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Krefeld: Die Liebe zog sie nach Krefeld — Bosnierin macht Bachelor mit 1,0

Krefeld : Die Liebe zog sie nach Krefeld — Bosnierin macht Bachelor mit 1,0

Die Elektrotechnik-Studentin Ena Zunic lernte innerhalb eines halben Jahres die deutsche Sprache und schloss ihren Bachelor mit der Note 1,0 ab. Dabei wäre die Einwanderung der Bosnierin beinahe an bürokratischen Hürden gescheitert.

Im Nachhinein ist alles gut ausgegangen: Wenn Studentin Ena Zunic heute in der Küche ihrer Wohnung an der Uerdinger Straße sitzt und über ihre komplizierte Einwanderungsgeschichte berichtet, die mit dem Gewinn des Preises vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, dann schwingt da auch eine gewaltige Portion Stolz mit.

Langes Bangen um das Visum

Die Erzählung beginnt im Frühjahr des Jahres 2008. Die heute 23-jährige Bosnierin hatte gerade ihre Schullaufbahn hinter sich gebracht und war auf der Suche nach einer Hochschule und einer neuen Stadt. Das tschechische Prag stand weit oben auf ihrer Liste, auch andere Standorte schafften es in die engere Wahl. Doch das Leben schreibt eine andere Geschichte, die guten Stoff liefern würde für den Plot einer Liebesstory. Zunic lernte den Krefelder Michael August (27) kennen, der in dieser Zeit sein soziales Jahr in Bosnien leistete.

Die beiden wurden ein Paar, schmiedeten Pläne, in Krefeld zusammenzuziehen und zu studieren. Zunic ist ehrgeizig und umtriebig, erfährt schnell, dass sie ihren Wunschstudiengang der Elektrotechnik an der Hochschule Niederrhein nur zum Wintersemester im Oktober beginnt. Doch das Datum rückte unweigerlich näher, es ist mittlerweile November geworden, als sie nach langem Bangen endlich ihr Visum von der Botschaft in Sarajevo erhält.

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Kostenlose Einzelstunden als Belohnung für ihren Fleiß

Ein gutes halbes Jahr blieb ihr, um einen deutschen Sprachtest zu bestehen, der nah an das Muttersprachenniveau heranrückt. "Dabei habe ich zu dem Zeitpunkt nicht ein einziges Wort Deutsch gesprochen", schildert Ena Zunic den knappen Zeitplan. Doch sie zieht nach Krefeld, besucht mit anderen Migranten die Gruppenkurse und nimmt danach immer noch eine Einzelstunde bei der Dozentin. "Die hat das kostenlos für mich gemacht, weil sie gemerkt hat, wie sehr ich mich angestrengt habe."

Zu Hause dagegen war die neue Sprache für sie tabu, auch gegenüber dem Freund. "Ich wollte mich nicht nur rudimentär ausdrücken, sondern die Dinge wie in meiner Muttersprache Bosnisch beschreiben können", schildert die ehrgeizige junge Frau ihre Motivation.

Ziel: Arbeit mit Erneuerbaren Energien

Den schweren Sprachtest hat sie bestanden, ebenso die Aufnahmekriterien der Hochschule. Das liegt mittlerweile fast fünf Jahre zurück. In dieser Zeit hat sie ihren Bachelor in Elektrotechnik mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen und wird ihren Master voraussichtlich 2015 bestehen. Das hat der DAAD dann Ende vergangenen Jahres mit einer Auszeichnung prämiert.

Während das Erlernen der deutschen Sprache für Zunic eine Herausforderung darstellte, wurde ihr das Talent für technische Dinge quasi in die Wiege gelegt. "Mein Vater hat als Bauingenieur gearbeitet, mir immer kleine Schaltungen mitgebracht, an denen ich dann herumschrauben durfte", erzählt die Studentin. Nach ihrem Studium will sie ebenfalls in diesem Beruf arbeiten, den Schwerpunkt aber auf die Erneuerbaren Energien legen. Vielleicht kann Ena Zunic dann auch in diesem Bereich demnächst Preise einheimsen.

(RP)