongresses habe das Land das Programm „NRW kann schwimmen“ zur Schwimmausbildung aufgelegt und investiere jedes Jahr eine nicht unerhebliche Summe in diese Initiative. Der Landessportbund NRW, der Schwimmverband Nordrhein-Westfalen mit seinen Vereinen vor Ort, die DLRG, die Wasserwacht und das Rote Kreuz, um nur einige wassersportreibende Verbände zu nennen, betrieben unter Hochdruck ein umfangreiches Kursprogramm zur Schwimmausbildung ….. und dennoch steige der Anteil der nicht-schwimmfähigen Mädchen und Jungen inklusiv einer kontinuierlich steigenden Todesrate durch Badeunfälle, informierte der dreifache Vater.

Auch die Schulen seien mit ihren wenigen zur Verfügung stehenden Schwimmstunden und dem immer noch vorhandenen Fachkräftemangel speziell in den Grundschulen nicht in der Lage, diese Misere zu beheben, erklärte er. „Und nun beschließt die Stadt Krefeld ihre Schwimmausbildung, in die mehrere hundert Krefelder Mädchen und Jungen eingebunden sind, einzustellen. Nicht etwa, weil Übungsleiter und Helfer fehlen, sondern weil in der Verwaltung der Ausfall eines einzigen Sachbearbeiters, der die notwendige Vorbereitung und organisatorische Begleitung der Kurse leistet, krankheitsbedingt ausfällt und verwaltungsintern nicht kompensiert werden kann“, fasst Nuyen die Gründe der Stadtverwaltung kopfschüttelnd zusammen. 

Die übrigen Ausbildungspartner wie die Schwimmvereine wiesen lange Wartelisten auf. Die wenigen kommerziellen Anbieter seien nicht in der Lage, die vielen Kinder zu betreuen, außerdem seien viele Eltern auch nicht in der Lage, diese Kurse zu finanzieren. Hier habe die Stadt Krefeld gegenüber ihren jungen Mitbürgern auch eine soziale Verantwortung.

„Ich erwarte, dass die Stadt Krefeld ihrer Verantwortung gegenüber ihren jungen Mitbürgern nachkommt, ihre Verwaltung so organisiert, dass die notwendigen Begleitarbeiten geleistet und die Schwimmausbildung auch nach den Sommerferien ab August weiterlaufen kann“, forderte Nuyen.

Gestern am frühen Abend dann ein Umdenken der Stadt: Sie habe eine schnelle Lösung im Blick, damit die städtischen Schwimmlernkurse für Kinder im zweiten Halbjahr nicht ausfallen müssen, erklärte die Verwaltung. Der zuständige Fachbereich Sport solle eine personelle Unterstützung bekommen, um besagten Krankheitsausfall im organisatorischen Bereich kompensieren zu können.