Krefeld: Die Persil-Uhr ist zurück in Fischeln

Krefeld: Die Persil-Uhr ist zurück in Fischeln

Die Geschichte der Fischelner Persil-Uhr mit dem Motiv der weißen Dame ist ein Glanzstück deutscher Werbe- und Industriegeschichte. Seit Mittwoch erstrahlt das markante Stück in neuem Glanz – und es tickt auch wieder richtig.

Die Geschichte der Fischelner Persil-Uhr mit dem Motiv der weißen Dame ist ein Glanzstück deutscher Werbe- und Industriegeschichte. Seit Mittwoch erstrahlt das markante Stück in neuem Glanz — und es tickt auch wieder richtig.

Die Fischelner Persil-Uhr ist wieder da. Am Mittwochmorgen wurden die drei Bauteile der 5,50 Meter hohen Standuhr mit Hilfe eines Krans zurück auf ihren Platz am Eingang des Stadtparks Fischeln gehievt. Sechs Wochen lang war das von Bernd Scheelen als "Wahrzeichen Fischelns" bezeichnete Geschenk der Firma Henkel gründlich überholt und instand gesetzt worden. Die Uhr ist etwas Besonderes — sie ist eine von neun in ganz Deutschland.

Zum 90. Geburtstag der Marke 9 Uhren verschenkt

1998 hatte die Firma Henkel anlässlich des 90. Geburtstages der Waschmittel-Marke neun Uhren im Wert von jeweils 50.000 DM an verschiedene Städte in Deutschland verschenkt, eine davon an Krefeld. Der Fischelner Peter Krings, damals Leiter der Produktentwicklung bei Henkel, hatte sich dafür eingesetzt, die Uhr nach Krefeld zu holen. Das Motiv, die "Weiße Dame" von Persil, ist jedoch wesentlich älter.

Im Jahr 1922 wurde der spätere Simplicissimus-Karrikaturist Kurt Heiligenstaedt beauftragt, ein Persil-Plakat zu gestalten. Henkel hatte damit einen der erfolgreichsten deutschen Werbe- und Gebrauchsgrafiker engagiert; Heiligenstaedt verband Witz mit Eleganz und schuf einen Typ erotischer Szenen, die als erste Pin-up-Bilder in Deutschland gelten. Er entwarf auch viele Filmplakate. Im Zuge des Henkel-Auftrags sollte er sein bekanntestes Werk schaffen: das "Persil bleibt Persil"-Plakat mit der berühmten weißen Dame, zu dem Elly Heuss-Knapp den Werbetext verfasste. Dieses Plakat wurde über Jahrzehnte hinweg nur leicht modifiziert verwendet.

Maler verewigte seine Freundin

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Der Berliner Maler kaufte also gemeinsam mit seiner Freundin Erna Muchow in einem Modehaus am Alexanderplatz ein weißes Kleid von der Stange. Mit einem weißen Florentiner-Hut auf dem Kopf und einem Persil-Paket in der Hand posierte die 18-Jährige dann für ihn: Das war die Geburtsstunde der "Weißen Dame", dem auch heute noch bekanntesten Werbemotiv von Persil in Deutschland.

Jetzt ist die Uhr also wieder funktionsfähig. Die Konstruktion aus einem Stahlgerüst, in das die farbigen Glasplatten eingelassen sind, besteht aus drei Teilen und ist innen hohl. Hier verbirgt sich die Elektrik für die mehrere Meter langen Leuchtstoffröhren, die die Uhr von innen beleuchten. "So schön wie jetzt wird die Uhr wahrscheinlich nie wieder aussehen", meint ein Zuschauer des Spektakels.

"Eigentlich wurde alles neu gemacht"

Die drei großen Bauteile werden vor dem Zusammenbau noch einmal gründlich mit Glasreiniger von innen und außen geputzt. "Es ist eigentlich alles neu gemacht worden", sagt Bernd Scheelen, Vorsitzender des Stadtpark-Fördervereins. "Die Persil-Uhr wurde überholt, die Elektrik neu gemacht, die Uhr ersetzt, das Gestell lackiert, die Scheiben erneuert", zählt er auf.

Scheelen und viele andere bekannte Fischelner, darunter Bauunternehmer Heinz Hambloch, die Landtagsabgeordnete Ina Spanier-Oppermann, Bezirksvorsteherin Doris Nottebohm, versammelten sich trotz klirrender Kälte an der Kölner Straße, um das Wiederaufstellen der Uhr mitzuerleben.

Das Verschwinden der Persil-Uhr kurz vor Weihnachten hatte für einige Verwirrung im Stadtteil gesorgt. Die Firma Henkel hatte es versäumt, dem Förderverein des Stadtparks Bescheid zu sagen, dass die seit längerem defekte Uhr demontiert werden sollte. Bernd Scheelen glaubte die Uhr gestohlen und wollte bereits die Polizei einschalten.

(RP)
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