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Krefeld: Die Ruhrpott-Schnauze mit Scharfsinn

Krefeld : Die Ruhrpott-Schnauze mit Scharfsinn

Kai Magnus Sting ist im Podio-Theater ein gern gesehener Gast. Der Duisburger Kabarettist trat schon in dem Theater auf, als es sich vor vereinzelten Zuschauern im Wohnzimmer der Betreiber gründete. Der Unterhaltungswert des scharfsinnigen Germanisten mit dem ruhrpottgeläufigen Ritus, aus dem "das" ein "dat" und aus dem "was" ein "wat" zu machen, hat sich herumgesprochen und Sting witzelt jetzt vor vollbesetzen Zuschauerreihen im Podio. Mit seinem gediegenen, dunklen Anzug unterstreicht er die Fähigkeit, Distanz aufzubauen zu seiner Herkunftsregion, um sich drauf und dran zu machen, deren Menschenschlag zu analysieren.

Der 35-Jährige erzählt eine Anekdote aus der Buchhandlung. Eine ältere Dame steht an der Kasse mit einer Gutscheinkarte, deren Restguthaben lediglich 50 Cent beträgt. "Wat machen wir denn mit die 50 Cent", will die Dame von der Verkäuferin wissen. "Auszahlen kann ich die nicht", entgegnet die Buchhändlerin. "Kann die Chefin dat? Ich hab's eilig, ich muss gleich noch zum Dr. Plömer, der macht gleich zu", hackt die Dame nach. Sting rezitiert einen 45-minütigen Dialog, den man kaum niederschreiben kann. Als die ältere Dame schließlich fertig ist, steht nur noch ein Mann in der Schlange vor Magnus Sting. Die Verkäuferin verabschiedet ihn: "Auf Wiedersehen, Dr. Plömer." Gelächter im Saal.

Es sind richtige Wortsalven, die Magnus Sting abfeuert, er kann so schnell sprechen, als sei er mehrere Personen in einer. Diese Gabe kommt besonders zur Geltung, wenn er über die Dialoge mit seiner Frau sinniert. Ein Kommunikationsproblem zieht sich wie ein Roter Faden durch die Beziehung der Eheleute. Er solle den Müll mitnehmen, ruft die Gattin hinterher, als Sting einen Freizeittermin wahrnehmen will. "Ich gehe jetzt zum Philharmonie-Orchester, was sollen die denn mit unserem Müll anfangen?", entgegnet er der Frau. Grummeln. So hat der Kabarettist im Laufe der Jahre schon die verschiedensten Blicke der Ehefrau kennengelernt, "mit der sie mich wortlos töten kann". Die Blicke kommen immer dann zum Einsatz, wenn er beispielsweise als Hausmann komplett versagt. Wenn er aus dem Supermarkt nur Magerquark anstelle eines Quarks mit höherem Fettanteil mitbringt, ist das direkt Anlass für eine kleine Ehekrise. "Wie der erste Mensch" — diese Beleidigung gehört zum Standardrepertoire der Sting-Gattin.

Obendrein erfahren die Zuschauer allerlei über die ruhrpotttypischen Auszeichnungen. Entgegen der landläufigen Bezeichnung ist dort ein "Experte", wer nichts weiß. Wer noch weniger hinbekommt, wird zum "Fachmann" auserkoren.

(mh)