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Die neue Saison der Niederrheinischen Sinfoniker

Programm : Die neue Saison der Sinfoniker

GMD Mihkel Kütson und seine Niederrheinischen Sinfoniker haben sich für die kommende Spielzeit viel vorgenommen – sieben Sinfoniekonzerte, zwei Chorkonzerte und massenweise Extras.

Beethovens „Neunte“ beim Neujahrskonzert – wenn das kein krachender Start ins Beethoven-Jahr 2020 ist. Mihkel Kütson, Generalmusikdirektor der Niederrheinischen Sinfoniker, wird in seiner achten Spielzeit damit wohl einer der ersten Geburtstags-Gratulanten sein. Termin: 11 Uhr, Seidenweberhaus. Das nach eigenen Worten „tolle Stück“ ist aber nur einer von vielen Höhepunkten im Konzertprogramm der kommenden Spielzeit. Bei den sieben lieb gewonnenen sinfonischen Doppelauftritten in Krefeld steht der charismatische Dirigent vier Mal vor seinem Orchester, lädt dazu zwei Gäste und Kapellmeister Diego Martin-Etxebarria ans Pult. Beim Gospel-Chorkonzert dirigiert Kütson selbst Gospel-Chöre aus Mönchengladbach, Krefeld, Wachtendonk und Grefrath, während beim 2. Chorkonzert Kapellmeister Michael Preiser, Leiter des Niederrheinischen Konzertchores, Antonio Caldaras „Requiem“ zur Aufführung bringen darf. Eine jüngst entdeckte barocke Rarität.

Es ist also viel los im Konzertprogramm, das als quadratisches Hochglanzheft ab sofort in einem überraschend farbenfrohen Stilmix an den bekannten Stellen zum Reinschnuppern und Mitnehmen einlädt. „Die Fotos zeigen, welche Freude wir bei der Arbeit haben. Dass Musikmachen etwas mit Emotionen zu tun hat und wir kein steifer Verein sind.“ Kütson und sein Team haben mit viel Liebe zum Detail und eher bescheidenen finanziellen Mitteln ein attraktives Prospekt herausgebracht, dass die (konstant gebliebene) Zahl der Abonnenten (rund 500 in Gladbach, etwas mehr in Krefeld) wachsen lassen, neue Zuhörer ansprechen soll. „Konzert ist besser als Sofa“, sagt Kütson, „man muss sich nur einen Ruck geben.“

Höhepunkte der kommenden Saison gibt’s reichlich und eben weit mehr als Beethoven. Der allerdings ist mit der „Coriolan“-Ouvertüre (im 1.) und der „Ersten“ (im 7. Konzert) gut vertreten. Ein Höhepunkt dürfte Gustav Mahlers musikalisches Märchen „Das klagende Lied“ werden, zu dem Kütson neben den Sinfonikern Solist und Opernchor sowie den Niederrheinischen Konzertchor aufbietet. Weil die letztgenannten Laiensänger sind, deshalb einen Ruhetag brauchen, und weil das selten zu hörende Stück sehr anspruchsvoll zu singen ist, fällt ein Sinfoniekonzert aus. Krefeld bekommt zwei, Gladbach eins. Wieder hat Kütson ein außergewöhnliches Solo-Instrument eingeladen, im 3. Konzert gastiert Jacob Reuven mit der Mandoline, beim Vorzeige-Konzert der Zunft, dem von Avner Dorman. Drumherum dirigiert der bulgarische Gast aus Baden-Baden, Pavel Baleff, Strawinskys „Pulcinella-Suite“ und Haydns Nr. 31. Auch die Solisten des 4. Konzerts klingen besonders, das Saxophonquartett „clair-obscur“ (mit Krefelder Beteiligung) spielt Bob Mintzers jazziges Stück „Rhythm of America“, eingerahmt von Villa-Lobos und Paul Dukas’ 1. Sinfonie. Namhafte Solisten sind die begnadete junge Schumann-Interpretin Sophie Pacini mit dem Schumann-Klavierkonzert unter Stefanos Tsialis, dem Chef in Athen im 1. Konzert; und die Cellistin Emmanuelle Bertrand mit Saint-Saens‘ A-moll-Konzert im 6. Konzert. Im 2. Konzert spielt der hauseigene Konzertmeister Philipp Wenger das Prokofjew-Konzert, eingerahmt von Erwin Schulhoffs Suite für Kammerorchester und Tschaikowskys „Manfred“-Sinfonie. Als große Symphoniker sind Brahms (mit der „Ersten“ im 1.) und Ralph Vaughan-Williams mit seiner „Zweiten“ im letzten Konzert aufgeboten. Dabei gibt es dann die inzwischen achte Präsentation der Preisträger des von Kütson ins Leben gerufenen Wettbewerbs „Bühne frei“.

Neben einem intensiven pädagogischen Programm, Probenbesuchen, Schüleraufführungen mit Dvoraks „Fünfter“ geben Mitglieder des Orchesters ganze sechs Kammerkonzerte, von denen eines einem Komponisten aus eigenen Reihen gewidmet ist: dem Bratscher Holger Hockemeyer. Nicht zu reden vom beliebten Filmkonzert im April und einigen Überraschungen. Zu denen zählte in der aktuellen Saison etwa ein Flashmob im Supermarkt und klassische Musik in Kneipen. Man darf gespannt sein.