Krefeld: Die neue Feuerwache nimmt Gestalt an

Krefeld: Die neue Feuerwache nimmt Gestalt an

Das 85-Millionen-Euro-Projekt auf dem Gelände des Alten Güterbahnhofs geht zügig voran. Der kaum tragfähige Untergrund musste mit fast zwei Millionen Kilogramm Kies in 1800 Bohrlöchern ertüchtigt und verdichtet werden.

Die Hochbauarbeiten für die neue Feuerwache am Alten Güterbahnhof gehen planmäßig voran. Unsichtbar, aber grundlegend wichtig, bleiben umfangreiche Vorbereitungen zur Ertüchtigung des Bauareals. Der Untergrund war von seiner Beschaffenheit nicht tragfähig genug, um dem mehr als 100 000 Kubikmeter Raum umfassenden Komplex einen sicheren Stand zu gewährleisten. Der Boden musste verdichtet werden. Dies geschah, indem 1800 bis zu 4,50 Meter tiefe Löcher mit niederrheinischem Kies gefüllt worden sind. Dieses so genannte Rüttelstopfverfahren verschlang rund 1000 Kubikmeter Kies mit einem Gesamtgewicht von fast zwei Millionen Kilogramm. Der Untergrund bekam quasi zusätzliche Masse eingespritzt. Das führt dazu, dass das ursprünglich vorhandene Material enger zusammengedrückt wurde. Nachdem das Grundstück auf diese Art vorbereitet war, konnten die Stahl- und Betonarbeiten beginnen.

SKE-Niederlassungsleiter Norbert Gehrmeyer (links) und Bauleiter Tim Adler sind mit den Baufortschritten zufrieden. Foto: Thomas Lammertz

In relativ kurzer Zeit nahm die neue, brutto gut 85 Millionen Euro teure Feuer- und Rettungswache der Stadt Krefeld Konturen an. Aus zahlreichen Fertigteilen und Halbfertigteilen entstanden zwei bis zu 135 Meter lange Riegel, die miteinander verbunden sind und aus der Vogelperspektive wie ein unregelmäßiger Druckbuchstabe H aussehen. "Hier entsteht ein hochkompliziertes und -komplexes Vorhaben", berichtet Norbert Gehrmeyer, Niederlassungsleiter der SKE Facility Management GmbH, die für die kommenden 30 Jahre für Planung, Errichtung, Finanzierung und Betrieb der Hauptfeuer- und Rettungswache verantwortlich zeichnet. Das Projekt wird als Privat Public Partnership (PPP) verwirklicht - also in Partnerschaft von öffentlicher Hand und Privaten.

"Wir bauen hier nicht nur Garagen oder ein Parkhaus", sagt Gehrmeyer. Von der Leitstelle mit moderner Kommunikationstechnik über Alarmierungssysteme, Hebebühnen und Kräne in den Werkstätten, Desinfektionsräume, Wäscherei, Küche, Ruhe- und Aufenthaltsräume, Sporthalle, repräsentatives Entree, Büroflächen, Blockheizkraftwerk mit 80-prozentiger Wärmerückgewinnung, Zisternen bis hin zu Atemschutzübungsstrecken, Brandübungshaus und siebengeschossigem Brandübungsturm reicht das zu realisierende Paket.

"Wir wollen das gute Wetter ausnutzen", sagt Bauleiter Tim Adler. Bis Weihnachten solle der größte Teil des Rohbaus stehen. Die Fenster würden dann mit Planen verschlossen, damit die Innenarbeiten beginnen könnten. Dann entstehe kein Baustillstand. Derzeit haben die rund 60 Beschäftigten auf der Baustelle - später werden es deutlich mehr - damit zu tun, die so genannten Halbfertigteile auszubetonieren. Dazu wird eine Riesenpumpe eingesetzt, die den Baustoff bis in eine Höhe von 48 Meter transportieren kann.

Im Spätsommer beginnt der Ausbau der Leitstelle, die auf dem Dach angesiedelt ist. Die Technik dort ist das einzige Gewerk, um das sich die Stadt Krefeld selbst kümmere, informierte Gehrmeyer. Ebenfalls auf dem Dach - oberhalb der Rettungswache - entsteht eine Sporthalle. In der Nähe der Bahngleise, wo einmal die Krefelder Promenade verlaufen soll, sei außerdem ein Sportplatz vorgesehen. Das gesamte Gelände ist zu umfahren. Die dazu entstehende Straße ist etwa 250 Meter lang. Die Ein- und Ausfahrt für die Einsätze ist mittig des Grundstücks zur Neuen Ritterstraße hin vorgesehen. Die 50 Meter breite Öffnung dürfte mit einer Bedarfsampel versehen werden, damit die Einsatzkräfte jederzeit freie Fahrt in die Stadt haben. Auch an der so genannten Freiraumplanung wird derzeit parallel gearbeitet. Das gesamte Gelände werde mit Ausnahme des lichten und einladenden Haupteingangs umzäunt. Die Entwürfe für die Grün-, Platz- und Wegegestaltung sei bereits weitgehend abgeschlossen, war zu hören.

Im Februar 2016 soll die neue Feuer- und Rettungswache in Betrieb gehen. "Das ist für ein Projekt dieser Größenordnung und unter Berücksichtigung der detaillierten Vorarbeiten rasend schnell", sagt Gehrmeyer. Allein der Vertrag zwischen SKE und der Stadt Krefeld über diese PPP-Vereinbarung umfasse 4000 Seiten.

(RP)
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