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Krefeld: Die Pille für Tapire

Krefeld : Die Pille für Tapire

Das Tapirweibchen Evi darf nach drei Totgeburten keine Jungen mehr bekommen. Damit ihre Brunst ausbleibt, bekommt sie täglich von ihren Pflegern und Zootierarzt Martin Straube die Pille verabreicht.

Evi muss die Pille nehmen. Nach drei schweren Schwangerschaften soll sie nicht mehr trächtig werden. Evi ist ein etwa 15 Jahre altes Tapirweibchen und lebt im Krefelder Zoo. Seit sieben Jahren kümmert sich Zootierarzt Martin Straube um sie. Nach einer ersten Totgeburt musste das zahme Tapirweibchen sogar zwei Kaiserschnitte über sich ergehen lassen — jedes Mal eine Tortur für das Tier, denn da Tapire eine sehr dicke Schwarte haben, ist ihre Haut nur sehr schwer nach einer Operation zu nähen. Die Tapirjungen kamen stets tot auf die Welt. "Damit Evi weiterhin mit dem Tapirmännchen Carlos zusammenleben kann, ohne trächtig zu werden, bekommt sie jetzt die Pille. Dadurch bleibt ihre Brunst aus", erklärt Straube.

Die Brunst ist die Zeit, in der das Tapirweibchen schwanger werden kann. Die Pille, die Evi jeden Morgen von ihrer Pflegerin verabreicht bekommt, stammt ursprünglich aus der Rinderzucht. Sie gleicht in keiner weise der kleinen, weißen Pille, die viele Frauen täglich nehmen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Stattdessen sieht die "Tapirpille" aus wie ein großer Müsliriegel aus Hafer. "Für Evi ist das ein richtiges Leckerchen, und sie freut sich schon jeden Morgen darauf", so Straube.

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Doch Evi ist nicht Martin Straubes einziger Patient. Der Zootierarzt hat tagtäglich mit großen und zum Teil sehr gefährlichen Tieren zu tun. "Mich unterscheidet schon einiges von einem Tierarzt, der jeden Tag mit Hunden und Katzen zu tun hat. Deswegen ist mein wichtigstes Handwerkszeug auch das Blasrohr." Ein ausgeklügelter Mechanismus erlaubt es, dass sich eine durch das Blasrohr abgeschossene Spritze durch Unterdruck automatisch entleert. "Dadurch ist es möglich, Tieren Medikamente zu verabreichen, denen man nicht so nahe kommen kann", erzählt Martin Straube.

Vor einer Operation können Tiger und Schneeleoparden so in Narkose versetzt werden. Beliebt macht das Blasrohr Zootierarzt Straube aber nicht. Bei seinen Kontrollgängen durch den Zoo sind die meisten Tiere nicht zu sehen. Eine Gazelle flüchtet schlagartig, als sie den Tierarzt erkennt. Darüber kann Straube aber nur lachen. Es hat im Zoo seinen Traumjob gefunden. "Das Schöne ist, dass man die Tiere ihr ganzes Leben lang betreut." Auch Evis Partner Carlos hatte übrigens mal gesundheitliche Probleme. Ihn quälte ein lästiger Husten, den Zootierarzt Straube mit Antibiotika und einem Schleimlöser in den Griff bekam.

(RP)