Krefeld: Die Retterin der Leguane

Krefeld: Die Retterin der Leguane

Auf eigene Kosten ist Nicole Nieskens in die Karibik geflogen, um dort ohne Entgelt den Blauen Leguanen zu helfen. Diese Iguanas, die es nur auf der Grand Cayman-Insel gibt, standen vor fünf Jahren noch vor dem Aussterben. Jetzt sind bereits 300 wieder ausgewildert worden.

Seit ihren Mädchentagen liebt Nicole Nieskens Tiere. Auf Hunde und Katzen ist sie nicht so gut sprechen – jedenfalls nicht auf eingeschleppte, die verwildert auf der Grand-Cayman-Insel in der Karibik umherstreunen. Die fressen nämlich die Schlüpflinge des Blauen Leguan (Blue Iguana), den es nur auf dieser Insel gibt und der vor wenigen Jahren kurz vor dem Aussterben stand. Um diesen Reptilien zu helfen, war die beim Geologischen Dienst beschäftigte Biologisch Technische Assistentin von Januar bis Februar vier Wochen lang als freiwillige und unbezahlte Volontärin auf der größten der drei Kaiman-Inseln.

Amphibien und Reptilien haben es der 40-Jährigen, die im Krefelder Westen lebt und arbeitet, seit Jahren angetan. "Aus einer Fachzeitschrift, die ich abonniert habe, bin ich vor einem guten halben Jahr auf die Problematik, das Zucht- und Wiederansiedlungsprojekt der International Reptile Conservation Foundation, aufmerksam geworden", berichtet sie. Daraufhin schrieb sie ihre Bewerbung. Und nachdem die positive Antwort eingegangen war, flog sie über London und Miami auf die Grand-Cayman-Insel. "Dort wurde ich von einem Mitarbeiter des Projekts abgeholt. Über die einzige große Straße der Insel, die etwa so groß wie Köln ist, ging es zu den Appartements am Rande des Botanischen Parks mit seiner Zuchtstation."

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In dem Camp war Nicole Nieskens für die Pflege der Baby- und der bis etwa drei Jahre alten "Teenager"-Iguanas zuständig. Hinzu kam die Öffentlichkeitsarbeit. Im Tagesablauf hieß das: Bis zehn Uhr Käfige säubern, die Tiere füttern und frisches Wasser auffüllen; danach Schulklassen und Touristen durch die Zuchtstation führen, und dann bei der Kontrolltour durch den Botanischen Park genau notieren, wo sie wann welches der inzwischen wieder 300 ausgewilderten Exemplare gesehen hatte. Schließlich war die Insel zu durchfahren, um vier bis fünf Rieseneimer mit gesammelten heimischen Blättern und Blüten zu füllen. "Es mussten mindestens fünf Sorten sein, die dann in die Kühltruhe kamen und am nächsten Morgen verfüttert wurden." Gegen 15 Uhr, gelegentlich auch erst um 17 Uhr, war der Arbeitstag beendet. "Danach habe ich mit dem zweiten Volontär, einem gleichaltrigen Engländer, vor allem Tiere fotografiert, Tierdokus auf dem Laptop angesehen und gekocht." Freie Tage gab es in den vier Wochen nur drei. "Schließlich mussten die Tiere auch am Wochenende versorgt werden."

Für ihr Unternehmen, das mit Vor- und Nachbereitungstagen fünf Wochen dauerte, hatte Nicole Nieskens drei Wochen Urlaub genommen und sich zwei Wochen unbezahlt freistellen lassen. Geld gab's für die Projektarbeit nicht, lediglich die Unterkunft war frei. Ihren Unterhalt ("Lebensmittel sind sehr teuer") musste sie ebenso selbst bezahlen wie den Flug. "Das ändert aber nichts daran, dass ich das noch einmal machen würde."

(RP)